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Hyok Kang – Ihr seid hier im Paradies! Meine Kindheit in Nordkorea

Verlag: Goldmann
Erschienen: 2005
Original: Ici, c’est le paradis!
Übersetzung: Hanna van Laak
Seiten: 191

Über kaum ein Land weiß man so wenig, wie über Nordkorea. Auch jetzt, wo man fast täglich in den Nachrichten von Atomtests und Provokationen liest, ist wenig über die Lage der Bevölkerung bekannt. Dank diesem Buch habe ich davon nun eine bessere Vorstellung.

Hyok Kang wurde 1986 in Onsong geboren und wird schon bald mit Hungersnot, Denunziationen und harten Strafen konfrontiert. Als er zwölf Jahre alt ist, gelingt seiner Familie die Flucht nach China. Später gelangen sie nach Südkorea und können nicht glauben, dass es dort ganz anders ist, als die nordkoreanische Propaganda sie glauben machen wollte. Trotz der ungewohnten Freiheit bleiben sie auch dort Außenseiter.

Zusammen mit dem Auslandskorrespondenten Philippe Grangerau hat Hyok Kang seine Erinnerungen an Nordkorea aufgeschrieben. Der Stil ist schlicht und sachlich, die beiden Autoren haben sich um Neutralität bemüht. Zeichnungen von Hyok Kang illustrieren die Geschichte. Ein kurzer Anhang liefert zusätzliche Informationen über Arbeitslager in Nordkorea.

Ich konnte es beim Lesen kaum glauben, dass es dieses Land tatsächlich gibt und nicht einer kranken Phantasie entsprungen ist. Diese absolute Abhängigkeit von der politischen Führung und die Abschottung der Bevölkerung von der Außenwelt ist sicher einzigartig. Unglaublich fand ich, dass die ganze Propaganda wirklich 100%ig zu funktionieren scheint. Hyok Kang und seine Familie waren bei ihrer Flucht überzeugt davon, dass es den Menschen in Südkorea noch viel schlechter geht als den Nordkoreanern und diese noch viel ärmer sind. Vieles was man in diesem Buch liest, ist sehr traurig und macht nachdenklich. Gerade deshalb finde ich es aber so lesenswert. :sheep4:

Ich hoffe sehr, dass die aktuelle politische Lage sich nicht noch mehr zuspitzt und Unschuldigen das Leben noch schwerer macht, als es ohnehin schon ist.

Simone Dalbert – Papiergeflüster. Aus dem Leben einer Buchhändlerin

Verlag: Tubuk digital
Erschienen: 2013
Seiten: 62

Wer Tag für Tag Kundenkontakt hat, kann sicher die ein oder andere amüsante Geschichte erzählen. Simone Dalbert hat in diesem E-Book die besten Episoden aus ihrem Buchhändlerinnen-Alltag zu Papier gebracht.

Schon lange lese ich mit Begeisterung Simone Dalberts Blog Papiergeflüster und ihre Beiträge auf Ich mach was mit Büchern, wo sie schon öfter unterhaltsame Geschichten aus ihrem Leben als Buchhändlerinnen veröffentlicht hat. Nun gibt es diese Episoden auch in Buchform, ergänzt von einigen Tweets (@Buchgeschichten) aus der Buchhandlung.

Die Kurzgeschichten sind allesamt unterhaltsam und gut zu lesen. Ideal sind sie als kleine Lektüre für Zwischendurch. Alle Geschichten am Stück zu lesen, würde ich wie bei anderen Büchern dieser Art nicht empfehlen, da man sich zu schnell an den Stil und Humor gewöhnt und sich selbst den Spaß daran nimmt.

Als aufmerksame Leserin der bisher schon online erschienenen Geschichten aus dem Buchhandel kannte ich viele Episoden schon. Ich hätte mich gefreut, noch mehr Neues in diesem E-Book zu finden, trotzdem ist es schön, eine Sammlung aller Kurzgeschichten in der Hand zu halten. Auch für Leser von Papierbüchern gibt es gute Nachrichten: Papiergeflüster erscheint im April in gedruckter Ausgabe im ACABUS Verlag.

Insgesamt habe ich diese Kurzgeschichtensammlung aus dem Alltag einer Buchhändlerin sehr gerne gelesen und hoffe, dass Simone Dalbert bald genug Stoff für eine Fortsetzung hat! :sheep4:

Anne Donovan – Being Emily

Verlag: Canongate Books
Erschienen: 2008
Seiten: 298
Auf Deutsch: Emily sein oder nicht sein
Übersetzer: Eva Bonné

Fiona hat keinen leichten Stand in ihrer Familie. Die kleinen Schwestern sind die Lieblinge der Eltern und sie muss dafür auf diese aufpassen und im Haushalt helfen. Als die Mutter stirbt, übernimmt Fiona noch mehr Verantwortung, aber ihr Leben läuft immer mehr aus dem Ruder. Fiona ist fasziniert von Emily Brontë und deren Leben, sie will auch selbst Künstlerin werden und schafft es erfolgreich auf die Uni, obwohl sie aus einer Arbeiterfamilie stammt. Der Roman begleitet Fiona in den Jahren, in denen sie sich von einem Mädchen zu einer Erwachsenen verändert, die erste Liebe und ein Ziel im Leben findet.

Ich habe das Buch auf Englisch gelesen und habe eine gewisse Eingewöhnungszeit gebraucht, weil es nicht nur in Glasgow spielt, sondern auch im örtlichen Dialekt geschrieben ist. Wenn man sich aber ein bisschen eingelesen hat, trägt das sehr zur Stimmung des Buches bei. Anne Donovan hat es außerdem geschafft, liebenswerte und authentische Charaktere zu erschaffen. Besonders Fiona ist mir durch ihre Liebe zu Kunst und Literatur ans Herz gewachsen.

Sicher ist diese Geschichte nicht neu, Coming-of-Age-Romane gibt es viele. Trotzdem bleibt mir dieses Buch dank der sympathischen Protagonistin und Schottland als Schauplatz in guter Erinnerung. :sheep4:

Gregory David Roberts – Shantaram

Verlag: Little, Brown Book Group
Erschienen: 2003
Auf Deutsch: Shantaram
Deutscher Verlag: Goldmann
Seiten: 944

Nach seiner Flucht aus einem australischen Gefängnis landet Lin in Mumbai, wo er ein neues Leben anfängt. Er findet Freunde, die selbst aus diversen Gründen ihre Heimatländer verlassen mussten, lebt einige Zeit in einem Slum, wo er eine Klinik aufbaut, gerät aber immer mehr in die Machenschaften der örtlichen Maffia, was in bis nach Afghanistan in den Krieg führt.

Das Buch ist mit seinen fast 1000 Seiten nicht gerade schnell gelesen und so hat es mich auch lange begleitet. Besonders interessant war für mich persönlich, dass ich einen Teil des Buches gelesen habe, als ich gerade selbst in Indien war. Aus diesem Grund fand ich auch den Anfang sehr spannend, als der Protagonist Indien erst kennenlernt, die Eigenarten der Inder und deren Kultur aus der Sicht eines Außenstehenden beschreibt. Später lernt er Hindi und die lokale Sprache Marathi, wodurch er von den Einheimischen immer mehr als einer von ihnen akzeptiert wird. Man lernt Indien durch das Buch also nicht nur aus Sicht eines Ausländers kennen, sondern auch aus der Perspektive eines Beinahe-Einheimischen.

“Shantaram” ist schonungslos ehrlich. Wer sich Indien als bunte, nach Gewürzen duftende Glitzerwelt vorstellt, wird vermutlich enttäuscht werden. Lin lebt nicht gerade in gehobenen Verhältnissen, in seiner Zeit im Slum hat er nur eine einfache Hütte, kaum Möbel und andere Besitztümer, wie die meisten Inder auch. Viele Figuren kämpfen um das tägliche Überleben, können sich kaum das nötigste leisten. Bei vielen Szenen darf man nicht zimperlich sein, es wird gefoltert, gekämpft und geprügelt, wo auch immer sich eine Gelegenheit bietet. So detailliert hätte ich das manchmal lieber nicht gelesen.

Sprachlich fand ich das Buch sehr angenehm, auch wenn es sich nicht schnell weglesen lässt. Es gibt viele Diskussionen über Moral und philosophische Fragen, auf die man sich einlassen muss. Man bekommt also nicht nur eine oberflächliche Geschichte zu lesen, sondern auch den ein oder anderen Denkanstoß geliefert.

Insgesamt fehlte mir ein bisschen der rote Faden. Das Buch begleitet Lin über viele Jahre hinweg, manche Ereignisse werden erzählt, andere wiederum ausgelassen. Am Ende ist seine Geschichte aber keineswegs zu Ende, obwohl einige Fäden zusammenlaufen und man zu manchen Geschehnissen die Hintergründe erfährt. Es werden viele verschiedene Geschichten erzählt, viele Personen spielen eine Rolle, so dass man leicht mal den Überblick verlieren kann, gerade wenn man das Buch über einen längeren Zeitraum liest.

Ich bin kein Fan dicker Bücher und denke mir nach dem Lesen oft, dass man vieles hätte kürzen können. Hier gehörte jede kleine Nebenhandlung und jede “unwichtige” Szene einfach so sehr zum Gesamtbild, dass ich froh bin, dass Gregory David Roberts sich nicht kürzer gefasst hat. :sheep4:

Olga Grjasnowa – Der Russe ist einer, der Birken liebt

Verlag: Hanser
Erschienen: Februar 2012
Seiten: 288

“Der Russe ist einer, der Birken liebt”. Schon der Titel dieses Romans ist ein Klischee und mit Klischees spielt die junge Autorin gekonnt in ihrem Debütroman. Ihre Protagonistin Mascha ist Mitte 20, Jüdin und Aserbaidschanerin, lebt aber seit ihrer Kindheit in Deutschland. Sie ist sehr ehrgeizig, spricht fünf Sprachen fließend und strebt eine Karriere als Dolmetscherin bei der UNO an. Eine folgenschwere Sportverletzung ihres Freundes Elias wirft sie aus der Bahn. Mascha begibt sich auf die Suche nach Heimat und Identität und verliert sich selbst immer mehr.

Das Buch, wie auch die Protagonistin Mascha, sind recht eigenwillig. In den ersten beiden Teilen des Buches konnte ich Maschas Entscheidungen und ihre Lebensweise noch verstehen, doch je mehr ihr Leben aus der Bahn läuft, desto weniger konnte ich nachvollziehen, wie sie handelt. Das macht das Buch aber keineswegs schlechter. Ganz im Gegenteil, Olga Grjasnowa zeichnet Maschas Entwicklung überzeugend und stimmig, auch wenn die Protagonistin mir als Leserin dabei immer fremder wurde.

Die sympathische Autorin, die ich im Mai bei einer Lesung live erleben durfte, hat sich in diesem Roman viel vorgenommen. So viele schwerwiegende Themen werden angesprochen, dass man kaum verstehen kann, wie diese in 288 Seiten Platz haben. Von einer Kindheit in einem Krisengebiet mit den dazugehörigen Nachwirkungen und dem Verlust eines geliebten Menschen spannt Olga Grjasnowa den Bogen zu einer Suche nach Identität und der wahren Heimat, der Zerrissenheit zwischen einem Zuhause-Fühlen und einem Ausgestoßen-Sein.

Dieses Buch und auch die Lesung der Autorin, die ich besucht habe, haben mich zum Nachdenken angeregt über Ausländer, über Menschen, die zwar in Deutschland geboren wurde, aber trotzdem nicht als Deutsche akzeptiert werden, darüber, dass manchmal nett gemeinte Fragen schon Ausgrenzung und Diskriminierung sein können. Allein für diese Denkanstöße bin ich dem Buch dankbar und bin froh, dass ich es gelesen habe. :sheep4:

Alan Bradley – A Red Herring Without Mustard

Verlag: Bantam
Deutscher Titel: Flavia DeLuce. Halunken, Tod und Teufel
Erschienen: 2011
Seiten: 416

Flavia DeLuce scheint Mord und Totschlag magisch anzuziehen. Schon wieder ist im kleinen Ort Bishop’s Lacey ein Verbrechen passiert. Flavia findet die alte Zigeunerin, die ihr noch vor wenigen Stunden die Zukunft vorausgesagt hat, blutüberströmt in ihrem Wohnwagen. Und Flavia wäre nicht Flavia, würde sie nicht auf eigene Faust den Täter ermitteln. Von ihren Nachforschungen lässt sie sich weder von der örtlichen Polizei, noch von ihrem Vater abhalten.

Im dritten Band der Reihe gibt es keine langen Vorreden, das Verbrechen geschieht gleich am Anfang und die Spannung lässt nicht lange auf sich warten. Flavia legt auch gleich richtig los, geht jedem kleinen Hinweis nach und besucht alle, die auch nur annähernd in Bezug zum Verbrechen stehen könnten. Dabei kommen natürlich eine ganze Menge Personen und Verbindungen zusammen, die man jederzeit parat haben sollte. Leider habe ich beim Lesen eine längere Pause gemacht, so dass ich öfter mal nachblättern musste und mich nicht mehr an alles erinnern konnte. Das war gegen Ende dann aber kein Problem mehr, da man Flavias Schlussfolgerungen sehr gut folgen kann.

Zusätzlich zu dem spannenden Kriminalfall lernt man auch diesmal Flavias Familie und andere liebgewonnene Personen aus den ersten Bänden genauer kennen. Sie stehen zwar nicht im Mittelpunkt des Geschehens, aber trotzdem erfährt man einiges über die Geldsorgen des Vaters, die gemeinen Spielchen der Schwestern und vieles mehr. Auch von Flaivas Mutter Harriet ist öfter die Rede und ich bin gespannt, ob man in den Folgebänden noch genaueres über ihr Verschwinden erfährt.

Ich brauche zwar bei jedem Flavia-Band ein bisschen, bis ich mich in die nicht ganz triviale Sprache eingelesen habe, aber dann fühle ich mich jedes Mal wieder zuhause in Bishop’s Lacey, diesem englischen Dorf der 50er Jahre. Ich freue mich schon sehr darauf, den nächsten Teil “I Am Half-Sick of Shadows”, der im Oktober auch auf Deutsch (“Vorhang auf für einen Leiche”) erscheint, zu lesen. Insgesamt hat mir “A Red Herring Without Mustard” zwar nicht ganz so gut gefallen wie der Vorgänger, ist mir aber trotzdem :sheep4: wert.

E.L. James – Fifty Shades of Grey

Verlag: Random House
Erschienen: 2011
Deutscher Titel: Shades of Grey – Geheimes Verlangen
Seiten: 514

Spätestens seit der erste Band der “Shades of Grey”-Reihe auch in Deutschland erschienen ist, wird überall über dieses Buch gesprochen. Man hat das Gefühl, jeder hat es gelesen und jeder hat eine extreme Meinung dazu. Von den einen wird es geliebt, von den anderen verteufelt. Was also ist dran an diesem Buch, das sich besser verkauft als Harry Potter?

Alles beginng ganz harmlos, Anastasia Steele hat gerade ihr Studium beendet und ist in Liebesdingen noch recht unerfahren, als sie den reichen Geschäftsmann Christian Grey kennenlernt. Sie kann kaum glauben, dass sich dieser Mann wirklich für sie interessiert. Doch bald wird klar, dass er sich eine Beziehung etwas anders vorstellt, als sie. Christian unterbreitet Ana einen Vertrag, der nicht nur ihre Kleidung und ihre Mahlzeiten regelt, sondern auch die sexuelle Beziehung zwischen den beiden. Der sicherlich meistzitierte Satz aus diesem Buch macht alles klar:

I don’t make love. I fuck… hard.

Christian ist nicht an Blümchensex interessiert, sondern möchte mit Ana seine BDSM-Vorliebe ausleben. Für sie ist das alles Neuland, sie wünscht sich eine normale Beziehung und ist von Christians Angebot gleichzeitig fasziniert und auch abgestoßen. Wie die Beziehung zwischen den beiden sich entwickelt, muss nun aber jeder selbst nachlesen.

Da die Trilogie aus einer Twilight-Fanfiction entstanden ist, liegt es nahe, das Buch auch damit zu vergleichen. Und eigentlich ist Fifty Shades of Grey genau wie Twilight, nur ohne Vampire und dafür mit viel Sex. Ana erinnert stark an die ungeschickte und etwas orientierungslos durchs Leben stolpernde Bella, hat aber glücklicherweise doch etwas mehr Charakter als diese und wirkt selbstbestimmter. Christian und Edward kann ich – auch dank der Verfilmung mit Robert Pattinson – beim besten Willen nicht unter einen Hut bringen und auch hier ist mir die neue – nicht glitzernde – Version viel lieber.

Es gibt für mich persönlich aber noch einen Zusammenhang zu Twilight. Beide Bücher haben einen unglaublichen Sog auf mich ausgewirkt. Ich erinnere mich noch gut daran, als ich Twilight gelesen habe und das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen wollte, weil ich unbedingt wissen musste, wie es mit Bella und Edward weitergeht. Ähnlich war es jetzt auch mit “Fifty Shades of Grey”. Ich habe in den letzten Monaten eher wenig gelesen und doch hatte ich dieses Buch innerhalb weniger Tage durch. Woher diese Faszination kommt, kann ich nicht einmal an etwas bestimmtem festmachen, denn das Buch ist weder besonders gut geschrieben, noch ist die Geschichte in irgendeiner Form neu. Und doch hat es mich gefesselt und nicht mehr losgelassen.

Kritik an der Reihe gibt es natürlich in vielfältiger Art und Weise an allen Ecken zu lesen. Wenn man das Nicht-Gefallen an Dingen wie dem schlechten Stil, den platten Charakteren und der wenig einfallsreichen Story festmacht, kann ich das noch nachvollziehen. Das Buch ist keine schriftstellerische Meisterleistung und bei manchen Wiederholungen würde man es am liebsten laut schreiend in die Ecke werfen. Aber genau deshalb lässt es sich auch so schnell und flüssig lesen, oder besser gesagt: verschlingen.

Wenn die Feministinnen aufschreien, dass die Autorin ein altmodisches Frauenbild vertritt, Ana sich ihrem Christian unterwirft und ihm das Heimchen am Herd spielt, ihr eigenes Leben für einen Mann aufopfert, muss ich allerdings widersprechen. Ana ist sehr viel selbstständiger, als eine Bella es jemals war, sie führt ihr eigenes Leben, will in vielen Dingen unabhängig bleiben und bleibt sich, trotz vieler neuer Eindrücke und einer ganz neuen Welt, die sich ihr eröffnet, treu. Die Unterwerfung ist rein sexueller Natur, ist ihre eigene Entscheidung und hat kein bisschen mit kompletter Abhängigkeit von einem Mann zu tun.

Die Sex-Szenen kann ich schlecht beurteilen, da ich “solche” Bücher sonst nicht lese. Ich fand sie ganz ok und zum Glück auch nicht sehr ordinär. Manches wird eher umschrieben, als in aller Deutlichkeit gesagt. Ob die Autorin ihr Wissen über BDSM nun aus dem Internet hat, oder aus eigenen Erfahrungen schöpft, sei dahingestellt. Ich hatte zu Beginn Bedenken, dass ich diese Szenen abstoßend finden würde, doch eigentlich sind sie eher harmlos. Auch wenn ich mir persönlich nicht den Hintern versohlen lassen möchte, geht es in diesem Buch nicht so hart zur Sache, wie ich befürchtet hatte.

Es handelt sich bei “Fifty Shades of Grey” sicher nicht um ein literarisches Meisterwerk. Ich bin mir der Schwächen des Buches bewusst und verstehe auch nicht unbedingt, warum es sich so gut verkauft, aber ich habe es ganz gerne gelesen. Und nach dem Ende des ersten Bandes bin ich auch ganz froh, dass ich gleich alle drei Teile gekauft habe und demnächst weiterlesen kann. :sheep4:

Und ihr so? Habt ihr das Buch gelesen oder interessiert es euch nicht?

Gail Carriger – Timeless (The Parasol Protectorate 5)

Verlag: Orbit
Erschienen: März 2012
Deutscher Titel: Sengendes Zwielicht
Erscheinungstermin der deutschen Ausgabe: 19.11.2012
Seiten: 416

Sie sind wieder da! Alexia und ihr Werwolf-Ehemann gehen in die fünfte Runde! Ganz neu dabei auch Baby Prudence, die natürlich ganz besondere Fähigkeiten hat und alles ganz schön aufmischt.

Ich wusste nicht, ob ich das Buch ganz schnell durchlesen soll, weil ich mich schon so lange darauf freue, oder ob ich es ganz langsam lesen soll, weil es der letzte Band der Reihe ist und es danach Abschied nehmen heißt, von all den liebgewonnenen Charakteren. Im Endeffekt gab es beim Lesen dann nicht mehr viel nachzudenken, ich habe das Buch innerhalb kürzester Zeit verschlungen, wie auch schon die vier Vorgänger.

Obwohl man die meisten Figuren und die Welt nun schon kennt, hat es  Gail Carriger wieder geschafft, eine spannende Geschichte und jede Menge witziger Szenen in ein neues Setting (Ägypten) zu verpacken. Matakara, die Vampirkönigin aus Alexandria und gleichzeitig der älteste Vampir der Welt, lädt Alexia und Baby Prudence mit einigem Nachdruck zu sich ein. Und so gibt es wieder einmal eine Reise, auf der sie nicht nur Conall begleitet, sondern auch die Tunstells mit ihrer gesamten Schauspielertruppe.

Ob es nun gut oder schlecht ist, dass man am Ende über gewisse Dinge und Personen noch mehr wissen möchte, bleibt wohl Geschmackssache. Einerseits hätte ich mir in manchen Punkten noch die ein oder andere Information gewünscht, andererseits ist es ein großer Pluspunkt für die Autorin, dass ich am Ende der Reihe einfach mehr, mehr, mehr wollte und die liebgewonnenen Figuren nicht verlassen wollte, obwohl ihre Geschichte eigentlich zufriedenstellend abgeschlossen ist.

Ich bin nach wie vor ein großer Fan der Reihe und freue mich schon darauf, sie nochmal irgendwann am Stück durchzulesen. “Timeless” ist zwar nicht der stärkste Band der Reihe, aber doch sehr lesenswert und unterhaltsam. :sheep4:

Ganz besonders freue ich mich auch schon auf “Etiquette and Espionage”, den ersten Band von Gail Carriger’s neuer Reihe “Finishing School”, der im Februar 2013 erscheinen soll. Das Cover finde ich auch wieder sehr gelungen, fast schöner als die Cover der Parasol Protectorate Reihe:

Seid ihr auch schon so gespannt darauf und wie findet ihr das Cover?

Rachel Joyce – Die unwahrscheinliche Pilgerreise des Harold Fry

Es ist mal wieder zu viel Zeit vergangen seit dem letzten Beitrag. Es war einiges los bei mir, Geburtstag, Heimatbesuch, Finale “dahoam” und so weiter. Gelesen habe ich kaum, aber ich will euch jetzt wenigstens dieses Buch vorstellen!

Verlag: Krüger
Erscheinungstermin: 16. Mai 2012
Originaltitel: The Unlikely Pilgrimage of Harold Fry
Übersetzung: Maria Andreas
Seiten: 384

Harold ist seit einiger Zeit in Rente, lebt ein eher zurückgezogenes und ruhiges Leben. Doch als er einen Brief von seiner ehemaligen Arbeitskollegin Queenie bekommt, die todkrank ist, antwortet er zuerst nur per Brief, macht sich dann aber zu Fuß auf den Weg quer durch England, um sich persönlich von ihr zu verabschieden. Unterwegs denkt er über viele Dinge nach, trifft interessante Menschen und berührt viele mit seiner Geschichte. Erst nach und nach erfährt man, welche Rolle Queenie in Harolds Leben spielte und welche fast vergessenen Schicksalsschläge in Harolds Vergangenheit lauern.

Ich habe dieses Buch als sehr traurig empfunden und habe mich auch in meiner eigenen Stimmung davon beeinflussen lassen. Harold wirkt oft sehr unglücklich und auch die vielen Gedanken, die er sich auf seiner Wanderung macht, sind oft traurig. Allerdings wird dies ausgeglichen von schönen Zufallsbegegnungen auf seiner Reise. Viele Menschen öffnen sich Harold, erzählen ihm ihre Geschichte oder helfen ihm weiter. Trotz dieser positiven Momente bleibt mir das Buch als melancholisch in Erinnerung.

Harold ist eine sympathische, bewundernswerte Hauptperson. Von seinem eher trägen und zurückgezogenen Rentnerleben verabschiedet er sich von einer Sekunde auf die andere und verändert sich vollkommen. Oft musste ich mir sein Alter wieder in Erinnerung rufen, da er auf seiner Reise viel jünger und tatkräftiger wirkt, als zuvor. Auch seine Frau Maureen, die zu Beginn wie der größte Hausdrachen der Welt wirkte, konnte nach und nach Sympathiepunkte sammeln.

Harolds Geschichte hat mich wirklich berührt und ich habe seine Reise gern verfolgt. Die ganz große Begeisterung hat das Buch allerdings nicht in mir ausgelöst, das ist aber mehr eine Gefühlssache, die ich nicht richtig begründen kann. Für :sheep4: reicht es aber definitiv.

Die Aktion

Von der Aktion zu diesem Buch habt ihr sicher schon auf vielen anderen Blogs gelesen. Der Verlag hat das Buch vorab an 100 Blogger geschickt. Das Buch soll nach dem Lesen auf Wanderschaft gehen, ganz so wie Harold Fry. Damit man auch die Reise nachvollziehen kann, darf/soll jeder Leser Notizen ins Buch schreiben. Ich konnte mich nicht dazu überwinden, direkt ins Buch zu schreiben und habe nur einige Post-Its eingeklebt.

Das Buch wandert jetzt weiter an einige Interessentinnen aus dem Literaturschock-Forum und kehrt danach hoffentlich auch zu mir zurück. Dann kann ich euch vielleicht auch berichten, ob das Buch voller Notizen ist, oder ob die anderen auch so zurückhaltend waren, wie ich.

Auf der Facebook-Seite zum Buch gibt es viele Gewinnspiele und Aktionen zum Buch und man kann sich auch als nächster Leser für ein Wanderbuch melden.

Kukrit Pramoj – Many Lives

Verlag: Silkworm Books
Veröffentlicht: 1954
Originaltitel: Lai Chiwit
Übersetzung: Meredith Borthwick
Seiten: 240

Many Lives , viele Leben, die alle zur gleichen Zeit bei einem Schiffsunglück enden, hat Kukrit Pramoj in diesem Buch beschrieben. Die Frage, ob es Karma war, dass die Personen genau zu diesem Zeitpunkt sterben mussten, zieht sich durch jeden einzelnen Lebensweg. Sei es der Mönch, der Schriftsteller oder die Prostituierte, jeden dürfen wir von Beginn an durch sein Leben begleiten, durch Kindheit und Jugendzeit bis ins Erwachsenenalter. In den meisten Fällen kann man sehr gut verfolgen und nachvollziehen, durch welche äußeren Einflüsse die Person in die Situation gekommen ist und aus welchem Grund sie die verhängnisvolle Schiffsreise antritt. Glücklich sind die wenigsten dieser vielen Leben, die man als Leser hier präsentiert bekommt.

Da ich eigentlich nicht an Karma oder Schicksal glaube, habe ich die einzelnen Geschichten eher wie Märchen gelesen. Denn genau wie in einem Märchen wird der Böse am Ende bestraft und der Gute wird durch den Tod vor einem schlimmeren Schicksal erlöst. Für mich ein Konzept, das nicht in die Realität passt und auch nicht unbedingt meinen Erfahrungen entspricht. In einem Buch kann ich so etwas zwar akzeptieren, aber nicht als Wahrheit ernst nehmen.

Die einzelnen Geschichten sind durchaus nett und unterhaltsam zu lesen. Die Idee dahinter finde ich genial und so hatte ich auch mit dem Buch ein paar schöne  Stunden. Am Ende wurde es etwas eintönig, da sich manche Motive wiederholten und das Schema der einzelnen Geschichten dann schon klar war. Aber insgesamt habe ich das Buch gern gelesen. :sheep4:

Gelesen habe ich dieses Buch für die Station Thailand meiner literarischen Weltreise. Ob die Geschichten jetzt typisch für Thailand waren, kann ich eigentlich gar nicht sagen. Sie fühlten sich beim Lesen einfach fremd an, was aber auch durch das Konzept von Karma kommen könnte. Habt ihr schon thailändische Literatur gelesen? Könnt ihr etwas empfehlen?