Verlag: Carl Hanser
Erschienen: Februar 1997
Seiten: 258
Übersetzung: Hanns Grössel
Während die Werke anderer Literaturnobelpreisträger noch in den Empfehlungsregalen der Buchläden stehen, ist der Schwede Tomas Tranströmer, der den Preis 2011 erhielt, schon wieder aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit verschwunden. Lyrik scheint einfach nicht so populär und verkauft sich wohl auch nicht so gut. Schade eigentlich!
Thematisch sind Tranströmers Gedichte recht vielfältig, auch wenn sich manche Vorlieben ausmachen lassen.Die Natur spielt zum Beispiel eine große Rolle, er scheint alles um sich herum genau wahrzunehmen. Sehr klar sind seine Beschreibungen, Schnörkel und Ausschmückungen gibt es da keine. Und mitten in der schönsten Landschaftsbeschreibung taucht auch immer wieder der Einfluss des Menschen auf, der Widerspruch zwischen unberührter Natur und Technik wird deutlich.
Am Anfang hat mich das beim Lesen oft aus dem Konzept gebracht, ich bin über Begriffe und Passagen gestolpert, die die schönen Bilder der skandinavischen Landschaft in meinem Kopf kaputt machten. Doch nach und nach habe ich mich an seine Art zu schreiben gewöhnt. Sehr präzise bringt er oft auf den Punkt, für was andere viele Seiten brauchen. So zum Beispiel in “Nach jemandes Tod” von 1966:
Noch immer ist es schön, sein Herz klopfen zu spüren.
Doch oft fühlt sich der Schatten wirklicher an als der Körper
Die Gedichte in dieser Sammlung wurden zwischen 1954 und 1996 geschrieben. Dadurch hat man das Gefühl, Tranströmer durch sein Leben zu begleiten. Oft thematisiert er seine Reisen oder zeitgeschichtliche Ereignisse, auch Musik und Kunst scheinen Einfluss zu haben. Man hat das Gefühl, den Autor auf seinem Lebensweg zu begleiten, obwohl man über ihn persönlich nichts weiß.
In den späteren Gedichten spielt der Tod öfter eine Rolle, ich hatte teilweise auch das Gefühl, dass die Stimmung negativer wurde. Als Beispiel hier der Anfang des Gedichtes “April und Schweigen” aus dem Jahr 1996:
Öde liegt der Frühling.
Der samtdunkle Wassergraben
kriecht neben mir
ohne SpiegelbilderDas einzige, was leuchtet,
sind gelbe Blumen.
Gegen Ende gibt es auch immer mehr Texte, die weniger Gedicht, mehr Prosa sind. Hier fand ich persönlich es etwas schwierig, die Gedankengänge Tranströmers nachzuvollziehen, wobei ich auch allgemein sagen muss, dass mir kürzere Gedichte einfach persönlich besser gefallen.
Insgesamt fand ich Tranströmers Gedichte durchaus lesenswert!
Zum Abschluss noch ein Teil eines meiner Lieblingsgedichte. “Schneeschmelze” (1962)
Die Sonne war hoch überm Eis, auf der Stelle fliegend, sowohl warm wie kalt.
Der Wind ging sachte voran, als schöbe er einen Kinderwagen vor sich her.Die Familien gingen aus, zum erstenmal seit langem sahen sie offenen Himme.
Wir befanen uns im ersten Kapitel einer sehr starken Erzählung.


