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Marie Lu – Legend – Fallender Himmel

Verlag: Loewe
Erschienen: September 2012
Original: Legend
Übersetzung: Sandra Knuffinke, Jessika Komina
Seiten: 363

Sind June und Day das neue Traumpaar der Jugendliteratur? Eigentlich könnten sie unterschiedlicher nicht sein. June lebt in gehobenen Verhältnissen, ist hochintelligent und steht mit ihren 15 Jahren kurz vor dem Uni-Abschluss. Day hingegen lebt von der Hand in den Mund, kann sich gerade so über Wasser halten und ist der meistgesuchte Verbrecher der Republik.

Wie bei fast jedem Jugendbuch, das erscheint, handelt es sich bei “Legend” um eine Dystopie. Amerika befindet sich im Krieg mit den Kolonien, das Militär steht an höchster Stelle im Staat. Jeder Jugendliche muss einen Test absolvieren, der über die Zukunft entscheidet. Ob Arbeitslager oder Karriere, das alles wird je nach Testergebnis entschieden. Immer wieder brechen Seuchen aus, die die armen Bevölkerungsschichten bedrohen. Medizin gibt es nur für die Reichen. Bei dem verzweifelten Versuch Days, Seuchenmedizin für seine Familie zu besorgen, wird sein Schicksal untrennbar mit dem Junes verknüpft.

Hat man einmal angefangen, “Legend” zu lesen, kann man kaum noch aufhören. Ein Ereignis jagt das nächste, die Seiten blättern sich wie von selbst um und schon ist man am Ende. Das Buch ist wirklich sehr spannend und rasant geschrieben. Es gibt kaum Zeit zum Erholen, ruhige Passagen sind selten. Da Jugendbüchern häufig so sind, hat es mich nur minimal gestört, dass vieles nicht ausführlich erzählt, sondern schnell abgehandelt wird.

Ein Kritikpunkt für mich ist allerdings, dass die Geschichte recht wenig Substanz hat. Viel passiert eigentlich nicht und einiges war mir auch schon klar, bevor es explizit erwähnt wird. Ich habe das Gefühl, einige Aspekte so ähnlich schon in einigen Jugendbuch-Dystopien gelesen zu haben und bei manchen Dingen weiß man als Leser einfach gleich, auf was es hinaus läuft. Ich will nichts vorweg nehmen, deshalb verzichte ich an dieser Stelle auf Beispiele. Weil es nur recht wenig Gelegenheit gibt, June und Day genauer kennenzulernen, war mir manchmal auch nicht ganz klar, warum sie handeln, wie sie handeln und auch die Anziehung zwischen den beiden kam für mich komplett aus dem Nichts.

Sehr dankbar bin ich Marie Lu, dass sie auf einen Cliffhanger am Ende verzichtet hat. Auch wenn es sich bei “Legend” um eine Trilogie handelt, hat der erste Band einen halbwegs zufriedenstellenden Abschluss. Natürlich sind für die weiteren Bände noch genug Fragen offen, aber ich könnte mit dem Ende dieses Buches gut leben, ohne eine Fortsetzung zu lesen.

Insgesamt ist “Legend” ein solides Jugendbuch, das sich schnell lesen lässt und gute Unterhaltung bietet. Allerdings waren mir manche Aspekte zu knapp abgehandelt, andere wirkten wie recycelte Ideen aus anderen Büchern. Ich habe das Buch ganz gerne gelesen, weiß aber nicht, ob mich die Fortsetzung interessiert. :sheep3:

Alan Bradley – A Red Herring Without Mustard

Verlag: Bantam
Deutscher Titel: Flavia DeLuce. Halunken, Tod und Teufel
Erschienen: 2011
Seiten: 416

Flavia DeLuce scheint Mord und Totschlag magisch anzuziehen. Schon wieder ist im kleinen Ort Bishop’s Lacey ein Verbrechen passiert. Flavia findet die alte Zigeunerin, die ihr noch vor wenigen Stunden die Zukunft vorausgesagt hat, blutüberströmt in ihrem Wohnwagen. Und Flavia wäre nicht Flavia, würde sie nicht auf eigene Faust den Täter ermitteln. Von ihren Nachforschungen lässt sie sich weder von der örtlichen Polizei, noch von ihrem Vater abhalten.

Im dritten Band der Reihe gibt es keine langen Vorreden, das Verbrechen geschieht gleich am Anfang und die Spannung lässt nicht lange auf sich warten. Flavia legt auch gleich richtig los, geht jedem kleinen Hinweis nach und besucht alle, die auch nur annähernd in Bezug zum Verbrechen stehen könnten. Dabei kommen natürlich eine ganze Menge Personen und Verbindungen zusammen, die man jederzeit parat haben sollte. Leider habe ich beim Lesen eine längere Pause gemacht, so dass ich öfter mal nachblättern musste und mich nicht mehr an alles erinnern konnte. Das war gegen Ende dann aber kein Problem mehr, da man Flavias Schlussfolgerungen sehr gut folgen kann.

Zusätzlich zu dem spannenden Kriminalfall lernt man auch diesmal Flavias Familie und andere liebgewonnene Personen aus den ersten Bänden genauer kennen. Sie stehen zwar nicht im Mittelpunkt des Geschehens, aber trotzdem erfährt man einiges über die Geldsorgen des Vaters, die gemeinen Spielchen der Schwestern und vieles mehr. Auch von Flaivas Mutter Harriet ist öfter die Rede und ich bin gespannt, ob man in den Folgebänden noch genaueres über ihr Verschwinden erfährt.

Ich brauche zwar bei jedem Flavia-Band ein bisschen, bis ich mich in die nicht ganz triviale Sprache eingelesen habe, aber dann fühle ich mich jedes Mal wieder zuhause in Bishop’s Lacey, diesem englischen Dorf der 50er Jahre. Ich freue mich schon sehr darauf, den nächsten Teil “I Am Half-Sick of Shadows”, der im Oktober auch auf Deutsch (“Vorhang auf für einen Leiche”) erscheint, zu lesen. Insgesamt hat mir “A Red Herring Without Mustard” zwar nicht ganz so gut gefallen wie der Vorgänger, ist mir aber trotzdem :sheep4: wert.

Myra McEntire – Hourglass: Die Stunde der Zeitreisenden

Verlag: Goldmann
Erschienen: Mai 2012
Originaltitel: Hourglass
Übersetzung: Inge Wehrmann
Seiten: 384

Wie konnte das nur schon wieder passieren? Ein hübsches Cover, ein interessanter Klappentext und eine Leserunde mit Leseexemplaren, schon war ich überzeugt, dass ich “Hourglass” gerne lesen würde. Und wieder wurde ich enttäuscht.

Emerson lebt seit dem Tod ihrer Eltern bei ihrem älteren Bruder. Da sie von Zeit zu Zeit Geister aus vergangener Zeit sieht, versucht dieser, ihr mit diversen Therapeuten und Methoden zu helfen. Der aktuelle Versuch, Michael von der Firma Hourglass, sieht nicht nur diese Geister selbst, sondern ist auch wahnsinnig attraktiv. Und so entwickelt er sich für Em schnell zu mehr als nur ihrem Therapeuten.

Zu Beginn fand ich das Buch noch unterhaltsam und angenehm zu lesen, doch dann wurden die Mängel schnell immer deutlicher. Wie in so vielen Jugendbüchern gibt es auch hier eine Liebesgeschichte, die im Mittelpunkt des Geschehens steht. Und auch hier verliebt sich das normale Mädchen in den wunderschönen jungen Mann. Dieser wird auch nur so beschrieben und charakterisiert. Viel mehr als “schön” und “unglaublich viele Muskeln” wird über Michael gar nicht gesagt, dafür werden die Beschreibungen von seiner unglaublichen Schönheit und seinen Muskeln ständig wiederholt. Die Gefühle zwischen den beiden kamen bei mir überhaupt nicht an. Es geht nur oberflächlich ums Aussehen und um eine gewisse Anziehung, die ich aber nicht spüren konnte.

Die Geschichte hätte spannende Grundzüge, es gibt Zeitreisen und andere interessante Elemente. Jegliche Spannung wird aber durch die mangelhafte Umsetzung im Keim erstickt. Als die Zeitreise endlich stattfindet, ist sie so unspektakulär, dass man sich fragt, warum man die ganze Zeit darauf gewartet hat. Die wirklich interessanten Szenen, die die Geschichte vorantreiben sollen, wirken recht schnell abgehandelt, viele Erklärungen, die man zum Verständnis bräuchte, fehlen leider. Dafür gibt es seitenlanges Geschnulze, große Liebe hier, “wir können nicht zusammensein” dort und das immer wieder, hin und her und hin und her.

Am Ende wird es dann im großen Showdown nochmal richtig hektisch, Spannung kam bei mir dann nicht mehr auf. Das Zeitreise-Konstrukt, das die Autorin sich aufbaut, ist leider auch nicht in allen Punkten logisch, meiner Meinung nach widerspricht sie sich auch manchmal selbst und verstrickt sich in paradoxen Aussagen. Vielleicht hat sie sich auch selbst zu sehr auf die schönen Männer in ihrer Geschichte konzentriert, und konnte deshalb keine klaren Gedanken mehr fassen.

Das Buch lässt sich zwar wirklich flott lesen und bietet an manchen Stellen auch etwas Unterhaltung, insgesamt war es mir aber zu oberflächlich. Zu viel Liebesgeschnulze, zu wenig und zu wenig durchdachte sonstige Handlung, das reicht gerade mal für :sheep2:

Gibt es denn noch richtig gute Jugendbücher, die eine durchdachte Handlung haben und sich nicht vordergründig auf eine oberflächliche Liebesgeschichte konzentrieren? Könnt ihr da was empfehlen?

Maurice Sendak – Wo die wilden Kerle wohnen

Der Kinderbuchautor Maurice Sendak ist heute im Alter von 83 Jahren verstorben. Über 100 Bücher hat er in seinem Leben geschrieben und illustriert. Ich kenne leider nur eines seiner Werke, das wohl auch das bekannteste sein dürfte.  Es handelt sich um “Wo die wilden Kerle wohnen”, das ich euch heute gerne vorstellen möchte.

“An dem Abend, als Max seinen Wolfspelz trug und nur Unfug im Kopf hatte, schalt seine Mutter ihn: “Wilder Kerl!” “Ich fress dich auf”, sagte Max, und da musste er ohne Essen ins Bett. Genau in der Nacht wuchs ein Wald in seinem Zimmer…”

Der kleine Max war frech und wird ohne Abendessen ins Bett geschickt. Von seinem Zimmer aus segelt er zur Insel der wilden Kerle und wird zu deren König ernannt. Doch auch dort ist nicht alles perfekt…

Wörter werden in diesem Buch nur sparsam eingesetzt, Maurice Sendaks Zeichnungen wirken aber auch für sich und lassen für Groß und Klein eine wunderbare Welt entstehen. Wer das Buch “Wo die wilden Kerle wohnen” noch nicht kennt, dem möchte ich es unbedingt ans Herz legen. Man kann auch als Erwachsener seine Freude daran haben, wenn man sich darauf einlassen kann, sich mit einem Bilderbuch zu beschäftigen. Und für die Kleinen ist dieses Buch natürlich auch sehr empfehlenswert. Dieser Kinderbuch-Klassiker hat sich die :sheep5: definitiv verdient!

Auch der 2009 erschienene Film hat mir sehr gut gefallen und zählt zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Der Film erweitert die Geschichte aus dem Buch sehr stimmig und ist wirklich wunderbar, schön und traurig zugleich. Meiner Meinung aber nicht unbedingt ein Kinderfilm, weil es viel auf einer Ebene zu entdecken gibt, die Kindern noch nicht zugänglich sein dürfte.

Ein Zitat aus dem Film, das ich leider nur auf Englisch gefunden habe, möchte ich noch mit euch teilen: “I have a sadness shield that keeps out all the sadness, and it’s big enough for all of us. “

Kennt ihr das Buch und/oder den Film? Mochtet ihr es? Kennt ihr noch andere Werke von Maurice Sendak? Könnt ihr sie empfehlen?

Brian Selznick – The Invention of Hugo Cabret

Verlag: Scholastic
Erschienen: 2007
Seiten: 533
Deutscher Titel: Die Entdeckung des Hugo Cabret
Deutscher Verlag: cbj

Nachdem der Film “Hugo Cabret”, der auf diesem Buch basiert, für mehrere Oscars nominiert wurde, kam der dringende Wunsch bei mir auf, zuerst das Buch zu lesen und dann den Film zu sehen. Nun habe ich beides erledigt und bin gespannt, ob der Film Chancen auf die vielen Oscars hat, für die er nominiert ist.

Zuerst aber mal zum Buch: Hugo lebt allein im Pariser Bahnhof Montparnasse und kümmert sich dort um die Uhren, zieht sie jeden Tag auf und repariert und ölt, wo es nötig ist. Hugos Vater ist kürzlich verstorben und Hugo ist einem Geheimnis auf der Spur, das dieser ihm hinterlassen hat. Hilfe bekommt er von Isabell, deren Patenonkel einen Spielzeugstand im Bahnhof betreibt. Und sie hat mehr mit der Lösung des Rätsels zu tun, als beide am Anfang ahnen.

Ich habe die englische Hardcover-Ausgabe gelesen und schon allein für die äußere Aufmachung konnte das Buch Bonuspunkte bei mir sammeln. Das schöne Cover und die schwarz umrandeten Buchseiten gefallen mir gut und ich war sofort nach dem Auspacken neugierig, ob es im Buch so toll weitergeht. Ich wusste zwar schon, dass im Buch viele Bilder enthalten sind, war dann aber etwas überrascht, dass es sich um schwarz-weiß Zeichnungen handelt, die keine Ähnlichkeit mit dem farbenfrohen Cover haben. Ich habe mich aber trotzdem bald an den Zeichenstil gewöhnt und konnte die vielen Bilder, die die Geschichte unterstützen auch genießen.

Die Bilder sind allerdings keine Illustrationen, die die erzählte Geschichte abbilden, sie zeigen eigenständige Szenen. Der geschriebene Teil geht dann dort weiter, wo die Bilder aufgehört haben. Die Zeichnungen sind dabei sehr geschickt eingesetzt und stellen manche Szenen so dar, als würde man gerade einen Film sehen. Zu Beginn wird an den Ort des Geschehens gezoomt, man rückt mit jedem Bild und jeder Seite näher, zuerst an den Pariser Bahnhof, dann an Hugo. Auch an anderer Stelle ist mir diese Ähnlichkeit zu einem Film aufgefallen, nämlich bei einer Verfolgungsjagd, als sehr geschickt von Bild zu Bild zwischen Verfolger und Fliehendem umgeschaltet wird und verschiedene Einstellungen auf die beiden gezeigt werden.

Da Hugos Geschichte gleichzeitig die Anfänge der Filmgeschichte erzählt, ist doppelt bewundernswert, wie geschickt Brian Selznick in diesem Buch die Grenzen zwischen Buch und Film verwischt hat und mit den Eigenarten des jeweiligen Mediums spielt. Auch die Kürze des Buches trägt dazu bei, denn man kann das dicke Buch aufgrund der vielen Bilder innerhalb von 2 Stunden lesen, genau in der Zeit, die es auch dauern würde, einen durchschnittlichen Spielfilm anzuschauen.

Von dieser einzigartigen Präsentation der Geschichte war ich sehr beeindruckt, habe mich oft lange mit den Bildern beschäftigt, nochmal zurückgeblättert und die geschriebenen Teile in kürzester Zeit verschlungen. Die Handlung fand ich dagegen etwas mager, die Charaktere bekommen keine Gelegenheit, sich zu entfalten oder weiterzuentwickeln und die Geschichte ist schon wieder vorbei, bevor sie überhaupt angefangen hat. In der Mitte des Buches gab es für mich einen Bruch, der die Handlung in zwei Teile splittet. Die Verknüpfung ist dabei nicht ganz logisch und wirkte im Nachhinein etwas an den Haaren herbeigezogen. Ich hätte mich gefreut, wenn der Autor einen etwas glatteren Übergang gefunden hätte. Vielleicht ist das aber auch nur einer dieser Zufälle, von denen man nicht glauben kann, dass sie auch im wirklichen Leben passieren können.

Allgemein ist “Die Entdeckung des Hugo Cabret” aber ein außergewöhnliches Buch mit einer unterhaltsamen, fantasievollen Geschichte, das auch gut für jüngere Leser geeignet ist. :sheep4:

Zum Film: Aufgrund der vielen Oscar-Nominierungen hatte ich sehr hohe Erwartungen an den Film, die zum Großteil auch erfüllt werden konnten. Die Geschichte ist sehr gut umgesetzt, die Schauspieler sind passend gewählt und es gibt beeindruckende Bilder zu sehen. Allerdings war mir schon von Anfang an klar, dass es im Film nicht möglich ist, die Unterschiede zwischen dem Medium Buch und dem Medium Film so zu verdeutlichen und die jeweiligen Stärken auszunutzen, wie es dem Buch gelungen ist. Eine Ebene des Buches geht somit definitiv verloren.

Die Handlung des Buches ist eingeschränkt genug,  dass für den Film nichts gekürzt werden musste und auch sonst wurden keine unnötigen Änderungen gemacht. Die Geschichte gibt allerdings auch als Film nicht viel her, da in der zweiten Hälfte die nötige Spannung fehlt. Vielleicht ging es aber auch nur mir so, da ich schon das Ende aus dem Buch kannte. Wer sich nicht von schönen Bildern und einem Ausflug ins Paris der 20er Jahre beeindrucken lässt, könnte von Hugos Geschichte gelangweilt sein, die ich aber genau so sehens- wie lesenswert fand. Auch für den Film gibt es also :sheep4: und ich drücke Sonntag Nacht die Daumen für Hugo, obwohl es dieses Jahr viele andere heiße Anwärter auf den ein oder anderen Oscar gibt.

Cornelia Funke – Tintenblut

Verlag: Dressler
Erschienen: 2005
Seiten: 729

Achtung: Da es sich um den zweiten Teil einer Trilogie handelt, könnten hier Spoiler für den ersten Teil enthalten sein!

Spielte der erste Band “Tintenherz” noch komplett in der realen Welt, darf der Leser nun Meggie, Farid und Staubfinger endlich in die Tintenwelt begleiten. Auch der Autor Fenoglio ist dort gelandet und versucht mit Meggies Hilfe, seine aus dem Ruder gelaufene Geschichte wieder in die richtigen Bahnen zu lenken. Doch immer mehr geht schief in der Tintenwelt und so manche Situation kann selbst der Autor nicht wieder geraderücken.

Lange hat es gedauert, bis mich dieser zweite Band gefesselt hat. Ich fand es zwar schön, mit Meggie zusammen die Tintenwelt zu erforschen, Staubfingers Rückkehr zu seiner Roxanne zu verfolgen und Ombra, die kunterbunte Welt der Spielleute und vieles mehr kennenzulernen. Spannung kommt aber sehr lange nicht auf. Die Handlung plätschert über mehrere hundert Seiten vor sich hin und ich musste mich immer wieder zwingen, das Buch überhaupt zur Hand zu nehmen. Auf den letzten 200 Seiten war die Spannung dann plötzlich wieder da, ich konnte endlich wieder mit Meggie und all den anderen Charakteren mitfiebern und bin jetzt auch gespannt, wie Cornelia Funke die Trilogie in “Tintentod” zu Ende bringt.

Auch an Tintenherz störte mich schon, dass alle Charaktere strikt in gut und böse eingeteilt und auch eher eindimensional sind. Die Zielgruppe der Trilogie dürften wohl trotz der vielen Seiten eher Kinder sein, doch auch denen traue ich zu einzusehen, dass Menschen sowohl positive als auch negative Eigenschaften haben können. Ein weiteres Problem habe ich mit Meggies Alter und ihrer angeblichen großen Liebe. Ich habe als kleines Mädchen auch gerne romantische Geschichten gelesen und fand den ein oder anderen Jungen süß. Trotzdem glaube ich nicht, dass man mit 13 schon in diesem Ausmaß verliebt sein kann und eine beinahe erwachsene Beziehung eingeht. Wäre Meggie ein paar Jahre älter, wäre das alles viel glaubhafter.

Insgesamt fand ich “Tintenblut” vor allem wegen der fehlenden Spannung schwächer als “Tintenherz”. Trotzdem hat es Cornelia Funke geschafft, eine fantasievolle Welt zu erschaffen. Insbesondere aber liest sich die Tintentrilogie wie eine einzige Liebeserklärung an die Literatur und das Schreiben. Und deshalb kann ich auch ein paar Augen zudrücken, wenn die Handlung nicht ganz meinem Geschmack entspricht. :sheep3:

Alina Bronsky – Spiegelkind

Verlag: Arena
Erschienen: Januar 2012
Seiten: 304

Julis Eltern haben sich getrennt, jetzt wohnt abwechselnd eine Woche ihre Mutter bei den Kindern im Haus, die nächste Woche der Vater. Doch eines Tages ist ihre Mutter einfach verschwunden und kein Mensch scheint sich darum zu kümmern. Zum ersten Mal in ihrem Leben rebelliert Juli, bricht aus dem starren Regelgefüge aus, hinterfragt und trifft eigene Entschiedungen. Die unkonventionelle neue Mitschülerin Ksü und deren Bruder Ivan stehen ihr dabei zur Seite.

Alina Bronsky hat ihre Welt sehr subtil aufgebaut. Denkt man am Anfang noch, dass die Geschichte in unserer Welt zu unserer Zeit spielen könnte, kommen spätestens wenn die Begriffe “Normale” und “Freaks” wiederholt verwendet werden erste Zweifel auf. Nach und nach findet man heraus, dass Juli in einem totalitären Staat lebt, in dem alles genauestens geregelt ist. Und wer von dieser Normalität abweicht, wird zum Freak degradiert und aus der Gesellschaft ausgeschlossen.

Da die Protagonistin Juli sehr behütet aufgewachsen ist, hat sie Missstände bisher kaum wahrgenommen und bricht erst jetzt aus ihrem normalen Leben aus. Es ist sehr interessant zu beobachten, wie sie sich langsam von Zwängen löst und anfängt, Regeln zu brechen und Tatsachen zu hinterfragen. Doch andererseits war es für mich etwas schwer nachzuvollziehen, warum sie ihre Werte, die ihr 15 Jahre lang anerzogen wurden, in so kurzer Zeit über Bord wirft und eine Wendung um 180 Grad durchmacht. Etwas weniger radikale Änderungen in Julis Lebenswandel wären für mich glaubhafter gewesen.

“Spiegelkind” ist angenehm und flüssig zu lesen, ich habe mich gut unterhalten gefühlt und wollte das Buch in der ersten Hälfte gar nicht mehr aus der Hand legen. Es wurden viele interessante Punkte angesprochen und ich habe mir die Lösung einiger Rätsel erhofft. Doch leider wurde mir dann schnell klar, dass keine Antworten kommen und stattdessen nur noch mehr Fragen aufgeworfen werden. “Spiegelkind” ist der Auftakt zu einer Trilogie, doch trotzdem hätte ich mir für den ersten Band ein paar Antworten gewünscht, so dass man als Leser zwar noch neugierig auf den nächsten Teil ist, aber nicht frustriert und mit einem großen Fragezeichen sitzen gelassen wird.

Ich finde es allgemein schade, dass jedes Buch, das vielleicht auch ein guter Einzelroman hätte werden können, zu einer Trilogie breitgewalzt wird. Und auch hier hat es mich geärgert, dass ein spannender Einstieg vergeudet wurde, um nichts weiter als eine lange Einleitung zu schreiben. Ich hätte zwar nach wie vor gerne Antworten auf viele Fragen, doch bin mir nicht sicher, ob ich die Trilogie weiterlesen werde.

Fazit: “Spiegelkind” ist ein spannender Einstieg in eine ganz neue, gut und nachvollziehbar aufgebaute Welt, doch leider bleibt vieles unklar oder wird nur angedeutet. Antworten auf die 1000 offenen Fragen darf man hier nicht erwarten, sondern muss auf die Nachfolger hoffen. :sheep3:

Amy Plum – Die For Me

Verlag: Atom
Erschienen: Mai 2011
Seiten: 352
Deutscher Titel: Von der Nacht verzaubert
Deutscher Verlag: Loewe
Übersetzer: Ulrike Brauns
Erscheinungstermin der dt. Ausgabe: März 2012

Kate lebt seit dem Tod ihrer Eltern zusammen mit ihrer älteren Schwester bei den Großeltern in Paris. Während ihre Schwester Giorgia schnell Freunde findet und jeden Abend auf einer anderen Party ist, zieht Kate sich komplett zurück und leidet für sich alleine. Dies ändert sich erst, als sie den wunderschönen Vincent kennenlernt…

Man hat das ja schon hundert Mal gelesen, ein junges Mädchen, das eher eine Außenseiterin ist und sich selbst nicht besonders attraktiv findet, verliebt sich in diesen wunderschönen jungen Mann. Und seltsamerweise interessiert er sich auch für sie. Doch nach und nach wird klar, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Und auch hier merkt man schnell, dass Vincent kein Mensch ist, sondern eine übernatürliche Figur. Zum Glück handelt es sich nicht um einen Vampir oder ähnlich Bekanntes, Amy Plum hat sich etwas ganz eigenes ausgedacht, das mir in dieser Form so noch nicht untergekommen ist. Man muss sich hier also wenigstens nicht mit allseits bekannten Klischees herumschlagen, sondern lernt die Fähigkeiten und Einschränkungen dieser Spezies erst im Laufe des Buches kennen.

Der Aufbau der Geschichte erinnert stark an Twilight und auch sonst fand ich alles sehr vorhersehbar. Große Überraschungen gab es für mich nicht, aber trotzdem habe ich das Buch ganz gerne gelesen und mich gut unterhalten gefühlt. Kate ist eine sehr sympathische Hauptfigur, in die man sich gut hineinversetzen kann, wenn man an seine eigenen Teenagerjahre und die erste Liebe zurückdenkt. Ich fand es sehr angenehm, dass sie eher ruhig und nachdenklich ist, gerne liest und nicht im geringsten an die Naivität und Dummheit einer gewissen Bella erinnert.

Was mich an diesen Büchern aber immer wieder wundert: Diese übernatürlichen Kreaturen sind doch schon sehr viel älter, als sie aussehen und verhalten sich trotzdem wie Teenager. Warum verliebt sich ein Mann, der eigentlich schon 90 ist und dummerweise noch aussieht wie 19, in ein 16-jähriges Mädchen? Ist das nicht irgendwie seltsam und sogar ein bisschen abstoßend? Amy Plum versucht wenigstens, diese Tatsache zu erklären und man nimmt Vincent das auch alles halbwegs ab. Erstaunt bin ich trotzdem immer wieder. Außerdem sind diese übernatürlichen Männer auch immer so perfekt und haben keinen einzigen Fehler, außer eben, dass sie nicht menschlich sind. Sie lesen gerne, sind wahnsinnig gebildet und bezaubern sogar skeptische Großeltern. Das vermittelt doch ein komplett falsches Bild von der Realität. Aber wahrscheinlich sollte man nicht zu viele Dinge hinterfragen, wenn man Fantasy liest.

Die Gefühle zwischen Kate und Vincent konnte ich dann lange Zeit nicht richtig nachvollziehen. Die Autorin beschreibt zwar immer wieder romantische Situationen, allerdings besteht die Anziehung zwischen Kate und Vincent vor allem zu Beginn nur auf Äußerlichkeiten. Sehr schön fand ich dann aber das nähere Kennenlernen und die ganz normalen Verabredungen, die die beiden haben und bei denen sie auch die drohenden Gefahren zumindest zeitweise ausblenden.

Fazit: Man kann das Buch gut lesen, wenn man etwas ähnliches wie Twilight lesen möchte und sich dabei vielleicht noch eine sympathischere Hauptfigur wünscht als Bella. Insgesamt fand ich die Geschichte zwar ganz unterhaltsam, sie hat mich aber weder sonderlich berührt, noch nachhaltig begeistert. :sheep3:

Kindheitserinnerungen: Hanni und Nanni

Jedes Mädchen kennt sie: Die Zwillinge Hanni und Nanni, die ihre Schulzeit im Internat Linderhof verbringen, dort mit Freundinnen allerlei Streiche aushecken und das ein oder andere Mitternachtsfest feiern. Doch wer kennt eigentlich Pat und Isabel, die in St. Clares zur Schule gehen?

Ich war wirklich überrascht und entsetzt, als ich erfahren habe, dass Enid Blyton selbst nur 6 Bände über die frechen Zwillinge geschrieben hat. Die restlichen deutschen Hanni und Nanni Bände wurden von anderen Autoren verfasst und nur unter ihrem Namen veröffentlicht. Außerdem wurde vieles in der deutschen Übersetzung verändert. Viele Namen wurden in deutsche Namen abgewandelt, aus Lacrosse wurde Handball und einiges wurde modernisiert, da die Reihe im Original in den 40er Jahren spielt, die Übersetzung aber in den 60ern.

Ob diese Unterschiede wirklich so sehr ins Gewicht fallen, wollte ich nun testen und habe den ersten Band der Reihe “The Twins at St. Clares” im Original gelesen. Die deutsche Ausgabe habe ich vor vielen Jahren gelesen und da sie in einer Kiste im Keller verpackt ist, muss ich mich dabei auf mein Gedächtnis verlassen.

Die modernen Cover gefallen mir allerdings weder von der englischen noch von der deutschen Ausgabe. Es soll jetzt aber hauptsächlich um den Inhalt gehen.

An die verschiedenen Namen hatte ich mich schnell gewöhnt, ich habe nur ein paar Kapitel gebraucht, um die Namen richtig zuzuordnen. Hanni heißt im Original Patricia (kurz Pat) und Nanni heißt Isabel. Auch ob nun Lacrosse oder Handball gespielt wird, ist für mich ganz egal. Die Sport-Szenen haben mich in den Büchern noch nie interessiert. Die Handlung wirkte auf mich nicht anders, als in der Übersetzung. Es wird ein sehr altmodisches Englisch gesprochen, aber das hat auch seinen ganz eigenen Charme.

Ich hatte die Kapitel aus meiner Kindheit nicht so kurz in Erinnerung und wusste auch nicht mehr, dass jedes mit einer “Moral” endet. Es wird zwar nicht deutlich ausgesprochen, aber am Ende jeden Kapitels hat eines der Mädchen etwas dazugelernt und nimmt sich fest vor, sich in Zukunft anders zu verhalten. Die Kapitel hängen außerdem gar nicht so stark zusammen, wie ich gedacht hätte. Alles passiert zwar im Laufe eines Schuljahres, aber meistens sind es doch kleine abgeschlossene Streiche oder Abenteuer.

Leider habe ich Hanni und Nanni nicht mehr als ganz so toll empfunden, wie damals als Kind. Aber ich habe mich trotzdem an viele schöne Lesestunden mit den beiden erinnert! Einen großen Unterschied konnte ich zwischen dem Original und der deutschen Übersetzung nicht feststellen, ich würde aber trotzdem dazu raten, sich auf die Bände der Reihe zu beschränken, die auch wirklich von Enid Blyton geschrieben wurden:

The Twins at St. Clares (Hanni und Nanni sind immer dagegen – Band 1)
The O’Sullivan Twins (Hanni und Nanni schmieden neue Pläne – Band 2)
Summer Term at St. Clares (Hanni und Nanni in neuen Abenteuern – Band 3)
Second Form at St. Clares (Kein Spaß ohne Hanni und Nanni – Band 4)
Claudine at St. Clares (Lustige Streiche mit Hanni und Nanni – Band 11)
Fifth Formers at St. Clares (Fröhliche Tage für Hanni und Nanni – Band 13)

Ob ich die restlichen 5 Bücher auch noch im Original lesen werde, weiß ich noch nicht. Ich erinnere mich doch noch zu gut an die komplette Handlung, weil ich die Bücher als Kind mehrmals gelesen habe. Sie lassen sich aber wirklich flott lesen und gut mal dazwischenschieben, wenn man sich sonst mit schwierigerer Lektüre herumplagt.

Die Nostalgie-Wertung für “The Twins at St. Clares” wären jedenfalls :sheep4:

Verlag: Egmont UK
Erschienen: 1941
Seiten: 160
Deutscher Verlag: Schneiderbuch

Ralf Isau – Das Lied der Befreiung Neschans

Verlag: Thienemann
Erschienen: 1996
Seiten: 557

Achtung: Dies ist der 3. Teil einer Trilogie, wer die ersten Teile noch nicht kennt, könnte gespoilert werden. Hier habe ich etwas zum ersten Teil, Die Träume des Jonathan Jabbok, geschrieben. Der zweite Teil heißt Das Geheimnis des siebten Richters.

Nachdem Jonathan nach vielen Abenteuern und vielen überwundenen Hindernissen den Stab Haschevet in den Garten der Weisheit gebracht hat, ist seine Reise noch lange nicht zu Ende. Er hat erfahren, dass er der siebte Richter Neschans ist und die Welt nun von allem Bösen befreien muss. So macht er sich einmal mehr mit seinen treuen Freunden auf den Weg, den bösen Herrscher Bar-Hazzat ein für alle Mal zu besiegen.

Dabei hat Ralf Isau ein geschicktes Mittel gefunden, alle Orte und Gestalten, die in der Trilogie bisher aufgetaucht sind, nochmal auftreten zu lassen. Jonathan muss nämlich 6 “Augen” Bar-Hazzats zerstören, die über ganz Neschan verstreut sind. Und so trifft man alte Bekannte wieder – Freunde wie Feinde, aber lernt auch neue Gegenden Neschans und neue Figuren kennen.

Ralf Isau ist es gelungen, die Spannung über 3 Teile und insgesamt fast 1500 Seiten aufrecht zu erhalten, auch wenn die meisten Probleme recht schnell und einfach gelöst werden können. Auch das Ende wird recht schnell abgehandelt, was nach diesem Umfang ruhig ausführlicher hätte erzählt werden können.

Insgesamt ist die Neschan-Trilogie im Vergleich zu anderen Jugendbüchern, die ich gelesen habe, recht harmlos. Es gibt keine unnötige Gewalt oder Brutalität, schlimme Szenen werden nicht übermäßig grausam beschrieben. Auch die Liebe wird nur kurz angeschnitten und nicht in fragwürdigen Szenen breitgetreten. Die Figuren sind eher eindimensional und auch die Handlung sehr geradlinig, so würde ich die Trilogie hauptsächlich jüngeren Lesern empfehlen. Für Erwachsene fehlt manchmal ein bisschen Tiefgang und Komplexität.

Ein wenig hat mich auch gestört, dass das Buch so religiös geprägt ist. Sehr leicht kann man erkennen, dass Neschans Gott Yewoh unseren christlichen Gott zum Vorbild hat und auch in vielen anderen Punkten spielt Ralf Isau auf das Christentum an. Auch lösen sich viele Probleme Jonathans dadurch, dass er auf seinen Gott und dessen Hilfe vertraut. Für mich stellt sich da die Frage, ob damit ein jugendlicher Leser etwas anfangen kann, der möglicherweise in einem anderen Glauben – oder ganz ohne Glauben, erzogen wurde.

Insgesamt würde ich die Neschan-Trilogie eingeschränkt weiterempfehlen. Als Jugendlicher kann man die Bücher sicher gut lesen, auch wenn man noch nicht mehrere hundert Seiten am Stück lesen mag. Die Kapitel sind nicht übermäßig lang und da sich die meisten Probleme recht schnell lösen lassen, muss man auch nicht viele verschiedene Handlungsstränge im Kopf behalten. Dem erwachsenen Leser würde ich allerdings zu etwas komplexeren Jugendbüchern raten, da man hier doch recht schnell alles durchschaut.

Insgesamt gibt es von mir :sheep3: , da mich das Buch teilweise gut unterhalten hat. Außerdem kann auch niemand außer mir etwas dafür, dass ich die Trilogie nicht mit 13 gelesen habe, als sie unter dem Weihnachtsbaum lag, sondern erst viele Jahre später.