Verlag: Random House
Erschienen: 2011
Deutscher Titel: Shades of Grey – Geheimes Verlangen
Seiten: 514
Spätestens seit der erste Band der “Shades of Grey”-Reihe auch in Deutschland erschienen ist, wird überall über dieses Buch gesprochen. Man hat das Gefühl, jeder hat es gelesen und jeder hat eine extreme Meinung dazu. Von den einen wird es geliebt, von den anderen verteufelt. Was also ist dran an diesem Buch, das sich besser verkauft als Harry Potter?
Alles beginng ganz harmlos, Anastasia Steele hat gerade ihr Studium beendet und ist in Liebesdingen noch recht unerfahren, als sie den reichen Geschäftsmann Christian Grey kennenlernt. Sie kann kaum glauben, dass sich dieser Mann wirklich für sie interessiert. Doch bald wird klar, dass er sich eine Beziehung etwas anders vorstellt, als sie. Christian unterbreitet Ana einen Vertrag, der nicht nur ihre Kleidung und ihre Mahlzeiten regelt, sondern auch die sexuelle Beziehung zwischen den beiden. Der sicherlich meistzitierte Satz aus diesem Buch macht alles klar:
I don’t make love. I fuck… hard.
Christian ist nicht an Blümchensex interessiert, sondern möchte mit Ana seine BDSM-Vorliebe ausleben. Für sie ist das alles Neuland, sie wünscht sich eine normale Beziehung und ist von Christians Angebot gleichzeitig fasziniert und auch abgestoßen. Wie die Beziehung zwischen den beiden sich entwickelt, muss nun aber jeder selbst nachlesen.
Da die Trilogie aus einer Twilight-Fanfiction entstanden ist, liegt es nahe, das Buch auch damit zu vergleichen. Und eigentlich ist Fifty Shades of Grey genau wie Twilight, nur ohne Vampire und dafür mit viel Sex. Ana erinnert stark an die ungeschickte und etwas orientierungslos durchs Leben stolpernde Bella, hat aber glücklicherweise doch etwas mehr Charakter als diese und wirkt selbstbestimmter. Christian und Edward kann ich – auch dank der Verfilmung mit Robert Pattinson – beim besten Willen nicht unter einen Hut bringen und auch hier ist mir die neue – nicht glitzernde – Version viel lieber.
Es gibt für mich persönlich aber noch einen Zusammenhang zu Twilight. Beide Bücher haben einen unglaublichen Sog auf mich ausgewirkt. Ich erinnere mich noch gut daran, als ich Twilight gelesen habe und das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen wollte, weil ich unbedingt wissen musste, wie es mit Bella und Edward weitergeht. Ähnlich war es jetzt auch mit “Fifty Shades of Grey”. Ich habe in den letzten Monaten eher wenig gelesen und doch hatte ich dieses Buch innerhalb weniger Tage durch. Woher diese Faszination kommt, kann ich nicht einmal an etwas bestimmtem festmachen, denn das Buch ist weder besonders gut geschrieben, noch ist die Geschichte in irgendeiner Form neu. Und doch hat es mich gefesselt und nicht mehr losgelassen.
Kritik an der Reihe gibt es natürlich in vielfältiger Art und Weise an allen Ecken zu lesen. Wenn man das Nicht-Gefallen an Dingen wie dem schlechten Stil, den platten Charakteren und der wenig einfallsreichen Story festmacht, kann ich das noch nachvollziehen. Das Buch ist keine schriftstellerische Meisterleistung und bei manchen Wiederholungen würde man es am liebsten laut schreiend in die Ecke werfen. Aber genau deshalb lässt es sich auch so schnell und flüssig lesen, oder besser gesagt: verschlingen.
Wenn die Feministinnen aufschreien, dass die Autorin ein altmodisches Frauenbild vertritt, Ana sich ihrem Christian unterwirft und ihm das Heimchen am Herd spielt, ihr eigenes Leben für einen Mann aufopfert, muss ich allerdings widersprechen. Ana ist sehr viel selbstständiger, als eine Bella es jemals war, sie führt ihr eigenes Leben, will in vielen Dingen unabhängig bleiben und bleibt sich, trotz vieler neuer Eindrücke und einer ganz neuen Welt, die sich ihr eröffnet, treu. Die Unterwerfung ist rein sexueller Natur, ist ihre eigene Entscheidung und hat kein bisschen mit kompletter Abhängigkeit von einem Mann zu tun.
Die Sex-Szenen kann ich schlecht beurteilen, da ich “solche” Bücher sonst nicht lese. Ich fand sie ganz ok und zum Glück auch nicht sehr ordinär. Manches wird eher umschrieben, als in aller Deutlichkeit gesagt. Ob die Autorin ihr Wissen über BDSM nun aus dem Internet hat, oder aus eigenen Erfahrungen schöpft, sei dahingestellt. Ich hatte zu Beginn Bedenken, dass ich diese Szenen abstoßend finden würde, doch eigentlich sind sie eher harmlos. Auch wenn ich mir persönlich nicht den Hintern versohlen lassen möchte, geht es in diesem Buch nicht so hart zur Sache, wie ich befürchtet hatte.
Es handelt sich bei “Fifty Shades of Grey” sicher nicht um ein literarisches Meisterwerk. Ich bin mir der Schwächen des Buches bewusst und verstehe auch nicht unbedingt, warum es sich so gut verkauft, aber ich habe es ganz gerne gelesen. Und nach dem Ende des ersten Bandes bin ich auch ganz froh, dass ich gleich alle drei Teile gekauft habe und demnächst weiterlesen kann.
Und ihr so? Habt ihr das Buch gelesen oder interessiert es euch nicht?