Verlag: Kunstmann
Erschienen: August 2011
Originaltitel: Konur
Übersetzung: Kristoff Magnusson
Seiten: 254
Im Oktober war ich im Literaturhaus München bei einer Lesung von Gyrðir Elíasson und Steinar Bragi. Während “Am Sandfluss” von ersterem mein Interesse nicht wecken konnte, fand ich die Thematik von “Frauen” sofort spannend. Nun habe ich das Buch gelesen und bin froh, dass ich meine Bedenken bezüglich des schwierigen Themas überwunden habe.
Eva ist Künstlerin und hat lange Zeit in den USA gelebt. Nach dem plötzlichen Kindstod ihrer kleinen Tochter, der auch der Grund für die immer schwieriger werdende Beziehung zu ihrem Freund ist, kehrt sie in ihre Heimat Island zurück und bekommt ein verlockendes Angebot: Sie kann in einer großen Wohnung mitten im Zentrum mietfrei wohnen, soll nur die Blumen gießen und die Katze füttern, während die eigentliche Mieterin auf Reisen ist. Der erste Verdacht kommt auf, als sie in der Wohnung weder Blumen noch Katze vorfindet. Dann erfährt Eva auch noch, dass die Vormieterin in der Wohnung Selbstmord begangen hat. Bei ihren Ausflügen in die Stadt fühlt sie sich stets verfolgt und auch andere Dinge kommen ihr immer komischer vor.
Denkt man auch als Leser zu Beginn nichts Schlimmes, unterstellt Eva ein Alkoholproblem und Paranoia, merkt man doch recht schnell, dass an der Situation etwas nicht stimmt. Spätestens im zweiten Teil des Buches begreift man das volle Ausmaß der Geschichte, in die Eva da hineingeraten ist. Mein Entsetzen wurde jedenfalls mit jeder gelesenen Seite größer und ich konnte das Buch nicht mehr aus der Hand legen, obwohl ich mich andererseits auch abgestoßen fühlte und manche Details lieber nicht erfahren hätte. Mehr möchte ich darüber auch gar nicht sagen, da ich nicht zu viel über den Inhalt verraten will.
Eva ist eine wahnsinnig interessante Hauptfigur. Bis zum Ende bin ich nicht schlau aus ihr geworden und auch wenn sie in diesem Buch mit einer extremen Situation konfrontiert wird, war sie doch auch vorher schon ein extremer Mensch. Alkoholexzesse wechseln sich ab mit Reue und guten Vorsätzen. Auch zwischenmenschliche Beziehungen kann sie nicht konstant führen, sie schwankt zwischen absoluter Vertrauensseligkeit und starker Abneigung. Als Erzählerin macht sie sich schnell unglaubwürdig, Erinnerungslücken durch übermäßigen Konsum von Alkohol oder Drogen sind keine Seltenheit und manche ihrer Erlebnisse muten wie Wahnvorstellungen an. So verschwimmt auch für den Leser immer mehr die Grenze zwischen Realität und grausamem Albtraum. Trotz ihrer schlimmen Situation fügt Eva sich schnell und nimmt vieles als gegeben hin. Hin und wieder lehnt sie sich auf, ihre gescheiterten Versuche, der Situation zu entkommen, lassen sie allerdings sofort aufgeben. Ihre absolute Lethargie kann man aus folgendem Zitat herauslesen:
Langsam kehrte so etwas wie Routine ein. Anfangs schien es, als ob sich alles in ihrem Leben verändert hätte, doch nun fiel ihr auf, dass in Wahrheit gar nicht so viel anders geworden war, außer vielleicht die Art und Weise, wie sich das Leben ihr “präsentierte”. Die Ratlosigkeit, die Resignation und dieses Gefühl des Eingeengtseins begleiteten sie schon lange Zeit, nun hatte all das eine konkrete Gestalt angenommen – ihre inneren Mauern waren nun außen und sie konnte das Problem beim Namen nennen [S. 165]
Ich lese sehr selten Bücher dieser Art, da ich Szenen, in denen es um körperliche und psychische Gewalt geht schlecht vertrage. Das Wort “Thriller” allein schon schreckt mich ab. “Frauen” ist aber viel mehr als das, die Handlung kreist hauptsächlich um die Hauptfigur und ihre Selbstfindungsphase, ihre Probleme mit ihrem Leben fertigzuwerden und später auch ihre Art und Weise, mit ihrer veränderten Situation fertigzuwerden und gibt dabei tiefe Einblicke in die menschliche Psyche. Für mich war es sehr spannend zu lesen, ich habe von Seite zu Seite zwischen absoluter Faszination und Abstoßung geschwankt und das Buch innerhalb kürzester Zeit durchgelesen.


Das klingt ziemlich interessant! Vielleicht guck ich mir das mal näher an.
Und viel Spaß mit den anderen Büchern – sie sind alle so wundervoll. 
Und zu deinem Kommentar: Ouh! *-* Jane Eyre will auch unbedingt auch bald lesen. Ich liebe Geschichten dieser Art.
Liebste Grüße!
Vielen Dank für deinen Besuch
Interessant ist das Buch wirklich, mich würde deine Meinung interessieren, falls du es liest!
Das Buch werde ich mir besorgen, die Rezi liest sich zu verlockend.