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Meike Winnemuth – Das große Los

Verlag: Knaus
Erschienen: März 2013
Seiten: 336

Nach dem Gewinn einer halben Million bei “Wer wird Millionär” erfüllte sich Meike Winnemuth den Traum einer Weltreise. 12 Städte in 12 Monaten sollten es sein. Aus jedem Land hat sie einen Brief geschrieben an einen Verwandten, einen Freund, eine Reisebekanntschaft. Diese Briefe sind hier zusammengefasst mit einigen Tipps für Weltreisende und vielen schönen Fotos.

Meike Winnemuth hat ohnehin einen Hang zu Experimenten, so hat sie zum Beispiel ein Jahr lang jeden Tag das selbe Kleid getragen. Auch dieses Reisejahr sieht sie als großes Experiment, in dem sie viel Neues ausprobiert und allen Wünschen und Neigungen nachgeht. Einmal Ukulele spielen oder Tauchen lernen? Alles scheint möglich in diesem Jahr der grenzenlosen Freiheit.

Einen reinen Reisebericht darf man allerdings nicht erwarten. Meike Winnemuth hat während ihrer Reise einen Blog geführt (www.vormirdiewelt.de), in dem es viele Fotos und alle Reiseberichte zum Nachlesen gibt. Die Briefe – und somit das Buch – sind viel persönlicher. Man erfährt viel über ihr Innenleben, ihre Gefühle und die Veränderungen, die sie dank der Reise durchlebt.

Sehr sympathisch lässt die Autorin uns Leser an allem teilhaben. Dabei bleibt sie immer fröhlich und positiv, auch wenn die Situation gerade eher zum Verzweifeln ist. Es hat mir so viel Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen, dass ich mir nur ein Kapitel pro Tag erlaubt habe, um länger etwas davon zu haben. Ich habe mich bestätigt gefühlt in meinen Eindrücken von Mumbai, dafür aber Lust auf andere Orte bekommen (Tel Aviv, Äthiopien, mal wieder Kopenhagen) und darauf, vielleicht auch mal ein Experiment zu wagen. Es muss ja nicht gleich ein ganzes Jahr sein.

Viele ihrer Erkenntnisse haben auch meinen Alltag bereichert, gerade wenn es darum geht, mit weniger Ballast und einer kleineren Wohnung zurechtzukommen oder offener gegenüber fremden Menschen und Neuem im allgemeinen zu sein. Ein bisschen Reisefieber und Fernweh schleicht sich beim Lesen natürlich auch ein, aber das ist auch mein einziger – nicht sehr ernst zu nehmender – Kritikpunkt. Ansonsten eine absolute Leseempfehlung! :sheep5:

Zum Glück steht schon die nächste Reise fest: 2014 sollen es 12 deutsche Städte werden, die Meike Winnemuth besuchen will. Ich freue mich schon auf hoffentlich viele Blogeinträge und ein weiteres Buch!

Heinrich Harer – Sieben Jahre in Tibet

Verlag: Ullstein
Erschienen: 1952
Seiten: 464

Vor vielen Jahren habe ich die Verfilmung mit Brad Pitt in der Hauptrolle gesehen und als mir das Buch dann in die Hände fiel, wollte ich die Geschichte Heinrich Harrers von seiner Reise nach Tibet auch gerne selbst lesen. Als während einer Himalaya-Expedition, an der der österreichische Bergsteiger teilnimmt, der zweite Weltkrieg ausbricht, wird die Gruppe in ein Internierungslager in Indien gebracht. Nach einigen gescheiterten Ausbruchversuchen gelingt tatsächlich die Flucht und Harrer schlägt sich mit seinem Kollegen Peter Aufschnaiter nach Tibet durch.

Heinrich Harrer sagt zu Beginn des Buches selbst, dass es sich nicht um einen Roman handelt, der seine Erfahrungen in schöne Worte verpackt, sondern um einen Bericht. Und genau das muss man auch erwarten. Die Sprache ist nüchtern und geradlinig, nichts wird umschrieben oder ausgeschmückt, Harrer erzählt genau das, was passiert ist, ohne zu viele Worte zu verlieren.

Das ist zugleich Vor- und Nachteil des Buches. Einerseits erhält man Informationen aus erster Hand, Heinrich Harrer war wirklich selbst in Tibet und hat alles erlebt, was er in seinem Buch berichtet. Andererseits ist es teilweise ermüdend zu lesen, wenn ein Fluchtversuch dem nächsten folgt und dann endlos durch Tibet gewandert wird. Erst als Harrer und Aufschnaiter Lhasa erreichen, wurde es für mich wirklich interessant. Über die Kultur Tibets zu lesen, aus einer Zeit, in der es kaum Einflüsse von außen gab, fand ich sehr spannend. Doch auch hier gibt es Punkte, die lange ausgeführt werden und Details, die mich persönlich mehr interessiert hätten, die aber nur kurz angesprochen werden.

Zur reinen Unterhaltung ist dieses Buch also sicher nicht geeignet, man muss sich schon für Tibet interessieren, dann kann man über die langweiligeren Passagen hinwegsehen. Da ich mich teilweise schwer zum Weiterlesen motivieren konnte, gibt es nur :sheep3:

Michaela Karl – Wir brechen die 10 Gebote und uns den Hals

Verlag: Residenz Verlag
Erschienen: Februar 2012
Seiten: 320

Francis Scott und Zelda Fitzgerald waren das Glamourpaar der wilden Zwanziger. Sie waren reich, schön und hatten alles, was man sich nur wünschen kann. Doch der Absturz ließ nicht lange auf sich warten. Michaela Karl hat sich in diesem Buch dem Traumpaar gewidmet und beschreibt nicht nur deren Aufstieg, sondern auch den dramatischen Niedergang.

Ich muss zugeben, dass ich den sperrigen Titel und das Cover nicht unbedingt für gelungen halte, davon sollte man sich aber nicht abschrecken lassen, wenn man sich für F. Scott Fitzgerald und seine Frau interessiert. Ich wusste über deren Leben vor der Lektüre nur Bruchstücke, die sich aus Wikipedia-Artikeln, dem Film “Midnight in Paris” und Hemingways “A Moveable Feast”, das ich direkt vorher gelesen habe, zusammensetzten.

Die Autorin geht chronologisch vor, widmet zuerst Scott, dann Zelda je ein Kapitel über Kindheit und Jugend, dann geht es weiter mit dem Kennenlernen, den ersten Ehejahren und dem Aufstieg zum allseits bewunderten Traumpaar einer Generation. Schleichend entwickelt sich bei beiden ein Alkoholproblem, bevor dann auch die Finanzen – trotz Rekordeinkommen für die damalige Zeit – zum Problem werden. Das einstige Traumpaar stürzt ab bis zu dem Punkt, an dem niemand mehr mit den ehemaligen Freunde zu tun haben will und auch niemand mehr Scotts Geschichten druckt.

An manchen Stellen hätte ich mir gewünscht, dass die Autorin es schafft, den beiden Künstlern etwas mehr Leben einzuhauchen. Für mich werden etwas zu oft nur Fakten aufgezählt. Die Reise hier und dort hin, das Jahreseinkommen bis auf den letzten Dollar, wann gab es mit wem einen Briefwechsel, ein Treffen etc. Gegen Ende wurde das aber weniger, immer mehr konnte ich die Verzweiflung Scotts nachvollziehen, der die Behandlung Zeldas, die inzwischen wegen psychischen Problemen in einer Klinik ist, finanzieren muss, nicht mehr vom Alkohol loskommt und auch kaum noch schreiben kann.

Obwohl das Buch vorgibt, nicht nur eine Biographie von Scott, sondern von Scott und Zelda zu sein, steht Zelda sehr oft im Hintergrund. Vermutlich ist es schwierig, hier ein Gleichgewicht zu finden. Scott war natürlich der berühmtere von beiden, über den es oberflächlich gesehen mehr zu berichten gibt. Trotzdem hätte es mich gefreut, wenn Zelda, ihren psychischen Problemen, ihrer Zeit in verschiedenen Kliniken mit unmenschlichen Behandlungsmethoden und ihren eigenen Bemühungen, Romane und Kurzgeschichten zu schreiben, etwas mehr Raum eingeräumt worden wäre.

Etwas gewagt finde ich, dass Michaela Karl hin und wieder aus den Werken von Scott und Zelda zitiert und daraus auf deren reales Leben schließt. Natürlich sind die Werke von beiden stark autobiographisch und doch sollte man hier vorsichtig sein und sich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen.

Insgesamt ist “Wir brechen die 10 Gebote und uns den Hals” aber eine gelungene Biographie von zwei schwierigen Menschen und ihrer Liebe zueinander. Ich habe einen guten Überblick über das Leben und die Ehe von Scott und Zelda Fitzgerald bekommen und spätestens jetzt ist mein Interesse geweckt, noch mehr über die beiden und auch ihre Werke zu lesen. :sheep4:

Der große Gatsby” habe ich schon vor einiger Zeit mit großer Begeisterung gelesen, würde das Buch mit dem Hintergrundwissen, das ich jetzt habe, aber gerne nochmal lesen. Und “Zärtlich ist die Nacht” würde ich jetzt möglicherweise auch anders beurteilen, wenn ich die Entstehungsgeschichte bedenke. Ich bin neugierig geworden auf Scotts frühe Werke “Diesseits vom Paradies” und “Die Schönen und Verdammten”, aber auch sein unvollendeter Roman “Der letzte Taikun” interessiert mich sehr. Nun habe ich auch noch bei Amazon einige Werke von Fitzgerald in wunderschönen “Penguin Hardback Classics” Ausgaben gesehen, die mich sehr reizen würden.

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Dietmar Bittrich – 1000 Orte, die man knicken kann

Verlag: rororo
Erschienen: 2010
Seiten: 208

Muss man in New York gewesen sein? Oder auf den Seychellen? Diese Frage beantwortet Dietmar Bittrich mit einem entschiedenen “Nein” und erklärt in seinem Buch ausführlich, warum man sich das ein oder andere Reiseziel sparen kann.Wenn man sich in meinem Alter dafür rechtfertigen muss, noch niemals in den USA oder Australien gewesen zu sein und auch Südamerika nicht unbedingt zu den Top Reisezielen für die Zukunft zu zählen, dann ist genau der richtige Zeitpunkt gekommen, dieses Buch zu lesen. Denn der Autor macht mit viel Witz und Ironie jedes Reiseziel runter, findet an allem einen Kritikpunkt und gibt auch noch Empfehlungen, wie man nervige Mitreisende loswird und wie man ein Expertengespräch bestreitet, ohne vor Ort gewesen zu sein.

Wenn man die Orte kennt, die der Autor da verteufelt, dann macht es natürlich doppelt Spaß. Man kann selbst beurteilen, ob die Reise sich gelohnt hat, oder ob man besser zuhause geblieben wäre. Gerade der erste, recht ausführliche Teil, in dem es um Europa geht, hat mir also viel Spaß gemacht. Gegen Ende wurde es etwas zäh, man erkennt das Schema hinter den Kapiteln, Dietmar Bittrich reitet immer auf den gleichen Kritikpunkten herum und es kommt Langeweile auf.

Alles in allem ein lobenswerter Ansatz, der uns potentiellen Touristen zeigen soll, dass man nicht überall gewesen sein muss, wo die breite Masse gerne hinfährt. Und wenn man nur nach New York fährt, um erzählen zu können, dass man in New York war, dann ist auch etwas schief gelaufen. Als Buch zum Von-Vorne-bis-Hinten-Durchlesen ist “1000 Orte…” nur bedingt geeignet, aber zum Reinblättern und sich amüsieren auf jeden Fall! :sheep3:

Sumaya Farhat-Naser – Thymian und Steine

Verlag: Lenos
Erschienen: 1995
Seiten: 287

Sumaya Farhat-Naser wurde 1948 in Birseit bei Jerusalem geboren. In diesem Buch berichtet sie von ihrem Leben, ihrer Kindheit in armen Verhältnissen, ihrem Studium in Deutschland, der Rückkehr nach Birseit und dem Leben unter israelischer Besatzung. Sie hat viel zu erzählen und hätte mit ihren Erlebnissen gut und gerne ein Buch mit der doppelten Seitenzahl füllen können.

Gerade die Kindheit und Jugendzeit sind sehr interessant, werden aber recht kurz abgehandelt. Auch über das Leben einer palästinensischen Studentin in Deutschland hätte ich gerne mehr gelesen. Es gibt nur wenige kurze Kommentare darüber, wie Frau Farhat-Naser sich in Deutschland zurechtfand und den Unterschied zu ihrem Heimatland empfand. Aber natürlich sind diese Erfahrungen nur das Vorgeplänkel für die wirklich wichtigen Dinge und das eigentliche Thema des Buches.

Sumaya Farhat-Naser kehrte nach ihrem Studium zurück nach Birseit, wo sie lange Jahre an der Universität unterrichtete. Sie erzählt von der israelischen Besatzung, ihrem Leben als “Mensch zweiter Klasse” fast ohne Rechte. Es ist bewundernswert, wie sie sich trotz allem immer für die palästinensische Sache engagierte und die Tatsache ausnutzte, dass Frauen nicht als politische Bedrohung angesehen wurden und sich somit mehr erlauben konnten, als Männer. Sie organisierte Begegnungen zwischen israelischen und palästinensischen Frauen und war lange Zeit Leiterin des palästinensischen Jerusalem Center for Women. Sie erzählt von ihren Erfahrungen, den Gefahren, die sie sich aussetzt und auch vom alltäglichen Leben.

Für mich war es sehr interessant, auch einmal die andere Seite der Geschichte zu sehen. Wenn man sich nicht weiter mit der Thematik beschäftigt, könnte man nur zu leicht den Eindruck bekommen, die Israelis wären “die Guten” und die Palästinenser nur ein Volk von gewaltbereiten Terroristen. Mir hat Sumaya Farhat-Naser damals 2002 bei einem Besuch in meiner damaligen Schule schon die Augen geöffnet, dass es auch immer eine andere Seite mit einer anderen Meinung gibt und durch dieses Buch konnte ich mich jetzt noch umfassender informieren.

Es gibt einen sehr aufschlussreichen und ausführlichen Anhang, in dem die Geschichte der Palästinensischen Autonomiegebiete noch einmal kurz zusammengefasst wird. Thymian und Steine ist ein wirklich lesenswertes Buch über eine bewundernswerte Frau!
:sheep4:

Stephen Hawking – A Brief History of Time

 

Verlag: Random House UK
Erschienen: 1988
Seiten: 211
Deutscher Titel: Eine kurze Geschichte der Zeit
Deutscher Verlag: rororo
Übersetzung: Hainer Kober

Stephen Hawking ist wohl der berühmteste lebende Physiker unserer Zeit. Er wurde 1942 in Oxford geboren und leidet seit seinem 21. Lebensjahr unter einer Erkrankung des Nervensystems, ließ sich von allen daraus resultierenden Schwierigkeiten aber nicht von seiner Forschung abhalten. A Brief History of Time ist sein erstes populärwissenschaftliches Buch, in dem er versucht, seine Erkenntnisse im Bereich der Astrophysik und Kosmologie auch einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Er spannt einen weiten Bogen von Newtons Weltbild über Einsteins Relativitätstheorie bis hin zu Schwarzen Löchern und Zeitreisen.Ich hatte das Gefühl, es wäre für mich als Physikerin absolut notwendig, dieses Buch zu kennen. Im Endeffekt hätte ich es mir aber auch sparen können. Die erste Hälfte des Buches war für mich schon lange bekannt und die zweite Hälfte fand ich so theoretisch und abgehoben, dass sie mir auch nicht ganz so viel bieten konnte.

Hawking schreibt im Vorwort, dass ihm gesagt wurde, jede Formel in diesem Buch würde die Verkaufszahlen halbieren. Deshalb beschränkt er sich auch auf das allseits bekannte E=mc2. Und trotzdem hatte ich oft das Gefühl, ein Lehrbuch zu lesen, aus dem alle Formeln gestrichen wurden. Keine Frage – Hawking kann gut erklären, allerdings nicht auf einem Niveau, das für Physik-Laien geeignet wäre. Vielleicht schafft er es, dem Leser das Gefühl zu geben, er würde auf einmal diese ganze Physik verstehen, von der er noch nie Ahnung hatte. Glauben kann ich das aber nicht. Ich habe ein Semester eine sehr intensive Vorlesung über die Allgemeine Relativitätstheorie gehört und erst danach konnte ich von mir sagen, dass ich dieses Konzept verstanden habe. Auch viele Dinge aus der Teilchenphysik, die mir erst gegen Ende meines Studiums klargeworden sind (Stichwort Paritätsverletzung), führt Hawking in einem Absatz ein und tut so, als wären sie das einfachste auf der Welt.

Die zweite Hälfte des Buches ist dann eine sehr theoretische Abhandlung über Zeitreisen, Schwarze Löcher, die String-Theorie und vor allem die Suche nach der “Weltformel”, die sich nur auf Berechnungen mit vielen theoretischen Annahmen gründen. Ob dies von Interesse für den Durchschnittsleser ist, kann ich schwer beurteilen. Einige Themen, die Hawking aufgreift, waren mir neu, andere waren mir schon bekannt, einiges halte ich für viel zu abgehoben, als dass man darauf auch nur einen Gedanken verschwenden sollte.

Schade ist auch, dass in der Forschung alles sehr schnelllebig ist und die Gedanken, die Hawking 1988 noch für absolut neu und bahnbrechend hielt, heute schon widerlegt sein könnten. Ob also alles, was in diesem schon recht alten Buch steht, heute noch als korrekt erachtet wird, kann man natürlich als Leser nicht wissen.

Physik-Lehrbücher von Hawking hätte ich während meines Studiums gerne verwendet, würden sie denn existieren. Denn erklären kann er wirklich gut, wenn auch – wie gesagt – auf einem etwas höheren Niveau. Dieses populärwissenschaftliche Buch fand ich zwar stellenweise sehr interessant, ich würde es aber keinem Physik-Laien empfehlen, der nur mal in diese Thematik hineinschnuppern möchte. Ob mir dieses Buch jetzt Erkenntnisse gebracht hat, kann ich gar nicht sagen. Ich habe es halbwegs gerne gelesen, wundere mich nur etwas darüber, warum dieses Buch so ein Bestseller geworden ist.

In einem Spiegel-Artikel von 2006 heißt es

Das populärwissenschaftliche Buch, bislang weltweit rund zehn Millionen Mal verkauft, machte Hawking zum berühmtesten lebenden Forscher unserer Zeit. Doch wirklich gelesen oder gar verstanden haben vermutlich die wenigsten die streckenweise schwere Kost, die der Kosmologe ihnen in seinem Bändchen vorsetzt. Spötter lästern deshalb, die “Kurze Geschichte der Zeit” sei das meistverkaufte ungelesene Buch seit der Bibel.

Das ist meiner Meinung nach sehr zutreffend. Für mich bekommt das Buch jedenfalls mittelmäßige  :sheep3: .

 

Roland Barthes – Die helle Kammer: Bemerkungen zur Photographie

Verlag: Suhrkamp
Erschienen: 1989
Seiten: 144
Originaltitel: La chambre claire
Übersetzung: Dietrich Leube

Barthes’ Bemerkungen zur Photographie sind eigentlich absolut überflüssig. Aus der Sicht eines Bildbetrachters – nicht eines Fotografen – schreibt er sehr subjektiv, wie Fotos auf ihn wirken. Immer wieder kreisen seine Gedanken um ein Foto seiner bereits verstorbenen Mutter, auf dem er ihr wahres Wesen zu erkennen glaubt. So wird dieses dünne Büchlein für Barthes zu einer sehr persönlichen Abhandlung, die dem außenstehenden Leser nur wenig bieten kann.

Ich war sehr überrascht, als ich das Erscheinungsjahr dieses Buches erfuhr – 1980. Sowohl sprachlich als auch inhaltlich wirkte es auf mich, als wäre es zu Beginn des 20. Jahrhunderts geschrieben worden. Barthes’ Sprache wirkt antiquiert und unnötig kompliziert, mit vielen Fremdwörtern gespickt, was den Lesefluss häufig etwas hemmt oder zumindest große Konzentration erfordert.

Inhaltlich wirkt das Buch vermutlich so alt, weil sich gerade im Bereich der digitalen Fotografie und der Bildbearbeitung in den letzten Jahrzehnten vieles weiterentwickelt hat. Dadurch kann man Barthes’ Standpunkte oft nicht mehr nachvollziehen. Er argumentiert zum Beispiel, dass ein Foto auch immer ein Beweis ist dafür, dass etwas genau so gewesen ist, wie man es auf dem Bild sehen kann. In Zeiten von Photoshop beweist ein Foto einer Person an einem bestimmten Ort allerdings nicht, dass die Person wirklich dagewesen ist.

Positiv ist allerdings anzumerken, dass viele interessante Fotos im Buch enthalten sind und es sich auch lohnt über einige Argumente zu diskutieren oder nachzudenken. Ich hatte den Vorteil, das Buch im Rahmen eines Literaturkreises zu diskutieren und allein für die interessanten Gespräche, die aus der Lektüre der “hellen Kammer” entstanden sind, hat das Buch :sheep3: verdient.

Das SuB-Losverfahren und die Festkörperphysik

Auf Karis Blog El Tragalibros fand die 6. Runde des SuB-Losverfahrens statt, an dem ich teilgenommen habe. Jeder Teilnehmer verrät seinen SuB-Stand und die von Kari ausgeloste Glücksfee sucht eine Nummer aus, ohne den SuB selbst zu kennen.

Gelost hat für mich Myriel, die mir mit der Nummer 63 leider keinen großen Gefallen getan hat. Die Wahl fiel nämlich auf eines meiner Physikbücher: Rudolf Huebener – Kristalle: Spielfeld der Elektronen

Gekauft hatte ich das Buch irgendwann 2006 oder 2007, als Festkörperphysik auch gerade auf dem Lehrplan stand. Damals habe ich es nicht gelesen, weil die Vorlesung schon so langweilig war und ich mich nicht auch noch in meiner Freizeit mit dem Thema beschäftigen wollte.

Jetzt habe ich mich aber erfolgreich durchgequält und will von heute an möglichst nichts mehr mit Festkörperphysik zu tun haben. Eine vernünftige Rezension zu dem Buch kann ich leider nicht liefern, dies dürfte allerdings auch kaum jemanden interessieren, da das Buch doch recht speziell ist.

Rudolf Huebener sagt zwar im Vorwort, dass sich das Buch an den naturwissenschaftlich und technisch interessierten Laien wendet, ohne Fachkenntnisse vorauszusetzen. Diese Einschätzung des Autors kann ich allerdings nicht bestätigen. Das Buch ist auf einem sehr hohen Niveau geschrieben und liest sich eher wie eines der Lehrbücher, mit denen ich während des Studiums gearbeitet habe. Erwartet hätte ich eher eine populärwissenschaftliche Abhandlung, über die Themen, die ich mangels Interesse im Studium nicht so richtig verstanden habe. Leider konnte das Buch mir da nicht weiterhelfen.

Die einzelnen Themen sind zwar gut ausgewählt und ich kann – trotz vieler Zeitsprünge und Querverweise – den Aufbau nachvollziehen, aber das Tempo, das hier vorgelegt wird, ist für einen Laien wirklich nicht geeignet. Deshalb stellt sich für mich wiederum die Frage nach der Zielgruppe. Ich – als Physikerin – kann es auch nicht sein, da der Autor zugunsten der Allgemeinverständlichkeit auf mathematische Formulierungen verzichtet. Man findet hier also nichts Halbes und nichts Ganzes und könnte sicherlich bessere Bücher über diese Thematik lesen, wenn man denn Interesse hätte…

Von mir gibt es daher nur .

Das SuB-Losverfahren allgemein hat aber trotzdem viel Spaß gemacht und ich bin in der nächsten Runde auf jeden Fall wieder dabei!

Karen Duve – Anständig essen: Ein Selbstversuch


Nach Jonathan Safran Foers “Tiere Essen” gibt es nun auch ein Buch aus Deutschland, das sich mit mit diesem Thema auseinandersetzt. Karen Duves Herangehensweise ist allerdings ganz anders. “Tiere Essen” liefert hauptsächlich gut recherchierte Informationen zur Massentierhaltung, Karen Duve plaudert lieber übr ihr eigenes Leben.

In einem Selbstversuch ernährte sie sich jeweils zwei Monate lang nur von Bio-Produkten, dann vegetarisch, vegan und am Ende sogar fruktarisch. An ihren Erlebnissen und Erfahrungen lässt sie den Leser in ihrem Buch teilhaben. Es geht allerdings nicht annähernd nur um ihr Essverhalten. Viel Platz nehmen auch Episoden aus ihrem Privatleben ein, sie erzählt von  ihren Haustieren, ihrer Mitbewohnerin, die den Anstoß zu diesem Experiment gab und auch von ihrer Familie, die meist wenig Verständnis aufbringt.

Das Buch ist durchaus unterhaltsam geschrieben, liest sich über weite Strecken mehr wie ein Roman, liefert aber trotzdem viele interessante Informationen über unser Essen. Viele Menschen machen sich leider keine Gedanken darüber, wo das Schnitzel herkommt, das mittags auf dem Teller liegt. Vielleicht kann Karen Duves Buch da einige Denkanstöße liefern.

Mir waren viele Dinge schon bekannt, die in “Anständig essen” thematisiert werden. Über Massentierhaltung hatte ich mich vorher schon eingehend informiert, interessant fand ich deshalb hauptsächlich die Kapitel über vegane Ernährung. Ein komplettes Kapitel ist zum Beispiel dem Verzehr von Milch gewidmet, die möglicherweise gar nicht so gesund für uns ist, wie man uns gerne einreden möchte. Eigentlich war mir auch klar, dass Kühe nicht freiwillig von ihren Kälbern getrennt werden und uns Milch liefern und auch die Hühner (sogar Bio-Hühner) nicht glücklich auf der Wiese stehen und hin und wieder ein Ei legen. Man muss das aber nochmal in aller Deutlichkeit gesagt bekommen, um seine Gewohnheiten und seine Ernährung vielleicht einmal kritisch zu betrachten und zu überdenken.

Für mich ist “Anständig essen” ein wichtiges Buch, das zwar für Leser, die sich mit dem Thema schon beschäftigt haben, nicht viel Neues liefern kann, vielen anderen aber in einem nicht belehrenden oder moralisierenden Ton die Augen öffnen kann. Mir persönlich war es gerade am Anfang des Buches zu viel Geplauder und zu wenig Information, deshalb gibt es .

Ulf Danielsson – Physik für Poeten

Klappentext
Haben Sie gewusst, dass man durch die Spiegelwelten in Lewis Carrol’s Alice im Wunderland einen guten Einblick in quantenmechanische Theorien bekommt? Dass man eine sehr verständliche Erklärung für das physikalische Phänomen der schwarzen Löcher erhält, wenn man C.S.Lewis und seine Bücher über das Land Narnia liest? Oder dass Marcel Proust in Auf der Suche nach der verlorenen Zeit Aufschluss gibt über die Aufhebung von Zeit und Raum? Mit literarischen und anderen spielerischen Erklärungen von physikalischen Phänomenen und Theorien lässt uns Physik für Poeten die Welt neu begreifen.

Meine Meinung
Das ist leider wieder mal so ein Fall, wo der Klappentext falsche Erwartungen weckt. Ich habe von dem Buch erwartet, dass es zwei meiner Interessen in Verbindung bringt, Literatur und Physik. Dies ist hier allerdings nicht der Fall, literarische Werke werden nur selten erwähnt, meistens dienen kurze Zitate oder Inhaltszusammenfassungen auch nur als Einleitung oder Hinführung zu einem physikalischen Problem und stehen oft in keinem direkten Zusammenhang. Trotzdem habe ich hiermit ein sehr interessantes Buch über Physik gelesen, dass ich auch allen empfehlen kann, die Physik in der Schule doof und langweilig fanden.

Das Buch bietet einen sehr guten Überblick über die Physik, angefangen von der Antike bis zur heutigen Zeit wird die Veränderung unseres Weltbildes beleuchtet und wie sich die Physik in dieser Zeit entwickelt hat, allerdings ohne auf eine chronologische Abfolge oder Vollständigkeit einen Anspruch zu erheben. Es werden interessante und wissenswerte Themen für den Nicht-Physiker herausgegriffen. Berühmte Forscher werden vorgestellt, auch ihre Irrtümer und falschen Annahmen werden nicht vorenthalten und es gibt auch die ein oder andere witzige Anektdote zu lesen.

Der Autor schreckt nicht davor zurück, auch komplizierte und sehr abstrakte physikalische Konzepte einzuführen und dem Leser näherzubringen. Zum Beispiel die allgemeine Relativitätstheorie, die Krümmung der Raum-Zeit und auch das Phänomen der Schwarzen Löcher wird sehr verständlich erklärt. Das Kapitel über die String-Theorie ist da eine andere Sache, obwohl ich selbst Physik studiere habe ich davon nicht viel verstanden und finde es etwas überflüssig, so etwas in einem populärwissenschaftlichen Buch erklären zu wollen. Allerdings scheint das ja Daniellsons Spezialgebiet zu sein, da ist es schon verständlich, dass er es auch in seinem Buch einbringen wollte.

Allgemein kann ich die Verständlichkeit nicht so gut beurteilen, da ich wie gesagt Physik studiere und die meisten Dinge schon in einer etwas tiefergehenden Form an der Uni gelernt habe. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass Danielsson sich Mühe gibt, alles auch für den Laien verständlich zu machen. Seine Vergleiche und Beispiele sind meistens sehr gut gewählt und bringen ohne komplizierte Formulierungen oder mathematische Formeln Licht ins Dunkel.

Für ein Sachbuch ist “Physik für Poeten” wirklich außerordentlich spannend, die Kapitel sind in kurze Unterkapitel geteilt, die Themen sind vielfältig und interessant gewählt, ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dieses Buch vielen Menschen einen ganz anderen Eindruck von Physik vermittelt. Physik kann auch wirklich spannend sein, ehrlich!

Ich ziehe eine Ratte ab für den fehlenden literarischen Bezug, der einem durch den Titel und den Klappentext vorgetäuscht wird, und für das zu komplizierte Kapitel über die String-Theorie. Ansonsten ist das Buch sehr zu empfehlen

4 Sterne