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Lloyd Jones – Mister Pip

Verlag: Hodder & Stoughton
Erschienen: 2006
Deutscher Titel: Mister Pip
Seiten: 223

Matilda lebt während des Bürgerkrieges auf der Pazifikinsel Bougainville. Aus Ermangelung eines Lehrers übernimmt Mr. Watts, der einzige Weiße auf der Insel, den Schulunterricht. Er liest den Kindern aus “Große Erwartungen” von Charles Dickens vor und die Hauptfigur Pip erwacht für die Schüler schon bald zum Leben und nimmt eine wichtige Stellung ein.

Eigentlich hätte mir dieses Buch gefallen müssen und ich war auch überzeugt, dass ich an dem exotischen Setting und dem literarischen Bezug viel Spaß haben würde. Stattdessen habe ich mich durch die wenigen Seiten gequält und bin mit der Geschichte nicht warm geworden. Der Kontrast zwischen den sehr gläubigen ungebildeten Inselbewohnern und Mr. Watts war zwar interessant, wie auch die Konflikte, die zwischen den Eltern und dem Lehrer entstehen, diese Kleinigkeiten haben mir aber nicht gereicht um das Buch zu mögen.

Die unnötige Brutalität, die den Leser ohne Vorwarnung trifft, hat mir dann noch den Rest gegeben. Natürlich gibt es Tote bei einem Bürgerkrieg und die heile Welt, die vorher in Matildas Dorf herrschte, konnte nicht ewig bleiben. Und doch war mir der Bruch zu hart, als die Rebellen plötzlich auftauchen und alles verändern.

Das Buch hat wirklich gute Ansätze und es gab auch interessante und unterhaltsame Szenen, insgesamt hat es mir aber einfach nicht gefallen und ich war froh, als ich es hinter mich gebracht hatte. :sheep2:

Turki al-Hamad – Adama

Verlag: Heyne
Erschienen: 2003
Seiten: 319
Originaltitel: Adama
Übersetzung: Cordula Kolarik

Hischam ist 18 und geht noch zur Schule, als er von einem Mitschüler angesprochen wird, ob er einer Untergrundorganisation beitreten will. Nach einigem Zögern stimmt er zu, muss aber bald feststellen, dass die geheimen Treffen anders ablaufen, als er sie sich vorgestellt hat. In einem zweiten Handlungsstrang, der einige Zeit später spielt, begleiten wir Hischam nach Riad, wo er in Zukunft die Universität besuchen will und bei seinem Onkel wohnt.

Durch den Klappentext und die Tatsache, dass das Buch in Saudi-Arabien verboten ist, hatte ich mir etwas mehr erwartet. Angebliche Konflikte zwischen Hischams “Freundin” und seiner Arbeit für die Untergrundorganisation wurden versprochen. Allerdings spielt diese Liebesbeziehung eine weit geringere Rolle als erwartet und auch sonst fehlte mir ein bisschen die Brisanz. Hischam ist ein sehr passiver Charakter, der in alles mehr hineinrutscht, als dass er sich bewusst entscheidet. Zwar scheint er intelligent, ist gut in der Schule, liest anspruchsvolle Bücher und diskutiert gerne über alle möglichen Themen mit seinen Freunden, doch sein Verhalten im Bezug auf die Untergrundorganisation fand ich eher dumm.

Der zweite Handlungsstrang, Hischams Zeit bei seinem Onkel in Riad, ist auch nicht sehr interessant. Das einzige, was ich daran lesenswert fand, waren die Unterschiede, die Hischam zwischen seiner eher fortschrittlichen Familie und der traditionellen Familie des Onkels bemerkt. Zuhause wird zum Beispiel gemeinsam gegessen, auch die Frauen dürfen mit am Tisch sitzen. In der Familie des Onkels allerdings dürfen nur die Männer am Tisch sitzen, die Frauen müssen diese bedienen. Da ich allerdings schon andere Bücher aus der arabischen Welt gelesen habe, konnte mir “Adama” auch in dieser Hinsicht nicht viel Neues bieten.

Insgesamt war das Buch leider eine Enttäuschung, da ich andere – und vor allem sehr hohe – Erwartungen hatte. Zum Glück ließ es sich wenigstens angenehm lesen und war teilweise auch ganz unterhaltsam. :sheep2:

Myra McEntire – Hourglass: Die Stunde der Zeitreisenden

Verlag: Goldmann
Erschienen: Mai 2012
Originaltitel: Hourglass
Übersetzung: Inge Wehrmann
Seiten: 384

Wie konnte das nur schon wieder passieren? Ein hübsches Cover, ein interessanter Klappentext und eine Leserunde mit Leseexemplaren, schon war ich überzeugt, dass ich “Hourglass” gerne lesen würde. Und wieder wurde ich enttäuscht.

Emerson lebt seit dem Tod ihrer Eltern bei ihrem älteren Bruder. Da sie von Zeit zu Zeit Geister aus vergangener Zeit sieht, versucht dieser, ihr mit diversen Therapeuten und Methoden zu helfen. Der aktuelle Versuch, Michael von der Firma Hourglass, sieht nicht nur diese Geister selbst, sondern ist auch wahnsinnig attraktiv. Und so entwickelt er sich für Em schnell zu mehr als nur ihrem Therapeuten.

Zu Beginn fand ich das Buch noch unterhaltsam und angenehm zu lesen, doch dann wurden die Mängel schnell immer deutlicher. Wie in so vielen Jugendbüchern gibt es auch hier eine Liebesgeschichte, die im Mittelpunkt des Geschehens steht. Und auch hier verliebt sich das normale Mädchen in den wunderschönen jungen Mann. Dieser wird auch nur so beschrieben und charakterisiert. Viel mehr als “schön” und “unglaublich viele Muskeln” wird über Michael gar nicht gesagt, dafür werden die Beschreibungen von seiner unglaublichen Schönheit und seinen Muskeln ständig wiederholt. Die Gefühle zwischen den beiden kamen bei mir überhaupt nicht an. Es geht nur oberflächlich ums Aussehen und um eine gewisse Anziehung, die ich aber nicht spüren konnte.

Die Geschichte hätte spannende Grundzüge, es gibt Zeitreisen und andere interessante Elemente. Jegliche Spannung wird aber durch die mangelhafte Umsetzung im Keim erstickt. Als die Zeitreise endlich stattfindet, ist sie so unspektakulär, dass man sich fragt, warum man die ganze Zeit darauf gewartet hat. Die wirklich interessanten Szenen, die die Geschichte vorantreiben sollen, wirken recht schnell abgehandelt, viele Erklärungen, die man zum Verständnis bräuchte, fehlen leider. Dafür gibt es seitenlanges Geschnulze, große Liebe hier, “wir können nicht zusammensein” dort und das immer wieder, hin und her und hin und her.

Am Ende wird es dann im großen Showdown nochmal richtig hektisch, Spannung kam bei mir dann nicht mehr auf. Das Zeitreise-Konstrukt, das die Autorin sich aufbaut, ist leider auch nicht in allen Punkten logisch, meiner Meinung nach widerspricht sie sich auch manchmal selbst und verstrickt sich in paradoxen Aussagen. Vielleicht hat sie sich auch selbst zu sehr auf die schönen Männer in ihrer Geschichte konzentriert, und konnte deshalb keine klaren Gedanken mehr fassen.

Das Buch lässt sich zwar wirklich flott lesen und bietet an manchen Stellen auch etwas Unterhaltung, insgesamt war es mir aber zu oberflächlich. Zu viel Liebesgeschnulze, zu wenig und zu wenig durchdachte sonstige Handlung, das reicht gerade mal für :sheep2:

Gibt es denn noch richtig gute Jugendbücher, die eine durchdachte Handlung haben und sich nicht vordergründig auf eine oberflächliche Liebesgeschichte konzentrieren? Könnt ihr da was empfehlen?

Pham Thi Hoai – Sonntagsmenü

Verlag: Unionsverlag
Erschienen: 1995
Originaltitel: Man Nuong
Übersetzung: Dietmar Erdmann
Seiten: 208

Es fällt mir sehr schwer, über dieses Buch etwas zu schreiben, deshalb schiebe ich das auch schon seit über einem Monat vor mir her. Bevor ich jetzt aber komplett alles vergesse, muss ich mich doch einmal aufraffen.

Gekauft habe ich das Buch für meine literarische Weltreise. Vietnam war noch ein weißer Fleck auf der Landkarte und so habe ich mich sehr gefreut, als mir “Sonntagsmenü” auf einem Flohmarkt in die Hände fiel. Beim Lesen war diese Freude dann spätestens nach der ersten Kurzgeschichte weg.

Kurzgeschichten sind immer schwierig zu bewerten, da die Qualität oft stark schwankt. War man von der einen Geschichte noch begeistert, kann die nächste schon unterirdisch schlecht sein. Bei “Sonntagsmenü” war ich am Anfang noch gewillt, mich auf die fremde Kultur einzulassen, kleinere Mängel zu übersehen und es einfach als Experiment aufzufassen. Je weiter ich kam, desto weniger konnte ich mit diesem Buch allerdings anfangen.

Die einzelnen Geschichten waren für mich schwer greifbar. Ich war mir nie sicher, ob man Dinge nun wörtlich nehmen soll, ob manches, das für mich seltsam klang, in Vietnam wirklich normal ist, oder ob die Autorin damit etwas ganz anderes sagen will. Ich habe mich gefühlt, als würde ich durch eine Milchglasscheibe auf das echte Vietnam blicken, könnte die Wahrheit hinter dem Fenster nur verschwommen erkennen. Das war sehr frustrierend.

Gegen Ende ging es dann wieder aufwärts (das Ende war nah, die Motivation das Buch zu beenden wurde größer), die längste Geschichte über einen Meister und seinen Schüler, die durch die Gegend reisen, war ganz lesenswert und hat den Gesamteindruck nochmal etwas nach oben korrigiert.

Insgesamt reicht es nur für :sheep2: , weil ich einfach keinen Zugang zu den meisten Kurzgeschichten in diesem Buch gefunden habe.

Sia Figiel – Alofa

Verlag: Unionsverlag
Erschienen: 1998
Seiten: 233
Originaltitel: Where we once belonged
Übersetzung: Alexandra Bröhm

Im Rahmen meiner literarischen Weltreise habe ich mich diesmal nach Samoa begeben und dort das junge Mädchen Alofa kennengelernt. Sie ist gefangen in einer Welt voller Zwänge und Verbote und steckt zusätzlich mitten in der Pubertät. Allerdings handelt es sich nicht um einen Roman, in dem man Alofas Geschichte verfolgen könnte, sondern um einige Episoden, die nur lose durch ihren Bezug zu Alofa zusammenhängen. Ein Gesamtbild über sie, ihre Familie, ihr Dorf und Samoa ergibt sich erst ganz am Ende, wenn man sich die Mühe macht, die einzelnen Bruchstücke an Informationen für sich selbst zusammenzusetzen.

Der Autorin war es anscheinend sehr wichtig, viele samoanische Begriffe im Buch zu verwenden. Diese kann man zwar in einer Wörterliste nachschlagen, aber gerade am Anfang kam ich aus dem Blättern nicht mehr heraus und habe trotzdem einige Wörter und Sätze nicht verstanden. Dadurch und durch die vielen Namen der Dorfbewohner und ihre teilweise komplizierten Beziehungen untereinander fällt der Einstieg in dieses Buch nicht leicht. Man muss sich erst einmal sprachlich zurechtfinden, bevor man damit anfangen kann, die Geschichte zu verstehen.

Und genau da setzt mein nächster Kritikpunkt an: Es gibt keine durchgängige Geschichte, keinen roten Faden. Die einzelnen Kapitel sind sehr unterschiedlich bezüglich Umfang, Stil und Thema. Oft geht es um die Probleme Alofas und ihrer ebenfalls pubertären Freundinnen, die für den erwachsenen Leser wenig interessant sein dürften. Teilweise werden dann auch noch samoanische Mythen vermischt mit realen Handlungen. Da ich diese Mythen nicht im Detail kenne, fand ich diese Passagen sehr verwirrend und konnte der Geschichte irgendwann nicht mehr folgen. Einzelne Kapitel waren zwar durchaus interessant und ansprechend, aber da mir der Zusammenhang zum restlichen Buch fehlte, konnten sie meine eher negative Meinung auch nicht mehr ändern.

Auch stilistisch ist dieses Buch eine bunte Mischung. Verschiedene Textarten reihen sich aneinander, ohne dass ein Grund für diesen Wechsel ersichtlich wäre. Ich hätte mir bei diesem Buch allgemein eine etwas klarere Linie erhofft, da sich so für mich einfach kein homogenes Bild ergibt und ich nach der Lektüre kaum mehr über Samoa weiß als vorher.

:sheep2:

Das SuB-Losverfahren und die Festkörperphysik

Auf Karis Blog El Tragalibros fand die 6. Runde des SuB-Losverfahrens statt, an dem ich teilgenommen habe. Jeder Teilnehmer verrät seinen SuB-Stand und die von Kari ausgeloste Glücksfee sucht eine Nummer aus, ohne den SuB selbst zu kennen.

Gelost hat für mich Myriel, die mir mit der Nummer 63 leider keinen großen Gefallen getan hat. Die Wahl fiel nämlich auf eines meiner Physikbücher: Rudolf Huebener – Kristalle: Spielfeld der Elektronen

Gekauft hatte ich das Buch irgendwann 2006 oder 2007, als Festkörperphysik auch gerade auf dem Lehrplan stand. Damals habe ich es nicht gelesen, weil die Vorlesung schon so langweilig war und ich mich nicht auch noch in meiner Freizeit mit dem Thema beschäftigen wollte.

Jetzt habe ich mich aber erfolgreich durchgequält und will von heute an möglichst nichts mehr mit Festkörperphysik zu tun haben. Eine vernünftige Rezension zu dem Buch kann ich leider nicht liefern, dies dürfte allerdings auch kaum jemanden interessieren, da das Buch doch recht speziell ist.

Rudolf Huebener sagt zwar im Vorwort, dass sich das Buch an den naturwissenschaftlich und technisch interessierten Laien wendet, ohne Fachkenntnisse vorauszusetzen. Diese Einschätzung des Autors kann ich allerdings nicht bestätigen. Das Buch ist auf einem sehr hohen Niveau geschrieben und liest sich eher wie eines der Lehrbücher, mit denen ich während des Studiums gearbeitet habe. Erwartet hätte ich eher eine populärwissenschaftliche Abhandlung, über die Themen, die ich mangels Interesse im Studium nicht so richtig verstanden habe. Leider konnte das Buch mir da nicht weiterhelfen.

Die einzelnen Themen sind zwar gut ausgewählt und ich kann – trotz vieler Zeitsprünge und Querverweise – den Aufbau nachvollziehen, aber das Tempo, das hier vorgelegt wird, ist für einen Laien wirklich nicht geeignet. Deshalb stellt sich für mich wiederum die Frage nach der Zielgruppe. Ich – als Physikerin – kann es auch nicht sein, da der Autor zugunsten der Allgemeinverständlichkeit auf mathematische Formulierungen verzichtet. Man findet hier also nichts Halbes und nichts Ganzes und könnte sicherlich bessere Bücher über diese Thematik lesen, wenn man denn Interesse hätte…

Von mir gibt es daher nur .

Das SuB-Losverfahren allgemein hat aber trotzdem viel Spaß gemacht und ich bin in der nächsten Runde auf jeden Fall wieder dabei!

F. Scott Fitzgerald – Tender is the Night

Verlag: Wordsworth
Erschienen: 1934
Deutscher Titel: Zärtlich ist die Nacht
Seiten: 320

Dick und Nicole Diver sind auf den ersten Blick wohl ein ganz normales Paar. Doch wer genauer hinsieht, kann erkennen, dass Nicole psychische Probleme hat und sich Dicks Umgang mit Alkohol langsam zur Abhängigkeit entwickelt. Auch als Leser erfährt man diese Dinge erst nach und nach, da der erste Teil des Buches aus der Sicht der jungen Schauspielerin Rosemary erzählt wird, die das Paar bei ihrem Urlaub kennenlernt und etwas Zeit mit ihnen verbringt. Im zweiten Teil des Buches erfährt man dann viel aus der Vergangenheit, lernt Dick und Nicole besser einzuschätzen und kann Ereignisse auch aus ihren Augen miterleben.

Das hört sich nicht so wahnsinnig spannend an? War es auch nicht. Angeblich ist einiges am Buch autobiografisch, Fitzgeralds Frau Zelda hatte auch psychische Probleme und er sah sich wohl in der Rolle des Dick Diver. Da ich aber über die Biografie Fitzgeralds nicht so viel weiß, konnte ich eigentlich keine Parallelen ziehen. Ich hatte das Gefühl, ein wahllos ausgesuchtes Ehepaar detailgenau bei ihrem alltäglichen Leben zu begleiten. Jeder Mensch hat wohl seine Probleme, aber bei den wenigsten lohnt es sich, ein ganzes Buch darüber zu schreiben. Zumal auch viele uninteressante Details und Episoden, die später keine Rolle mehr spielen, großen Raum im Buch eingenommenm haben.  Die Divers haben viele Freunde, die man auch alle mit Namen kennenlernt und die dann nach 100 Seiten wie aus dem Nichts wieder auftauchen. So viele verschiedene uninteressante Personen konnte ich mir trotz gutem Gedächtnis einfach nicht merken.

Außerdem muss ich sagen, dass diese ganze 20er Jahre Stimmung, die mir am großen Gatsby so gut gefallen hat, diesmal einfach nicht rübergekommen ist. Bis auf einige wenige Details könnte die Geschichte auch in einer anderen Zeit spielen, was ich sehr schade fand. Denn bei “Der große Gatsby” hat mir auch nicht unbedingt die Geschichte gefallen, die das Buch erzählt, sondern die Stimmung, die Fitzgerald darin erschaffen hat.

Eine Kleinigkeit, die ich etwas unlogisch fand: Nicole und Dick haben zwei Kinder! Das erfährt man erst recht spät und die Kinder werden am Anfang auch so gut wie nie erwähnt. Das Paar verschwindet oft mal spontan auf Reisen, dass die Kinder dabei wären, hört man eigentlich nie. Entweder hat der Autor zwischendurch vergessen, dass seine Protagonisten Eltern sind, oder diese armen Geschöpfe wachsen bei einem Kindermädchen auf.

Insgesamt fand ich die Geschichte eher uninteressant und bin froh, dass ich das Buch jetzt hinter mich gebracht habe. :sheep2:

Da ich dieses Buch im englischsprachigen Original gelesen habe, kann ich den Januar für die I’m in… English Challenge abhaken und im Februar wieder voll durchstarten.

Bettina Belitz – Splitterherz

Ellie ist 17 und wird aus ihrem gewohnten Umfeld gerissen, weil ihre Eltern aus beruflichen Gründen aufs Land ziehen. Die Umstellung ist für sie alles andere als leicht. Der Kontakt zu ihren alten Freunden bricht ab, sie leidet unter Schlafstörungen und lernt auch noch den geheimnisvollen Colin kennen, der sie immer wieder zurückweist und wegschickt.

Ellie war mir gleich von beginn an sehr unsympathisch und das wurde auch im Laufe des Buches nicht besser. Sie verstellt sich, um Freunde zu finden, lehnt alles “normale” ab und zwingt sich dazu, so “cool” wie die anderen zu sein. Andererseits ist sie aber ein ganz normaler Teenie, der eine Ader für melodramatische Gedanken und Handlungen hat. Prinzipiell macht für mich eine unsympathische Hauptfigur noch nicht automatisch das ganze Buch schlecht. In diesem Fall muss man das ganze Geschehen allerdings aus Ellies Sicht lesen, was auf Dauer sehr anstrengend ist.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Länge des Buches. Auf den ersten 200 Seiten passiert einfach nichts. Ellie findet sich schwer in ihrer neuen Umgebung zurecht, schläft ständig ein, träumt seltsame Dinge, schläft wieder ein, fällt zur Abwechslung in Ohnmacht … Ihre Treffen mit Colin sind ebenso geheimnisvoll wie unbefriedigend. Man erfährt rein gar nichts über ihn, weiß nichts über sein seltsames Verhalten und kann die Beziehung zwischen den beiden nicht richtig einordnen. Erst nach einem Drittel des Buches kommt etwas Spannung auf, die aber recht schnell wieder abflacht und in einem unspektakulären Ende “gipfelt”.

Ich mag es nicht, wenn jedes Jugendbuch automatisch mit anderen erfolgreichen Jugendbüchern verglichen wird und trotzdem muss ich sagen, dass ich hier oft automatisch Parallelen zu Twilight gezogen habe. Auch wenn es hier keinen Vampir gibt, so ist es doch wieder eine Liebesgeschichte zwischen einem Mensch und einem andersartigen Wesen, das Prinzip, das dahinter steckt ist also doch wieder das gleiche. Da ein Autor nicht jedes Mal das Rad neu erfinden kann, stören mich diese Parallelen nicht, ich habe nur oft gelesen, dass “Splitterherz” ganz anders ist, als alle anderen Jugendbücher, die aktuell auf dem Markt sind. Und dem kann ich einfach nicht zustimmen.

Ich mochte den Schreibstil und die Erzählweise der Autorin eigentlich ganz gerne, genervt hat mich nur Ellie und teilweise die Geschichte an sich. Trotzdem hat das Buch mich manchmal gefesselt, teilweise war es auch richtig spannend, allerdings ist das nicht genug für ein Buch mit über 600 Seiten. Was mich aber am meisten nervt, ist dass es sich schon wieder um eine Trilogie handelt und ich deshalb nochmal zwei dieser dicken Wälzer kaufen und lesen muss, um endlich das Ende zu erfahren. So schlecht fand ich das Buch nämlich nicht, dass mir das Ende egal wäre. Und das Ende von Splitterherz selbst ist sehr unbefriedigend.

Von mir gibt es mit gutem Willen :sheep2:

Heinrich Mann – Professor Unrat

Der alternde Professor Raat, der von allen nur Unrat genannt wird, ist ständig nur in Sorge darüber, dass seine Schüler diesen Spitznamen hinter seinem Rücken gebrauchen. Diesen Schülern will er es heimzahlen und zwar nicht nur auf schulischer Ebene, am liebsten würde er ihnen ihre komplette berufliche Zukunft verbauen. Eines Tages entdeckt er im Heft eines Schülers ein Gedicht über eine gewisse Rosa Fröhlich. Er macht sich auf die Suche nach dieser Dame und findet heraus, dass sie eine Künstlerin in einem etwas zwielichtigen Lokal ist. Um seinen Schülern nicht die Gelegenheit zu geben, mit ihr Zeit zu verbringen, freundet er sich selbst mit ihr an und hält sich jeden Abend bei ihr auf. Wie diese Bekanntschaft sein Leben verändert, lässt sich in “Professor Unrat” nachlesen.

Leider hat mir das Buch so gar nicht gefallen. Ich kann eigentlich noch nicht mal genau sagen, an was es lag. Ich fand die Geschichte langweilig und Professor Unrat unsympathisch. Sein Schicksal hat mich nicht interessiert und seine Gedanken darüber, wie er das Leben seiner Schüler am besten zerstören kann, haben mich aggressiv gemacht. So musste ich mich öfter zum Weiterlesen zwingen. Erst im letzten Drittel wurde das Buch für mich halbwegs interessant und lies sich besser lesen.

Weiter möchte ich meine Abneigung gegen diesen Klassiker nun auch gar nicht ausführen, da dies nur eine sehr persönliche Abneigung ist, die ich wohl meinen Deutschlehrern verdanke, die mir deutsche Literatur oft genug zu einer Qual gemacht haben. Deshalb gibt es an dieser Stelle nur 2 Sterne

Troy Blacklaws – Malindi

Douglas verliert bei einem Unfall seinen Zwillingsbruder. An dieser Tragödie zerbricht die Familie, die Mutter verlässt mit Douglas Kapstadt und zieht ins südafrikanische Hinterland. Dort ist vieles anders, in der Schule wird Douglas von seinen Mitschülern gehänselt, die Lehrer sind nicht gerade auf Kuschelkurs und auch der Unterschied zwischen Weißen und Schwarzen wird Douglas zum ersten Mal richtig bewusst.

Als erstes muss ich kritisieren, dass gerade für ein Jugendbuch zu viele fremde Begriffe benutzt werden, die man einfach nicht kennen kann, wenn man noch nicht in Südafrika war. Ich wollte nicht ständig alles im Internet nachschauen und bleibe somit unwissend, ein Glossar wäre sehr hilfreich gewesen.

Außerdem fand ich die Geschichte zu überladen. Es ist ein interessanter Ansatz, den Verlust des Zwillingsbruders zu thematisieren, dann kommen aber zu viele andere Probleme in die Geschichte, die davon ablenken und es zu einer Nebensächlichkeit degradieren. Das Buch ist allgemein recht überladen mit wichtigen Themen, die der Autor wohl unbedingt unterbringen wollte, wodurch alles sehr oberflächlich bleibt und man sich in keines der Probleme richtig einfühlen kann.

Die Schwierigkeiten an der Schule kommen recht selten zur Sprache, ich hatte eigentlich erwartet, dass Douglas es nicht so leicht fallen würde, sich einzuleben und sich in seiner neuen Welt zurecht zu finden. Im Vordergrund steht allerdings ständig seine erste Liebe, neben der alle anderen Probleme verblassen. Es ist vielleicht ganz natürlich, dass man alles andere vergisst, wenn man zum ersten Mal verliebt ist, allerdings hätte ich bei diesem Buch doch einen etwas anderen Schwerpunkt erwartet.

Auch die Apartheit fügt sich da nicht ganz in die Geschichte ein, man hat das Gefühl, der Autor habe extra noch ein paar Szenen eingefügt, in denen Schwarze schlecht behandelt werden, um dieses schwierige Thema auch noch in seiner Geschichte unterzubringen. Es wirkt sehr konstruiert und passt für mich einfach nicht zum Rest.

Positiv muss ich noch anmerken, dass Douglas ein sympathischer Hauptcharakter ist und man gerne liest, was ihm so alles zustößt. Allerdings bleiben die Geschehnisse nur episodenhaft, selten besteht noch ein Zusammenhang zur weiteren Geschichte.

Für mich leider nur 2,5 Sterne