Hier kommt endlich mein verspäteter Bericht zur Buchmesse.
Letzten Samstag bin ich um 4 Uhr morgens aufgestanden und war insgesamt 11 Stunden im Bus unterwegs, nur um knapp 6 Stunden auf der Leipziger Buchmesse verbringen zu können. Eigentlich ganz schön verrückt und ganz schön anstrengend. Aber mein kleiner Tagesausflug hat sich gelohnt.
Als ich um 11 Uhr endlich ankam, war es schon ganz schön voll in den Messehallen, also habe ich beschlossen, mich erst einmal ein bisschen treiben zu lassen und mich einfach mal umzusehen. Richtig voll war es dann zum Glück auch nur an den Ständen der großen Verlage. Das kann ich ehrlich gesagt gar nicht verstehen, denn deren Bücher kann man sich in jeder beliebigen Buchhandlung mit mehr Ruhe und weniger Gedränge anschauen. Ich habe also versucht, mich etwas abseits der Massen zu bewegen und bei Interesse ein paar Flyer oder Infoheftchen mitzunehmen. Die Tasche mit angesammeltem Infomaterial steht übrigens noch da, wo ich sie nach dem Buchmesse-Samstag zuhause abgestellt habe. Aber irgendwann schau ich das auch alles noch durch. Bestimmt!
Ein paar Lesungen hatte ich mir im Vorfeld schon vorgemerkt, da ich die Gelegenheit nutzen wollte, ein paar Autoren mal live sehen zu können. Den Anfang machte Zeruya Shalev, von der ich zwar noch nichts gelesen habe, deren neues Buch “Für den Rest des Lebens” mich aber sehr interessiert. Besonders schön fand ich ja, dass sie einen Absatz auf hebräisch vorgelesen hat. Ansonsten wurden ihr von Shelly Kupferberg spannende Fragen zur Entstehung und zu Hintergründen ihres aktuellen Werkes gestellt, die sie sehr sympathisch beantwortete.

Von John Boyne bin ich zwar absolut kein Fan, sein “Junge mit dem gestreiften Pyjama” hat mich eher aggressiv gemacht als begeistert. Trotzdem habe ich mir sein Gespräch mit Nina May über seinen neuen Roman “Das späte Geständnis des Tristan Sadler” angehört. Leider geht es darin schon wieder um einen Krieg – absolut nicht mein Thema, egal wie interessant sich alles andere anhört und wie gern ich ihm auch eine zweite Chance geben möchte.

Ein interessanter Programmpunkt war dann noch das Gespräch zur Bedeutung der Online-Rezension für den Literaturbetrieb. Jana Trautmann von der Leser-Welt befragte Bernd Perplies und Christina Knorr zu diesem Thema.

Viel Neues gab es für mich hier nicht, ich hatte schon vorher vermutet, dass die beiden Gesprächspartner Online-Rezensionen einen hohen Stellenwert beimessen würden. Im Bereich Fantasy und Young Adult mag das auch stimmen. Verlage und Autoren dürften sich bewusst sein, dass die jugendliche Zielgruppe sich ihre Informationen zum Großteil aus dem Internet holt. Anspruchsvollere Literatur (wie sagt man das, ohne herablassend zu klingen?) wird aber nach wie vor eher in Zeitungen besprochen, Blogs und Online-Portale spielen da eher eine untergeordnete Rolle, glaube ich.
Abschließend wollte ich noch einen Blick auf Denis Scheck werfen, weshalb ich noch kurz vor der Abfahrt quer durch alle Hallen rannte. Es blieb dann leider auch bei einem kurzen Blick über sehr viele Köpfe hinweg.

Dann ging es leider auch schon wieder nach Hause.
Abschließend kann ich sagen, dass mir die Buchmesse viel Spaß gemacht hat. Meine 6 Stunden dort waren im Endeffekt auch genug, denn irgendwann konnte ich keine Informationen mehr aufnehmen und auch keinen Schritt mehr laufen.
Ein Rätsel aber bleibt: Wie passen Cosplayer und die Buchmesse zusammen? Ich will niemandem auf die Füße treten, aber ich habe nicht das Gefühl, dass sich von diesen verkleideten Gestalten viele für Bücher interessieren. Und der relativ kleine Bereich mit Comics und Mangas kann doch auch nicht der Grund dafür sein. Sehen und gesehen werden ist ja schön und gut, aber eignen sich andere Veranstaltungen da nicht besser?



Es gibt zwar Conventions speziell für Manga/Anime-Fans und Cosplayer, aber das besondere an der Leipziger Buchmesse sind die beiden Cosplay-Wettbewerbe gewesen, die während der LBM stattgefunden haben. Ein Europäischer Vorentscheid und ein Deutscher Wettbewerb. Früher war der Manga-Bereich auch deutlich größer, da waren dann auch japanische Mangaka da und damit haben sehr viele Cosplayer nach Leipzig gefunden. Trotz abflauendem Manga-Hypes ist die LBM für viele Cosplayer immer noch beliebt zu sehen und gesehen zu werden.
Ich war seit längerem nicht mehr auf der LBM, aber laut einigen Aussagen hat die Anzahl der Cosplayer in den letzten Jahren aber abgenommen, vielleicht weil die Manga-Ecke inzwischen so klein ist und das Sonderverkaufsrecht für Mangas gestrichen wurde (früher durften Mangas an allen Tagen direkt bei den Verlagsständen verkauft werden).
Danke für den ausführlichen Kommentar, das erklärt natürlich einiges
Ich kenne durchaus eine ganze Menge Cosplayer, die auch etwas für “normale” Bücher übrig haben. Und ich persönlich würde sie auf der Messe auch sehr vermissen, wären sie nicht da. Für mich gehört das zum ganz besonderen Flair der LBM. Leider wird sich das bald erledigt haben, wenn sich der Trend fortsetzt, dass man dem Comicbereich immer mehr Knüppel zwischen die Beine wirft (aus welchen Gründen auch immer).