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Myra McEntire – Hourglass: Die Stunde der Zeitreisenden

Verlag: Goldmann
Erschienen: Mai 2012
Originaltitel: Hourglass
Übersetzung: Inge Wehrmann
Seiten: 384

Wie konnte das nur schon wieder passieren? Ein hübsches Cover, ein interessanter Klappentext und eine Leserunde mit Leseexemplaren, schon war ich überzeugt, dass ich “Hourglass” gerne lesen würde. Und wieder wurde ich enttäuscht.

Emerson lebt seit dem Tod ihrer Eltern bei ihrem älteren Bruder. Da sie von Zeit zu Zeit Geister aus vergangener Zeit sieht, versucht dieser, ihr mit diversen Therapeuten und Methoden zu helfen. Der aktuelle Versuch, Michael von der Firma Hourglass, sieht nicht nur diese Geister selbst, sondern ist auch wahnsinnig attraktiv. Und so entwickelt er sich für Em schnell zu mehr als nur ihrem Therapeuten.

Zu Beginn fand ich das Buch noch unterhaltsam und angenehm zu lesen, doch dann wurden die Mängel schnell immer deutlicher. Wie in so vielen Jugendbüchern gibt es auch hier eine Liebesgeschichte, die im Mittelpunkt des Geschehens steht. Und auch hier verliebt sich das normale Mädchen in den wunderschönen jungen Mann. Dieser wird auch nur so beschrieben und charakterisiert. Viel mehr als “schön” und “unglaublich viele Muskeln” wird über Michael gar nicht gesagt, dafür werden die Beschreibungen von seiner unglaublichen Schönheit und seinen Muskeln ständig wiederholt. Die Gefühle zwischen den beiden kamen bei mir überhaupt nicht an. Es geht nur oberflächlich ums Aussehen und um eine gewisse Anziehung, die ich aber nicht spüren konnte.

Die Geschichte hätte spannende Grundzüge, es gibt Zeitreisen und andere interessante Elemente. Jegliche Spannung wird aber durch die mangelhafte Umsetzung im Keim erstickt. Als die Zeitreise endlich stattfindet, ist sie so unspektakulär, dass man sich fragt, warum man die ganze Zeit darauf gewartet hat. Die wirklich interessanten Szenen, die die Geschichte vorantreiben sollen, wirken recht schnell abgehandelt, viele Erklärungen, die man zum Verständnis bräuchte, fehlen leider. Dafür gibt es seitenlanges Geschnulze, große Liebe hier, “wir können nicht zusammensein” dort und das immer wieder, hin und her und hin und her.

Am Ende wird es dann im großen Showdown nochmal richtig hektisch, Spannung kam bei mir dann nicht mehr auf. Das Zeitreise-Konstrukt, das die Autorin sich aufbaut, ist leider auch nicht in allen Punkten logisch, meiner Meinung nach widerspricht sie sich auch manchmal selbst und verstrickt sich in paradoxen Aussagen. Vielleicht hat sie sich auch selbst zu sehr auf die schönen Männer in ihrer Geschichte konzentriert, und konnte deshalb keine klaren Gedanken mehr fassen.

Das Buch lässt sich zwar wirklich flott lesen und bietet an manchen Stellen auch etwas Unterhaltung, insgesamt war es mir aber zu oberflächlich. Zu viel Liebesgeschnulze, zu wenig und zu wenig durchdachte sonstige Handlung, das reicht gerade mal für :sheep2:

Gibt es denn noch richtig gute Jugendbücher, die eine durchdachte Handlung haben und sich nicht vordergründig auf eine oberflächliche Liebesgeschichte konzentrieren? Könnt ihr da was empfehlen?

Gail Carriger – Timeless (The Parasol Protectorate 5)

Verlag: Orbit
Erschienen: März 2012
Deutscher Titel: Sengendes Zwielicht
Erscheinungstermin der deutschen Ausgabe: 19.11.2012
Seiten: 416

Sie sind wieder da! Alexia und ihr Werwolf-Ehemann gehen in die fünfte Runde! Ganz neu dabei auch Baby Prudence, die natürlich ganz besondere Fähigkeiten hat und alles ganz schön aufmischt.

Ich wusste nicht, ob ich das Buch ganz schnell durchlesen soll, weil ich mich schon so lange darauf freue, oder ob ich es ganz langsam lesen soll, weil es der letzte Band der Reihe ist und es danach Abschied nehmen heißt, von all den liebgewonnenen Charakteren. Im Endeffekt gab es beim Lesen dann nicht mehr viel nachzudenken, ich habe das Buch innerhalb kürzester Zeit verschlungen, wie auch schon die vier Vorgänger.

Obwohl man die meisten Figuren und die Welt nun schon kennt, hat es  Gail Carriger wieder geschafft, eine spannende Geschichte und jede Menge witziger Szenen in ein neues Setting (Ägypten) zu verpacken. Matakara, die Vampirkönigin aus Alexandria und gleichzeitig der älteste Vampir der Welt, lädt Alexia und Baby Prudence mit einigem Nachdruck zu sich ein. Und so gibt es wieder einmal eine Reise, auf der sie nicht nur Conall begleitet, sondern auch die Tunstells mit ihrer gesamten Schauspielertruppe.

Ob es nun gut oder schlecht ist, dass man am Ende über gewisse Dinge und Personen noch mehr wissen möchte, bleibt wohl Geschmackssache. Einerseits hätte ich mir in manchen Punkten noch die ein oder andere Information gewünscht, andererseits ist es ein großer Pluspunkt für die Autorin, dass ich am Ende der Reihe einfach mehr, mehr, mehr wollte und die liebgewonnenen Figuren nicht verlassen wollte, obwohl ihre Geschichte eigentlich zufriedenstellend abgeschlossen ist.

Ich bin nach wie vor ein großer Fan der Reihe und freue mich schon darauf, sie nochmal irgendwann am Stück durchzulesen. “Timeless” ist zwar nicht der stärkste Band der Reihe, aber doch sehr lesenswert und unterhaltsam. :sheep4:

Ganz besonders freue ich mich auch schon auf “Etiquette and Espionage”, den ersten Band von Gail Carriger’s neuer Reihe “Finishing School”, der im Februar 2013 erscheinen soll. Das Cover finde ich auch wieder sehr gelungen, fast schöner als die Cover der Parasol Protectorate Reihe:

Seid ihr auch schon so gespannt darauf und wie findet ihr das Cover?

Ben Aaronovitch – Die Flüsse von London

Verlag: dtv
Erschienen: Januar 2012
Originaltitel: Rivers of London
Übersetzung: Karlheinz Dürr
Seiten: 480

Peter Grant hat gerade seine Ausbildung als Polizist abgeschlossen, als er eines Nachts einen Geist sieht. Kurz darauf wird er in die Magie-Abteilung der Londoner Polizei versetzt, von der er bisher noch nie gehört hat und ermittelt mit seinem Vorgesetzten in einer grausamen Mordserie. Gleichzeitig wird Peter zum Zauberlehrling ausgebildet und in die Kunst der Magie eingeweiht.

London, Magie und nebenbei ein spannender Kriminalfall, das musste ich natürlich lesen. Und meine Erwartungen an das Buch waren hoch. Die Geschichte von Peter ist auch wirklich spannend und gönnt dem Leser keine Verschnaufpause. Mit unheimlichem Tempo rast man mit dem frischgebackenen Zauberlehrling durch eine magische Version von London, so dass man das Buch am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen würde.

Leider bleibt in dieser Parallelwelt, in der Zauberei in den Alltag integriert ist, vieles unklar. Peter lernt diese Welt zwar auch erst kennen, aber manchmal hätten ein paar Erklärungen nicht geschadet. Ich brauche nicht in jedem Buch seitenlange Beschreibungen der Personen und der Umgebung oder ausführliches Hintergrundwissen. Ein paar Fakten muss es aber in jeder guten Geschichte geben. Wenn man keine Ahnung hat, in was für einer Welt man sich gerade befindet, kann man auch die spannendste Handlung nicht richtig genießen, weil zu viele Fragen offen bleiben. Anspielungen auf andere Fantasy-Bücher gibt es auch noch, doch eigentlich ist es nicht mehr lustig, wenn man zum 100. mal liest, dass “echte” Vampire nicht glitzern.

Oft hatte ich das Bedürfnis, mir einen Stadtplan von London neben das Buch zu legen. Ständig werden Straßennamen und Stadtviertel erwähnt, die dem Durchschnittsleser nicht viel sagen dürften. Zur Orientierung wäre vielleicht eine Karte im Buch hilfreich gewesen, so habe ich die geografischen Angaben nur schnell überflogen, da ich damit – bis auf wenige Ausnahmen – nichts anfangen konnte.

Ich hatte eigentlich ein Jugendbuch erwartet und war dann überrascht, dass es doch recht blutig und gewalttätig zugeht. Damit habe ich mich dann allerdings recht schnell abgefunden und das Buch trotzdem ganz gerne gelesen. Es stecken viele interessante Ideen in Ben Aaronovitchs Geschichte, zum Beispiel die Titelgebenden Flüsse von London. Jedem Nebenfluss ist eine Person zugeordnet und einige davon spielen wichtige Rollen in Peters Ermittlungen. Leider fehlen mir auch hier einige Informationen, die das Konzept noch interessanter gemacht hätten.

Man muss natürlich auch bedenken, dass es sich um eine Buchreihe handelt und der Autor noch nicht alles im ersten Band verraten kann. Mir persönlich wird aber trotzdem zu wenig erklärt und gerade in Bezug auf den Kriminalfall, der in diesem Buch ja abgeschlossen ist, hätte ich mir manche Dinge ausführlicher gewünscht. Ich bin noch nicht sicher, ob ich den zweiten Band, der im Juli unter dem Titel “Schwarzer Mond über Soho” auf Deutsch erscheint, auch lesen werde. Einerseits finde ich Peter eine sehr interessante Figur, deren weiteren Werdegang ich gerne verfolgen würde, andererseits befürchte ich, dass der Autor seine Art zu schreiben beibehalten hat und mir auch im zweiten Band die Ausführichkeit fehlen würde.

Fazit: “Die Flüsse von London” ist eine rasante und spannende Geschichte, die Potential verschenkt, weil vieles nur oberflächlich abgehandelt und nicht ausführlich erklärt wird. :sheep3:

Ju Honisch – Das Obsidianherz

Verlag: Feder & Schwert
Erschienen: Februar 2008
Seiten: 809

Jetzt muss ich mich dringend aufraffen, endlich meine Meinung zu diesem Buch aufzuschreiben, obwohl ich mir immer noch nicht sicher bin, wie ich es denn fand. Anfangs hatten mich die sehr begeisterten Rezensionen überzeugt, die ich kurz nach Erscheinen des Buches gelesen habe. Der Schauplatz (München) und die Zeit, in der die Geschichte spielt (19. Jahrhundert) finde ich grundsätzlich auch sehr spannend. Es war also klar: Dieses Buch muss ich haben. Und nun kommt meine abschließende Meinung, die leider nicht ganz so positiv ausfällt, wie ich erwartet hätte:

In einem Münchner Hotel ist ein magisches Manuskript verschwunden, das in den falschen Händen den Untergang der ganzen Welt zur Folge haben könnte. Zahlreiche Personen versammeln sich dort, um entweder das Manuskript in die eigene Gewalt bringen zu können oder es vor dem Zugriff anderer zu schützen. Auch unbeteiligte Reisende werden in die Sache hineingezogen. Und um das Ganze noch etwas interessanter zu machen, gibt es in dieser Geschichte nicht nur normale Menschen, sondern auch Fey mit diversen übernatürlichen Fähigkeiten.

Am Anfang war ich schier erschlagen von den vielen Personen, die einem auf wenigen Seiten präsentiert werden, doch zum Glück gibt es eine spoilerfreie Personenübersicht, die man zu Rate ziehen kann, wenn man wieder einmal nicht mehr weiß, wer jetzt mit wem welchen Plan verfolgt. Da gibt es zum einen den britischen Agenten Delacroix, der in Zusammenarbeit mit zwei bayerischen Offizieren und Cérise Denglot, einer berühmten Opernsängerin, im Auftrag König Ludwigs II. das Manuskript sicherstellen soll. Dann wäre da eine junge Dame, Corrisande Jarrencourt, die eigentlich mit ihrer Anstandsdame und ihrer Zofe nur in München ist, um sich einen geeigenten Ehemann zu suchen, aber ganz unerwartet in die Geschichte rund um das geheimnisvolle Manuskript gezogen wird. Außerdem gibt es noch einen Vampir, eine Gruppe fanatischer Ordensbrüder und eine ganze Menge anderer magischer und nichtmagischer Figuren.

Wer mich ein bisschen kennt, wird wissen, dass ich kein Freund dicker Bücher bin. So haben mich auch hier die über 800 Seiten lange Zeit abgehalten, das Buch zur Hand zu nehmen. Und auch jetzt bin ich noch zwiegespalten, ob es gerechtfertigt war, die Geschichte so ausführlich zu erzählen. Man muss Ju Honisch zugute halten, dass sie sich Zeit nimmt für ihre Charaktere. Sie erweckt sie bis zur kleinsten Nebenfigur auf jeder Seite mehr zum Leben und erschafft eine unglaublich dichte Atmosphäre, die den Leser wirklich in das magische München des Jahres 1865 versetzt. Und doch denke ich, dass 200 Seiten weniger auch gereicht hätten.

Der Spannungsbogen war für mich eher eine Spannungs-Schwankung, die auch manchmal in den negativen Bereich absinkt. Immer wieder gibt es mitreißende Passagen, in denen viel Action geboten ist, in denen man das Buch kaum mehr aus der Hand legen mag. Dann gibt es ruhigere Kapitel, die notwendig sind, um komplexe, mehrdimensionale Figuren zu erschaffen und die Atmosphäre zu erzeugen. Zusätzlich sind mir allerdings Kapitel aufgefallen, in denen einfach viel geredet, das gerade Geschehene von diversen Personen wieder und wieder durchgekaut und das geplante Handeln besprochen wird. An dieser Stelle wären mir persönlich Kürzungen lieb gewesen, aber natürlich gibt es auch Leser, für die ein Buch gar nicht dick genug sein kann.

Bei so vielen Figuren ist es ganz natürlich, dass man manche sympathisch findet und andere eher nicht mag. Einige sind logischerweise auch als Unsympathen konzipiert. Trotzdem fiel es mir bei Kapiteln über einen gewissen Orden sehr schwer, am Ball zu bleiben. Zu grausam und fanatisch waren mir diese Brüder und ich fand sie abstoßend und nervig. Leider spielen sie eine nicht gerade kleine Rolle im Roman und sind wohl leider dringend nötig für die Handlung.

Ein großes Plus ist die äußere Aufmachung des Buches. Ich finde das Cover sehr gelungen und auch das kleine Format liegt gut in der Hand. Besonders schön ist die Gestaltung der Kapitelüberschriften mit kleinen Tintenklecksen, in denen man mit ein bisschen Fantasie auch mehr als bloße Kleckse sehen kann. Bei den Seitenzahlen hätte ich mir allerdings eine leserlichere Schriftart gewünscht, so dass man nicht raten muss, auf welcher Seite man sich gerade befindet.

Fazit: Das Obsidianherz ist für mich eine wunderbare, fesselnde Mischung aus dem realen München des 19. Jahrhunderts und einer fantastischen Parallelwelt. Die Charaktere sind glaubhaft und dreidimensional angelegt, ihre Menge erfordert trotz des Personenregisters einiges an Konzentration. Leider gab es für mich einige Längen, die mein Leseerlebnis getrübt haben. Mit meiner Bewertung bin ich mir sehr unsicher, ich würde mich am ehesten zwischen :sheep3: und :sheep4: einpendeln.

Die sympathische Website der Autorin ist übrigens einen Besuch wert!

Bernd Perplies – In den Abgrund (Magierdämmerung 3)

Verlag: Lyx
Erschienen: September 2011
Seiten 504

Lordmagier Wellington hat die Wahre Quelle der Magie unter seine Kontrolle gebracht und will nun die Weltherrschaft an sich reißen. Nur wenige Magier können ihn jetzt noch aufhalten und sind unterwegs, um das Schlimmste zu verhindern. Von allen Seiten nähern sich kleine Gruppen seiner Insel, die alle einen mehr oder weniger sicheren Plan haben.

Alle liebgewonnenen Figuren sind wieder dabei und auch so mancher, den man schon abgeschrieben hatte, ist noch für eine Überraschung gut. Leider kam sehr spät in der Geschichte noch ein neuer Handlungsstrang dazu, der zwar unterhaltsam zu lesen war, aber unnötig aufgebauscht wurde und am Ende einfach ohne Sinn und Zweck verpufft. Ansonsten fand ich es aber sehr spannend, dass aus allen Richtungen die vermeintliche Rettung naht und Wellington im Zentrum immer neue Grausamkeiten ausheckt und somit ein Wettkampf mit der Zeit entsteht.

Die Handlung steuert natürlich die ganze Zeit auf den großen Endkampf zwischen Gut und Böse zu, aber wie schon in den Vorgängerbänden nimmt Bernd Perplies sich oft Zeit für kleine Details, die den Charme des Buches ausmachen. Die Atmosphäre ist gewohnt dicht, so dass man das Buch kaum aus der Hand legen will und schon mal vergisst, dass es diese Art der Magie in unserer Welt nicht gibt.

Mit dem Ende konnte ich für alle Figuren gut leben und bin auch sehr froh, dass Bernd Perplies uns einen allzu genauen Blick in die Zukunft à la “Sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage” erspart hat. So bleibt noch Platz für eigene Interpretationen und Gedanken. Da ich ausführlich beschriebene Kämpfe in Büchern nicht mag, hatte ich schon große Befürchtungen bezüglich des Endes, war dann aber eher positiv überrascht.

Insgesamt ist “In den Abgrund” für mich ein sehr passender Abschluss einer gelungenen Trilogie. Den ersten Teil fand ich grandios, den zweiten leider nur mittelmäßig und der dritte Teil hat mich mit der gesamten Trilogie wieder versöhnt. Somit möchte ich diesem Buch und auch der gesamten Magierdämmerung :sheep4: geben.

Patrick Rothfuss – The Name of the Wind

Verlag: Orion
Erschienen: 2007
Seiten: 661
Deutscher Titel: Der Name des Windes
Deutscher Verlag: Klett-Cotta
Übersetzer: Jochen Schwarzer
Erscheinungstermin der dt. Ausgabe:September 2008

Lange nachdem jeder andere dieses Buch gelesen hat, habe ich mich auch endlich daran gewagt. Abgeschreckt haben mich bisher der Umfang und die Wartezeit, die voraussichtlich bis zur Veröffentlichung des dritten Bandes folgen wird. Doch eigentlich hat es dieses Buch nicht verdient, so lange Zeit ungelesen im Regal zu stehen.

Kote – der Besitzer eines Gasthauses in einem abgelegenen Dorf – wird von einem reisenden Chronisten als Kvothe, Held unzähliger Geschichten erkannt. Sie verhandeln so lange, bis Kvothe zustimmt, seine Geschichte zu erzählen. Diese Erzählung soll drei ganze Tage dauern und nur den ersten dieser Tage dürfen wir in “Der Name des Windes” mitverfolgen. So ist auch klar, dass es hier noch hauptsächlich um Kvothes Jugend und seine Erfahrungen an der Universität geht.

Die Geschichte nimmt sich sehr viel Zeit, sich zu entfalten. Man begleitet Kvothe wirklich von klein auf, lernt seine Eltern kennen, verfolgt seine Entwicklung und erfährt auch viele Details. Wer mit so einer langsamen Erzählweise ohne großen Spannungsbogen nichts anfangen kann, sollte besser die Finger von der Trilogie lassen. Ich fand das Buch zwar sehr spannend und konnte es kaum aus der Hand legen, allerdings lesen sich weite Strecken dieses ersten Teils noch wie eine Einleitung. Viele Episoden aus Kvothes Leben sind zwar durchaus lesenswert, aber es fehlt noch ein weiter Weg zu dem Kvothe, der offensichtlich weltberühmt ist, sich aber lieber in sein kleines Gasthaus zurückzieht.

Sehr angenehm und unterhaltsam fand ich Patrick Rothfuss’ Erzählweise. In kurzen Zwischenkapiteln erinnert er den Leser daran, dass man eigentlich gerade in Kotes Gasthaus sitzt und seiner Erzählung aus dessen eigener Perspektive lauscht. Außerdem nimmt der Erzähler sich selbst und einige Fantasy-Klischees nicht so ganz ernst. Mein Favorit ist dabei eine Szene, in der Kvothe an der Universität ist und den sinnlosen Aufgaben eines Professors folgt und sich dabei immer wieder denkt, dass dies wohl eine Prüfung ist, weil er so etwas schon öfter in dieser Art gelesen hat. Doch er irrt sich gewaltig…

Fazit: Den Auftakt der Königsmörder-Trilogie fand ich durchaus gelungen und unterhaltsam. Für mich hatte das Buch einige Längen und kommt nicht so richtig in die Gänge, aber war trotzdem so spannend zu lesen, dass ich es kaum aus der Hand legen konnte. Ich freue mich auf Band zwei! :sheep4:

Kai Meyer – Seide und Schwert

Verlag: Loewe
Erschienen: 2006
Seiten: 408

Kai Meyer hat als Schauplatz für diese Jugendbuch-Trilogie China gewählt. Aber nicht das China, so wie wir es kennen, sondern ein Land, in dem es Drachen und Magie gibt und auch allerlei Gestalten, denen man lieber nicht begegnen möchte. Das Mädchen Nugua wuchs bei Drachen auf, allerdings sind diese eines Tages verschwunden und sie macht sich allein auf die Suche nach ihnen. Niccolo lebt auf einer Insel in den Wolken, doch als diese sinkt, muss er auf den Erdboden reisen. Das Schicksal seines ganzen Volkes liegt plötzlich in seinen Händen. Nugua und Niccolo treffen sich auf ihrer Suche und erleben gemeinsam so einige Abenteuer. Sie treffen sowohl auf Freunde als auch auf Feinde, müssen Gefahren überstehen und Schwierigkeiten meistern.

Die Spannung wird dabei konstant aufrechterhalten. Kaum ist ein Kampf vorbei, steht schon das nächste Problem vor der Tür. Eine actiongeladene Szene jagt die nächste. Verschnaufpausen oder ruhigere Passagen findet man selten. Die Charaktere und die zwischenmenschlichen Beziehungen entwickeln sich eher nebenbei weiter. Damit sollte man schon rechnen, bevor man sich auf dieses Jugendbuch einlässt, dann kann man auch als Erwachsener seinen Spaß daran haben.

Kai Meyer ist hier wieder ein spannungsgeladener Auftakt einer Trilogie gelungen. Mit viel Liebe zum Detail und viel Fantasie schmückt er diese fremde und doch bekannte Welt aus. Am Ende von Seide und Schwert sind natürlich noch viele – wenn nicht alle – Fragen offen, obwohl auch einige Zusammenhänge klarer werden. Am liebsten möchte man gleich weiterlesen und wissen, wie es Nugua und Niccolo und all den anderen liebgewonnen Figuren ergeht. Ich freue mich schon, wenn ich mein selbst auferlegtes Buchkaufverbot überstanden habe, das erste Buch, das ich danach kaufe, wird definitiv Lanze und Licht sein.

Für diesen unterhaltsamen und spannenden ersten Teil gibt es :sheep4: .

Kami Garcia & Margaret Stohl – Beautiful Creatures

Verlag: Puffin
Erschienen: 2009
Seiten: 576
Deutscher Titel: Sixteen Moons – Eine unsterbliche Liebe
Deutscher Verlag: cbj
Übersetzung: Petra Koob-Pawis

Seien es Bella und Edward, Sookie und Bill, Grace und Sam oder auch Ellie und Colin – wir kennen sie alle. Außerdem kennen wir inzwischen auch das Prinzip, das hinter all diesen Geschichten steckt. Ein junges Mädchen verliebt sich in eine Kreatur, die nicht menschlich ist und übersinnliche Kräfte hat. Und der ein oder andere Grund verhindert, dass die beiden zusammen sein können, obwohl es sich um die ganz große Liebe handelt.

Leider ist das Schema hinter dieser Geschichte nur minimal anders und doch erfrischend neu: Ethan, ein ganz normaler Teenager, verliebt sich in die Neue an der Schule, Lena. Sie entstammt einer Familie von Castern, die verschiedene magische Fähigkeiten haben. Lenas 16. Geburtstag schwebt wie eine finstere Bedrohung über der jungen Liebe, da an diesem Tag eine Entscheidung über ihr weiteres Leben getroffen wird, auf die sie keinen Einfluss hat.

Das Neue an der ganzen Sache ist, dass wir die Geschichte aus Ethans Sicht erzählt bekommen, und somit mal die männliche Version erfahren. Das Buch ist durchgehend unterhaltsam und spannend geschrieben, so dass man es am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen möchte. Gut gefallen hat mir unter anderem, dass die Handlung in den ganz normalen Schulalltag der Jugendlichen eingebettet ist und dadurch auch etwas Normalität in die Geschichte kommt. Auch ganz alltägliche Probleme wie Beliebtheit, Außenseiter und Mobbing finden so ihren Platz in einem Buch, das eigentlich vorrangig ganz andere Themen behandelt.

Die Freundschaft und später auch Liebe zwischen den Hauptpersonen entwickelt sich langsam. Glücklicherweise wird auf Kitsch und Liebesgesülze weitestgehend verzichtet, so dass man diese zarte Annäherung wirklich gerne begleitet. Lenas 16. Geburtstag als drohende Gefahr steht zwar immer zwischen den beiden, doch trotzdem gibt es schöne, romantische Szenen.

Lenas Familie und das “Spukschloss” in dem sie mit ihrem Onkel lebt, sind in ihrer Skurrilität so plastisch beschrieben, dass es einfach Spaß macht. Auch die Kleinstadt-Atmosphäre kommt toll rüber, man kann sich so richtig gut hineinversetzen und sich dieses recht eingeschränkte Umfeld gut vorstellen.

Seit Twilight zieht man leider gerade im Jugendbuch-Bereich immer Vergleiche, egal wie unterschiedlich die Bücher eigentlich sind. Ähnliche Tendenzen gibt es zwar in Beautiful Creatures, das Buch kann aber auch ganz gut ohne Vergleich für sich allein stehen. Ich würde es auch den Lesern empfehlen, die Twilight zu kitschig und zu sehr Liebesroman fanden. :sheep4:

Positiv ist auch noch zu erwähnen, dass das Buch ein einigermaßen zufriedenstellendes Ende hat, obwohl es sich natürlich auch hier um eine Reihe handelt. Der zweite Band, Beautiful Darkness ist bereits erschienen und erscheint im September auch als Seventeen Moons – Eine unsterbliche Liebe auf Deutsch. Der dritte Teil, Beautiful Chaos erscheint im Oktober auf Englisch.

Gail Carriger – Changeless

Verlag: Orbit
Erschienen: 2010
Seiten: 400
Deutscher Titel: Brennende Finsternis
Deutscher Verlag: Blanvalet
Übersetzung: Anita Nirschl

Schon der Vorgänger Soulless (Glühende Dunkelheit) konnte mich begeistern und so war es keine Frage, dass ich die Reihe um Alexia Tarabotti (inzwischen Lady Maccon) weiterlesen wollte.

Obwohl einige Zeit seit der Lektüre von Soulless vergangen ist, war ich sofort wieder mitten drin in dieser Welt, in der Vampire und Werwölfe zum alltäglichen Leben gehören. Alexia ist inzwischen mit Lord Maccon verheiratet, wodurch sich wieder witzige Situationen zwischen den beiden ergeben, allerdings etwas anders geartet als noch im Vorgänger. Doch als der Werwolf-Ehemann eines morgens ohne Ankündigung verschwindet, findet Alexia das ganz und gar nicht witzig. Und sie wäre nicht Alexia, wenn sie nicht auf eigene Faust Nachforschungen anstellen würde.

Die Suche nach dem Auslöser für das eigenartige Phänomen, dass alle Vampire und Werwölfe in London auf einmal ihre übersinnlichen Kräfte verloren haben, fürt Lord Maccon und seine frischgebackene Ehefrau nach Schottland und ist somit auch eine Reise in die Vergangenheit des Werwolfs. Alexia reist zusammen mit ihrer besten Freundin die den schlechtesten Hutgeschmack in ganz London hat: Miss Hisselpenny. Glücklicherweise bekommt sie in diesem Teil etwas mehr Aufmerksamkeit und auch einen Verehrer. Mit von der Partie sind außerdem Alexias Schwester Felicity und eine neue Figur, die frischen Wind in die ganze Sache bringt, da man sie und ihre Motive noch nicht einschätzen kann: Madame Lefoux, eine französische Wissenschaftlerin.

Die Geschichte in diesem Band fand ich sehr viel spannender als in Soulless, da sie nicht so vorhersehbar und außerdem ausgeklügelter und durchdachter schien. Der Bösewicht ließ sich zwar wieder sehr schnell ausmachen, aber dank überraschender Wendungen und undurchschaubaren Intentionen der verschiedenen Personen war das Buch bis zum Ende spannend zu lesen.

Schottland ist wenigstens in einem Teil des Buches Schauplatz der Geschichte und die schottischen Werwölfe mit ihrem Akzent und Kilts sind genau so, wie man sich den Klischee-Schotten vorstellt. Das war für mich natürlich ein zusätzlicher Bonuspunkt, da ich meinem diesjährigen Urlaub meine Liebe zu Schottland wiederentdeckt habe. Außerdem gibt es einen Zeppelin, einen neuen Schirm für Alexia und viel Tee. Nur Lord Akeldama hat diesmal ein bisschen gefehlt, da er nur in wenigen Szenen auftaucht.

Insgesamt hat mir der zweite Teil der Reihe noch besser gefallen als der erste, weil man die Figuren noch besser kennenlernt und auch die Geschichte spannender war.  Auch das Ende habe ich nicht als so schlimmen Cliffhanger empfunden, so dass ich mir noch etwas Zeit lassen werde, bis ich den nächsten Teil lese, da ich noch länger Spaß mit dieser genialen Reihe haben möchte.

:sheep4:

Der drittte Teil der Reihe, Blameless, erscheint unter dem Titel Entflammte Nacht im September auf Deutsch und der vierte Teil, Heartless, ist gerade Anfang Juli auf Englisch erschienen.

Joanne K. Rowling – The Tales of Beedle the Bard

Verlag: Children’s High Level Group
Erschienen: 2008
Seiten: 128
Deutscher Titel: Die Märchen von Beedle dem Barden
Deutscher Verlag: Carlsen Verlag
Übersetzung: Klaus Fritz

Fünf kurze Märchen und jeweils ein Kommentar von Dumbledore, mehr gibt dieses kleine Büchlein nicht her. Deshalb habe ich auch lange gezögert, bevor ich es mir zugelegt habe, weil ich eine Enttäuschung vermeiden wollte. Nun habe ich es aus einer Bücher-Tauschkiste auf einem Forentreffen gezogen und es auch gleich gelesen.

Die Märchen sind unseren Märchen aus der “Menschenwelt” recht ähnlich, nur dass sie eben in der Welt der Zauberer und magischen Kreaturen spielen. Ansonsten kann man über diese kurzen Texte nicht viel sagen, ohne schon zu viel verraten. Enthalten ist natürlich auch das Märchen von den drei Brüdern, was im letzten Harry Potter Band eine wichtige Rolle spielt und auch im Film sehr schön dargestellt wurde.

Dumbledores Anmerkungen sind ganz nett zu lesen, auch wenn man diese Interpretationen und Erklärungen eingentlich nicht benötigen würde. Und doch freut man sich darüber, wieder von Dumbledore zu hören und auch von anderen Figuren aus dem Harry Potter Universum, die am Rande erwähnt werden.

Ich fand das Buch ganz unterhaltsam und lesenswert, außerdem hat es mir Lust darauf gemacht, die Harry Potter Reihe – und vor allem den letzten Band  – nochmal zu lesen. Für Harry Potter Fans ist das Büchlein also durchaus empfehlenswert, auch wenn man die Erwartungen nicht zu hoch ansetzen sollte, da es recht dünn und schnell gelesen ist.
:sheep4: