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Meike Winnemuth – Das große Los

Verlag: Knaus
Erschienen: März 2013
Seiten: 336

Nach dem Gewinn einer halben Million bei “Wer wird Millionär” erfüllte sich Meike Winnemuth den Traum einer Weltreise. 12 Städte in 12 Monaten sollten es sein. Aus jedem Land hat sie einen Brief geschrieben an einen Verwandten, einen Freund, eine Reisebekanntschaft. Diese Briefe sind hier zusammengefasst mit einigen Tipps für Weltreisende und vielen schönen Fotos.

Meike Winnemuth hat ohnehin einen Hang zu Experimenten, so hat sie zum Beispiel ein Jahr lang jeden Tag das selbe Kleid getragen. Auch dieses Reisejahr sieht sie als großes Experiment, in dem sie viel Neues ausprobiert und allen Wünschen und Neigungen nachgeht. Einmal Ukulele spielen oder Tauchen lernen? Alles scheint möglich in diesem Jahr der grenzenlosen Freiheit.

Einen reinen Reisebericht darf man allerdings nicht erwarten. Meike Winnemuth hat während ihrer Reise einen Blog geführt (www.vormirdiewelt.de), in dem es viele Fotos und alle Reiseberichte zum Nachlesen gibt. Die Briefe – und somit das Buch – sind viel persönlicher. Man erfährt viel über ihr Innenleben, ihre Gefühle und die Veränderungen, die sie dank der Reise durchlebt.

Sehr sympathisch lässt die Autorin uns Leser an allem teilhaben. Dabei bleibt sie immer fröhlich und positiv, auch wenn die Situation gerade eher zum Verzweifeln ist. Es hat mir so viel Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen, dass ich mir nur ein Kapitel pro Tag erlaubt habe, um länger etwas davon zu haben. Ich habe mich bestätigt gefühlt in meinen Eindrücken von Mumbai, dafür aber Lust auf andere Orte bekommen (Tel Aviv, Äthiopien, mal wieder Kopenhagen) und darauf, vielleicht auch mal ein Experiment zu wagen. Es muss ja nicht gleich ein ganzes Jahr sein.

Viele ihrer Erkenntnisse haben auch meinen Alltag bereichert, gerade wenn es darum geht, mit weniger Ballast und einer kleineren Wohnung zurechtzukommen oder offener gegenüber fremden Menschen und Neuem im allgemeinen zu sein. Ein bisschen Reisefieber und Fernweh schleicht sich beim Lesen natürlich auch ein, aber das ist auch mein einziger – nicht sehr ernst zu nehmender – Kritikpunkt. Ansonsten eine absolute Leseempfehlung! :sheep5:

Zum Glück steht schon die nächste Reise fest: 2014 sollen es 12 deutsche Städte werden, die Meike Winnemuth besuchen will. Ich freue mich schon auf hoffentlich viele Blogeinträge und ein weiteres Buch!

Ismail Kadare – Der Nachfolger

Pünktlich zum 100. Jahrestag der Staatsgründung Albaniens habe ich eine literarische Reise dorthin gemacht und möchte euch heute ein Buch eines albanischen Autors vorstellen:

Verlag: Ammann
Originaltitel: Pasardhësi
Übersetzung: Joachim Röhm
Erschienen: 2006
Seiten: 173

In einer Dezembernacht hat der Nachfolger Selbstmord begangen. Doch schon bald kochen Gerüchte in Albaniens Hauptstadt hoch, dass es Mord gewesen sein könnte. Motive und Tatverdächtige gibt es viele. Natürlich könnte der Führer, der nicht mehr von der Linientreue seines Nachfolgers überzeugt war, seine Hand im Spiel gehabt haben. Oder aber die Tochter, deren Verlobung aus politischen Gründen aufgelöst werden musste. Vielleicht aber auch der Architekt, der das Haus des Nachfolgers vor kurzem umgestaltet hat und der von einer geheimen Tür zwischen dem Haus des Führers und dem des Nachfolgers weiß. Trotz aller Spannung darf man hier keinen Krimi erwarten, der am Ende den Mörder auf dem Silbertablett präsentiert.

Ismail Kadare stellt nach und nach die Personen aus dem Umfeld des Verstorbenen vor, beleuchtet Hintergründe, deutet Motive für einen Mord an. Je weiter man aber liest, desto unklarer wird, wer denn nun den Nachfolger getötet hat, oder ob er vielleicht doch Selbstmord begangen hat. Sehr amüsant fand ich die Episode über die ausländischen Journalisten, die vom Tod des Nachfolgers berichten müssen, aber bis auf ein paar Klischees und veraltete Informationen nichts über Albanien wissen.

Der Stil ist eher schlicht und schnörkellos. Auch gibt Kadare den Personen keine Namen, nett sie nur “Nachfolger”, “Führer” und “Tochter”, wodurch die sofortige Assoziation mit realen Geschehnissen vermieden wird. Normalerweise würden die fehlenden Namen es mir schwer machen, einen Bezug zu den Figuren herzustellen und mich das Buch eher distanziert lesen lassen. In diesem Fall war ich sofort mittendrin und absolut gefesselt von der Geschichte.

Ich bin begeistert und werde sicherlich noch mehr von Ismail Kadare lesen! :sheep5:

Maurice Sendak – Wo die wilden Kerle wohnen

Der Kinderbuchautor Maurice Sendak ist heute im Alter von 83 Jahren verstorben. Über 100 Bücher hat er in seinem Leben geschrieben und illustriert. Ich kenne leider nur eines seiner Werke, das wohl auch das bekannteste sein dürfte.  Es handelt sich um “Wo die wilden Kerle wohnen”, das ich euch heute gerne vorstellen möchte.

“An dem Abend, als Max seinen Wolfspelz trug und nur Unfug im Kopf hatte, schalt seine Mutter ihn: “Wilder Kerl!” “Ich fress dich auf”, sagte Max, und da musste er ohne Essen ins Bett. Genau in der Nacht wuchs ein Wald in seinem Zimmer…”

Der kleine Max war frech und wird ohne Abendessen ins Bett geschickt. Von seinem Zimmer aus segelt er zur Insel der wilden Kerle und wird zu deren König ernannt. Doch auch dort ist nicht alles perfekt…

Wörter werden in diesem Buch nur sparsam eingesetzt, Maurice Sendaks Zeichnungen wirken aber auch für sich und lassen für Groß und Klein eine wunderbare Welt entstehen. Wer das Buch “Wo die wilden Kerle wohnen” noch nicht kennt, dem möchte ich es unbedingt ans Herz legen. Man kann auch als Erwachsener seine Freude daran haben, wenn man sich darauf einlassen kann, sich mit einem Bilderbuch zu beschäftigen. Und für die Kleinen ist dieses Buch natürlich auch sehr empfehlenswert. Dieser Kinderbuch-Klassiker hat sich die :sheep5: definitiv verdient!

Auch der 2009 erschienene Film hat mir sehr gut gefallen und zählt zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Der Film erweitert die Geschichte aus dem Buch sehr stimmig und ist wirklich wunderbar, schön und traurig zugleich. Meiner Meinung aber nicht unbedingt ein Kinderfilm, weil es viel auf einer Ebene zu entdecken gibt, die Kindern noch nicht zugänglich sein dürfte.

Ein Zitat aus dem Film, das ich leider nur auf Englisch gefunden habe, möchte ich noch mit euch teilen: “I have a sadness shield that keeps out all the sadness, and it’s big enough for all of us. “

Kennt ihr das Buch und/oder den Film? Mochtet ihr es? Kennt ihr noch andere Werke von Maurice Sendak? Könnt ihr sie empfehlen?

Sally Butcher – Veggiestan: Der Zauber der orientalischen Gemüseküche

Verlag: Christian
Erschienen: März 2012
Seiten: 271

Ein Kochbuch über die orientalische Küche und dann auch noch vegetarisch, das ist genau das richtige für mich! Schon von außen ist “Veggiestan” ein echter Schatz. Das Buch ist wunderschön gestaltet, die schwarzen Kästchen auf dem Cover fühlen sich samtig an, so dass es ein Erlebnis für (fast) alle Sinne ist, wenn man das gute Stück in der Hand hält. Um auch Geschmacks- und Geruchssinn anzusprechen, muss man sich natürlich noch etwas anstrengen, aber das ist dank der guten Rezepten kein Problem.

Die Rezepte sind in verschiedene Kategorien wie “Brot und Teigwaren”, “Kräuter und Salate”, “Hülsenfrüchte” etc. unterteilt, wobei jedem Kapitel eine kurze Einführung vorangeht. Zusätzlich gibt es zwischen den Rezepten kurze Infos wie Zubereitungstipps oder Hintergrundinformationen zu Zutaten. Zu den meisten Rezepten gibt es Bilder, die sehr schön anzuschauen sind und einem das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen.

Jedes Rezept beginnt mit einem Absatz über die Herkunft des Gerichts und sonstige wissenswerte Fakten. Dann folgt eine Liste der Zutaten, die in den meisten Fällen auch in deutschen Supermärkten leicht zu beschaffen sein sollten. Ich habe zwar glücklicherweise einen türkischen Supermarkt in der Nachbarschaft, doch wenn man nicht gerade auf einen ländlichen Tante-Emma-Laden angewiesen ist, sollten es keine Probleme geben. Danach folgt eine Beschreibung der Zubereitung, die zwar eher knapp ausfällt, aber ausreichend ist, um die Schritte nachvollziehen und nachmachen zu können.

Am Wochenende habe ich einige Rezepte ausprobiert und alle Gerichte sind sehr gut gelungen und haben gut geschmeckt. Minze im Dressing oder die Verwendung von Koriander waren zwar erst mal eine kleine Überwindung, es hat sich aber definitiv gelohnt, einen Schritt abseits der gewohnten Essens-Pfade zu tun und ein paar neue Dinge auszuprobieren. Ich war schon vorher ein Fan der orientalischen Küche und habe jetzt endlich auch ein sehr umfangreiches Kochbuch, mit dessen Hilfe ich viele tolle Gerichte selbst zubereiten kann!

Zwei kleine Kritikpunkte habe ich trotzdem: Das Buch bleibt erst nach einiger Gewaltanwendung auf der aufgeschlagenen Seite offen liegen, was natürlich für ein Kochbuch unpraktisch ist. Das Lesebändchen hilft ein bisschen und die häufige Verwendung wird ihr übriges tun. Außerdem sind viele Gerichte keine eigenständigen Hauptmahlzeiten sondern eher als Teile eines Buffets oder einer Vorspeisen-Platte gedacht. Da dies aber typisch für die orientalische Küche ist, kann man es nicht als Kritikpunkt an diesem sehr gelungenen Kochbuch werten.

Ich bin begeistert und werde in diesem schönen Buch sicherlich noch oft schmökern und das ein oder andere Rezept nachkochen! :sheep5:

Wer gerne wissen möchte, welche Gerichte ich nachgekocht habe und auch noch ein paar Essensfotos sehen möchte, sollte unbedingt in den nächsten Tagen wieder vorbeischauen! Dann gibt es meinen exklusiven Erfahrungsbericht.

Siri Hustvedt – The Sorrows of an American

Verlag: Sceptre
Erschienen: 2008
Deutscher Titel: Die Leiden eines Amerikaners
Deutscher Verlag: Rowohlt
Seiten: 306

Ich bin ein großer Fan von Siri Hustvedts Romanen, “Was ich liebte” zählt zu meinen absoluten Lieblingsbüchern. Und doch fällt es mir immer wieder schwer, etwas über ihre Werke zu schreiben und meine Meinung in Worte zu fassen. Wer “Was ich liebte” mag, kann “Die Leiden eines Amerikaners” jedenfalls auch guten Gewissens lesen. Denn das Buch ist irgendwie genau so und auch irgendwie ganz anders.

Auch hier befinden wir uns in der New Yorker Künstlerszene. Im Mittelpunkt des Geschehens steht der Psychologe Erik, dessen Vater kürzlich verstorben ist. Beim Aussortieren seiner persönlichen Dokumente findet Erik eine geheimnisvolle Notiz, die mit der Jugend des Vaters in Verbindung zu stehen scheint. Erik liest die Tagebücher seines Vaters und forscht nach der ihm unbekannten Frau, mit der sein Vater ein Geheimnis hatte, das er bis zu seinem Tod bewahrte. Erst im Nachwort erfährt der Leser dann, dass Siri Hustvedt die Tagebucheinträge des verstorbenen Vaters, in denen er von seiner Jugend und von Kriegszeiten erzählt, fast unverändert aus den Tagebüchern ihres eigenen Vaters übernommen hat.

Zusätzlich zu dieser Reise in die Vergangenheit begleiten wir Erik auch in seiner Gegenwart, in der er sich liebevoll um seine Schwester, die nicht nur den Vater, sondern auch ihren Ehemann vor kurzem verloren hat, und seine Nichte kümmert, sich in seine Untermieterin verliebt und einige schwierige Patienten betreut. Witzig fand ich, dass Siri Hustvedt eine der Hauptpersonen aus “Was ich liebte”, Leo Hertzberg, in diesem Buch kurz bei einer Dinnerparty auftreten lässt.

Nach der Lektüre dieser knapp über 300 Seiten fühlte ich mich, als hätte ich ein 1000-seitiges Mammutwerk gelesen. Und ich habe auch ungewöhnlich lang an diesem doch recht dünnen Buch gelesen. Das liegt vermutlich daran, dass Siri Hustvedt unglaublich dicht schreibt und auch viele Themen und Personen in ihre Bücher packt. Das mag für den unkonzentrierten Leser ein großer Nachteil sein, doch ich finde es immer wieder faszinierend, wie komplex ihre Geschichten aufgebaut sind. Man bekommt nicht nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben einer Person beschrieben, sondern lernt die gesamte Welt der Hauptpersonen kennen.

Den auftretenden Personen entsprechend wird viel über Literatur, Philosophie und Psychologie gesprochen und nachgedacht. Diese Gedanken sind durchaus melancholisch bis traurig, da in diesem Roman niemand wirklich glücklich ist. Unerfüllte Liebe, Trauer und Einsamkeit sind an der Tagesordnung, trotzdem ist es kein deprimierendes Buch, das die Stimmung des Lesers ins negative zieht. Eriks innere Monologe sind auch hin und wieder ganz unterhaltsam und erheiternd zu lesen.

Das Ende ist anders, als ich erwartet hatte, ich kann mir aber auch gut vorstellen, dass Siri Hustvedt hier mit den Erwartungen des Lesers spielt und absichtlich enttäuscht. Ich bin auf jeden Fall begeistert von diesem Buch und freue mich, dass ich noch einige Werke Siri Hustvedts vor mir habe! :sheep5:

Riikka Pulkkinen – Wahr

Verlag: List
Erschienen: März 2012
Originaltitel: Totta
Übersetzung: Elina Kritzokat
Seiten: 368

Elsa hat nicht mehr lange zu leben, ihre Tochter und ihre Enkelinnen kümmern sich um sie und wollen ihre letzten Lebenstage so schön wie möglich für sie gestalten. Als ein Kleid in Großmutters Schrank auftaucht, das Jahrzehnte lang zusammen mit einer Geschichte aus der Vergangenheit in Vergessenheit geraten war, erzählt Elsa auch von weniger schönen Jahren, die ihre Ehe auf eine harte Probe stellten. Enkelin Anna zieht Parallelen zwischen der Affäre ihres Großvaters mit dem jungen Kindermädchen und einer Episode aus ihrem eigenen Leben. Vergangenheit und Gegenwart, Wahrheit und Fiktion verschwimmen immer mehr in einer emotional mitreißenden Familiengeschichte.

Sehr gefühlvoll nimmt sich Riikka Pulkkinen ihren Figuren an, lässt ihre Handlungen und Gefühle nachvollziehbar erscheinen, auch wenn man sich selbst nicht damit identifizieren kann. Sowohl die beruflich erfolgreiche Großmutter, die auch an ihren letzten Tagen ihr Leben genießt, als auch der untreue Ehemann, der über die Jahre zu einem liebevollen Großvater wurde wachsen dem Leser ans Herz. Auch die Enkelin Anna, die selbst die Erfahrung machte, “die andere Frau” zu sein und noch immer unter der Trennung leidet, wird so plastisch zum Leben erweckt, als würde man sie persönlich kennen.

Nicht nur die realitätsnahen Figuren, sondern auch die subtile Art, schwierige Themen anzugehen, haben mich an diesem Buch begeistert. Tod, Trauer, Untreue und Familiengeheimnisse stellen keine Probleme für die junge Autorin dar. Sie nimmt sich jedem Thema sehr fürsorglich an und präsentiert es dem Leser mit sehr viel Gefühl. Das Innenleben der Figuren wird sehr genau beleuchtet und detailliert beschrieben. Durch häufige Perspektivenwechsel kann man sowohl die eigene Sicht der jeweiligen Figur, als auch das Bild, das andere Figuren von ihr haben kennenlernen, wodurch ein noch mehrdimensionaleres Bild entsteht.

Vieles wird allerdings nicht in aller Deutlichkeit gesagt. Es bleibt Platz für eigene Gedanken und Interpretationen. Pulkkinen traut ihren Lesern durchaus zu, eigene Schlüsse zu ziehen, kaut nicht alles Schritt für Schritt vor. Aufmerksam und konzentriert lesen sollte man also schon, da man sonst zu leicht wichtige Details übersehen kann. Mir fiel das allerdings nicht weiter schwer, weil mich das Buch auf jeder Seite so in seinen Bann gezogen hat, dass ich die Welt um mich herum vergessen habe.

Erwartet hatte ich einen Roman über den Abschied von einem geliebten Menschen, über Alter und Trauer. Gelesen habe ich ein ganz wundervolles Buch über verschiedene Arten von Liebe, das ich guten Gewissens weiterempfehlen kann. :sheep5:

Steinar Bragi – Frauen

Verlag: Kunstmann
Erschienen: August 2011
Originaltitel: Konur
Übersetzung: Kristoff Magnusson
Seiten: 254

Im Oktober war ich im Literaturhaus München bei einer Lesung von Gyrðir Elíasson und Steinar Bragi. Während “Am Sandfluss” von ersterem mein Interesse nicht wecken konnte, fand ich die Thematik von “Frauen” sofort spannend. Nun habe ich das Buch gelesen und bin froh, dass ich meine Bedenken bezüglich des schwierigen Themas überwunden habe.

Eva ist Künstlerin und hat lange Zeit in den USA gelebt. Nach dem plötzlichen Kindstod ihrer kleinen Tochter, der auch der Grund für die immer schwieriger werdende Beziehung zu ihrem Freund ist, kehrt sie in ihre Heimat Island zurück und bekommt ein verlockendes Angebot: Sie kann in einer großen Wohnung mitten im Zentrum mietfrei wohnen, soll nur die Blumen gießen und die Katze füttern, während die eigentliche Mieterin auf Reisen ist. Der erste Verdacht kommt auf, als sie in der Wohnung weder Blumen noch Katze vorfindet. Dann erfährt Eva auch noch, dass die Vormieterin in der Wohnung Selbstmord begangen hat. Bei ihren Ausflügen in die Stadt fühlt sie sich stets verfolgt und auch andere Dinge kommen ihr immer komischer vor.

Denkt man auch als Leser zu Beginn nichts Schlimmes, unterstellt Eva ein Alkoholproblem und Paranoia, merkt man doch recht schnell, dass an der Situation etwas nicht stimmt. Spätestens im zweiten Teil des Buches begreift man das volle Ausmaß der Geschichte, in die Eva da hineingeraten ist. Mein Entsetzen wurde jedenfalls mit jeder gelesenen Seite größer und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen, obwohl ich mich andererseits auch abgestoßen fühlte und manche Details lieber nicht erfahren hätte. Mehr möchte ich darüber auch gar nicht sagen, da ich nicht zu viel über den Inhalt verraten will.

Eva ist eine wahnsinnig interessante Hauptfigur. Bis zum Ende bin ich nicht schlau aus ihr geworden und auch wenn sie in diesem Buch mit einer extremen Situation konfrontiert wird, war sie doch auch vorher schon ein extremer Mensch. Alkoholexzesse wechseln sich ab mit Reue und guten Vorsätzen. Auch zwischenmenschliche Beziehungen kann sie nicht konstant führen, sie schwankt zwischen absoluter Vertrauensseligkeit und starker Abneigung. Als Erzählerin macht sie sich schnell unglaubwürdig, Erinnerungslücken durch übermäßigen Konsum von Alkohol oder Drogen sind keine Seltenheit und manche ihrer Erlebnisse muten wie Wahnvorstellungen an. So verschwimmt auch für den Leser immer mehr die Grenze zwischen Realität und grausamem Albtraum. Trotz ihrer schlimmen Situation fügt Eva sich schnell und nimmt vieles als gegeben hin. Hin und wieder lehnt sie sich auf, ihre gescheiterten Versuche, der Situation zu entkommen, lassen sie allerdings sofort aufgeben. Ihre absolute Lethargie kann man aus folgendem Zitat herauslesen:

Langsam kehrte so etwas wie Routine ein. Anfangs schien es, als ob sich alles in ihrem Leben verändert hätte, doch nun fiel ihr auf, dass in Wahrheit gar nicht so viel anders geworden war, außer vielleicht die Art und Weise, wie sich das Leben ihr “präsentierte”. Die Ratlosigkeit, die Resignation und dieses Gefühl des Eingeengtseins begleiteten sie schon lange Zeit, nun hatte all das eine konkrete Gestalt angenommen – ihre inneren Mauern waren nun außen und sie konnte das Problem beim Namen nennen [S. 165]

Ich lese sehr selten Bücher dieser Art, da ich Szenen, in denen es um körperliche und psychische Gewalt geht schlecht vertrage. Das Wort “Thriller” allein schon schreckt mich ab. “Frauen” ist aber viel mehr als das, die Handlung kreist hauptsächlich um die Hauptfigur und ihre Selbstfindungsphase, ihre Probleme mit ihrem Leben fertigzuwerden und später auch ihre Art und Weise, mit ihrer veränderten Situation fertigzuwerden und gibt dabei tiefe Einblicke in die menschliche Psyche. Für mich war es sehr spannend zu lesen,  ich habe von Seite zu Seite zwischen absoluter Faszination und Abstoßung geschwankt und das Buch innerhalb kürzester Zeit durchgelesen. :sheep5:

Ali Shaw – The Girl with Glass Feet

Verlag: Atlantic Books
Erschienen: Mai 2009
Seiten: 295
Deutscher Titel: Das Mädchen mit den gläsernen Füßen
Deutscher Verlag: Script5

Schon als ich dieses Cover zum ersten Mal sah, wusste ich, dass dieses Buch etwas ganz Besonderes sein muss. Zum Glück hat der erste Eindruck nicht getäusch und ich bin mir sicher, dass ich mit diesem Buch eines meiner Jahreshighlights gelesen habe, auch wenn 2012 gerade erst angefangen hat.

Idas Füße verwandeln sich langsam aber sicher zu Glas. Da sie nicht weiß, wie sie mit dieser seltsamen Krankheit umgehen soll, reist sie nach St. Hauda’s Land, wo sie vor einiger Zeit mit jemandem über ein ähnliches Phänomen gesprochen hat. Doch diese Person ist nicht so leicht aufzuspüren. Auf ihrer Suche trifft sie Midas, der schon seit seiner Geburt auf der abgelegenen Inselgruppe lebt. Er ist sehr introvertiert und unsicher im Umgang mit Menschen, doch irgendetwas an Ida bringt ihn dazu, sich langsam zu öffnen und es entwickelt sich eine zarte Romanze, während die Glaskrankheit ihren Lauf nimmt.

Wie man an der Inhaltsbeschreibung schon sehen kann, gibt es in diesem Roman fantastische Elemente. Außer der langsamen Verwandlung zu Glas tauchen auch kleine geflügelte Rinder und ein geheimnisvolles Tier, das mit seinem Blick alles weiß färbt auf. Man darf sich hier allerdings nicht täuschen lassen, denn um einen Fantasyroman handelt es sich nicht. Abseits von diesen kleinen Details befinden wir uns in der realen Welt, in der alles seinen gewohnten Gang geht.

Die Grundstimmung ist sehr melancholisch, wiederholt wird die Landschaft oder Personen als monochrom beschrieben. Es gibt zwar kleine Lichtblicke oder Farbkleckse, aber im Großen und Ganzen handelt es sich eher um ein trauriges Buch. Man sollte dringend mit den richtigen Erwartungen an den Roman gehen, denn wer eine lockerleichte Liebesgeschichte in einer Fantasywelt erwartet, kann nur enttäuscht werden.

Bemerkenswert ist, dass es in diesem Buch niemanden mit einer glücklichen Vergangenheit zu geben scheint. Jeder hat mit den Nachwirkungen einer verkorksten Kindheit oder einer unerfüllten Liebe zu kämpfen. Auch Charaktere, die als sehr unsympathisch und negativ beschrieben werden, sind mir dank ihrer tragischen Geschichte nach und nach ans Herz gewachsen und ich habe an ihrem Schicksal Anteil genommen, obwohhl sie es oberflächlich betrachtet verdient haben. Der Personenkreis ist sehr eingeschränkt und gerade deshalb kann sich jeder Charakter in seiner eigentümlichen Art voll entfalten. Besonders liebgewonnen habe ich Midas, der so sehr in sich selbst gefangen ist und seinen eigenen Zwängen nicht entkommen kann, obwohl er sich nichts sehnlicher wünscht, als auszubrechen.

Ich bin wirklich begeistert, angefangen beim Cover und dem silbernen Buchschnitt bis zu den liebevoll beschriebenen, einzigartigen Charakteren! Wer sich auf eine kleine Prise Fantasy in einer wunderbar romantischen, aber gleichzeitig sehr tragischen und melancholischen Geschichte einlassen will, dem kann ich dieses Buch nur wärmstens ans Herz legen! :sheep5:

Paul Auster – Im Land der letzten Dinge

Verlag: rororo
Erschienen: 1992
Originaltitel: In the Country of Last Things
Übersetzung: Werner Schmitz
Seiten: 208

Paul Auster hat es schon wieder geschafft, mich schwer zu beeindrucken. Schon seine New York Trilogie hat mich fasziniert und lange Zeit beschäftigt und mit diesem Buch ging es mir genau so.

Anna Blume macht sich auf den Weg in eine nicht näher bezeichnete Stadt, um ihren Bruder zu suchen. Der Journalist ist dort verschwunden und auch Anna wird von einer Reise dringend abgeraten. Als sie dort ankommt, merkt sie auch bald, warum. Die Stadt verfällt langsam, die Bewohner versuchen sich umzubringen oder versuchen, sich durch Plündern oder Fäkaliensammeln am Leben zu erhalten. Das Leben dort ist hart, die Gesetze sind streng und Menschen sehen sich nur noch als Konkurrenten. Auch gibt es scheinbar kein Entkommen aus der Stadt, wenn man einmal dort ist.

Die Protagonistin, die in Briefen an einen Jugendfreund von ihren Erlebnissen erzählt, fügt sich schnell in diese grausame Welt ein, passt sich an um zu überleben. Auf ihren oft ziellosen Wanderungen trifft Anna erstaunlicherweise zwar immer wieder auch auf freundliche Menschen, sie können ihr aber auch nicht dauerhaft beistehen oder ihr wirklich weiterhelfen.

Es dürfte klar sein, dass dieses Buch sehr negativ und deprimierend ist. Paul Auster gelingt es, diese fremde Welt, die unserer eigenen sehr ähnlich und doch ganz anders ist, eindringlich zu beschreiben und beim Leser Abscheu und Entsetzen auszulösen. “Im Land der letzten Dinge” ist ein sehr düsteres Buch, das trotz seines geringen Umfangs einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat! :sheep5:

Nancy Mitford – The Pursuit of Love & Love in a Cold Climate

Ich habe The Pursuit of Love und Love in a Cold Climate in dieser hübschen Ausgabe gelesen:

Verlag: Vintage
Erschienen: 1945/1949
Seiten: 480
Deutsche Titel: Englische Liebschaften & Liebe unter kaltem Himmel

Das Buch habe ich peinlicherweise gekauft, weil Carrie es im Sex and the City 2 Film liest und ich es aufgrund des schönen Covers sofort auch haben wollte. Den Film fand ich wirklich schlecht, aber ich bin ihm dankbar, dass er mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht hat.

Beide Geschichten werden aus Sicht von Fanny erzählt, deren Mutter für ihre Liebschaften ihr Kind bei Verwandten zurückgelassen hat. Fanny wächst also mit ihren Cousins und Cousinen auf. Fannys Geschichte bleibt fast immer im Hintergrund, sie beobachtet andere, erzählt aber kaum von sich selbst. Persönliche Dinge, die sie selbst betreffen werden meist nur am Rande erwähnt.

In Englische Liebschaften steht die Geschichte ihrer Lieblingscousine Linda im Vordergrund. Fanny wächst mit ihr zusammen auf und man darf als Leser die Jugendzeit begleiten, in der die beiden von Liebe träumen und anfangen, sich für junge Männer zu interessieren. Fanny erzählt von Linda, ihrer Ehe und ihren Versuchen, die wahre Liebe zu finden.

Liebe unter kaltem Himmel spielt in der gleichen Zeit wie Englische Liebschaften, konzentriert sich aber auf einen anderen Personenkreis. Fannys Freundin Polly spielt hier die Hauptrolle. Sie ist die verwöhnte Tochter eines reichen Adeligen und hat alles auf der Welt, was man sich nur wünschen kann. Nur mit der Liebe will es nicht so richtig klappen. In diesem Buch erfährt man auch ein bisschen mehr von Fanny selbst und ihrer eigenen Ehe, was ich sehr schön fand.

Beide Geschichten spielen Anfang bis Mitte des 20. Jahrhunderts in England. Sowohl diese Zeit als auch den Schauplatz mag ich sehr gerne und ich war froh, dass der zweite Weltkrieg zwar eine Rolle spielt, aber nicht ausführlich erwähnt wird. Es hat mir viel Spaß gemacht, diesen jungen Mädchen beim Aufwachsen zuzusehen, ihre erste Liebe und zahllose gesellschaftliche Ereignisse zu begleiten. Sprachlich waren die beiden Bücher auch sehr angenehm zu lesen. Ein bisschen habe ich mich ja gefühlt, wie in den Büchern von Jane Austen, nur ein paar Generationen später. Leider habe ich zu viel Zeit vergehen lassen zwischen dem Lesen und dem Aufschreiben meiner Meinung, so dass ich jetzt nicht mehr zu den Büchern sagen kann.

Das Buch bekommt von mir , wobei ich Englische Liebschaften ein bisschen besser fand als Liebe unter kaltem Himmel.