Constanze Kleis – Gebrauchsanweisung für Frankfurt am Main

Gebrauchsanweisung für Frankfurt am MainVor meinem Umzug nach Frankfurt habe ich oft gehört, das einzig Gute an Frankfurt wäre, dass man durch die zentrale Lage in Deutschland schnell überall anders ist. Nach über einem Jahr habe ich auch schon einige andere gute Seiten an Frankfurt kennengelernt und wollte durch Constanze Kleis’ “Gebrauchsanweisung” noch ein bisschen mehr über meine neue Heimat und ihre Einwohner lernen.

Das Buch führt auch all die Dinge auf, die man erwarten würde, ohne Frankfurt zu kennen: Hochhäuser, Banken, Grüne Soße, Apfelwein, Mietpreise. Das alles ist Constanze Kleis ein Kapitel wert, sie beschreibt die Geschichte, Hintergründe und was man als echter Frankfurter alles wissen muss. Natürlich hat der berühmteste Sohn der Stadt, Johann Wolfgang von Goethe, sein eigenes Kapitel und auch das kulturelle Leben in Frankfurt kommt nicht zu kurz.

Ein bisschen überrascht war ich allerdings über einige gehässige Seitenhiebe der Autorin. Auf mich wirkte es wie Neid auf eine bessere Figur oder ein höheres Einkommen, wenn da jungen Frauen vorgeworfen wird, sie würden gerade die erste Mahlzeit der Woche zu sich nehmen, oder über Manager gelästert wird, die sich dies oder jenes leisten können. Falls das Humor sein sollte, ist er bei mir nicht angekommen.

Schade ist natürlich auch, dass das Buch 2009 erschienen ist und viele der Tipps schon wieder veraltet sein dürften. Vielleicht sollte man bei so einem Buch, das kein Reiseführer im eigentlichen Sinne ist, eher darauf achten, den Text zeitloser zu gestalten.

Ich habe definitiv schon bessere Bücher in Pipers “Gebrauchsanweisung für…”-Reihe gelesen und würde die Frankfurt-Version nur bedingt empfehlen. Einen Bonuspunkt gibt es von mir allerdings dafür, dass ich in einem Gespräch mit Kollegen glänzen konnte, da ich durch die Lektüre wusste, wann die Frankfurter Eintracht zuletzt Deutscher Meister wurde.* :sheep3:

Constanze Kleis – Gebrauchsanweisung für Frankfurt – Piper – 208 Seiten – Erschienen 10/2009
ISBN: 978-3492275798

*) 1959

Reading Challenge 2015: 2/52

Hallo ihr Lieben,

letzte Woche habe ich euch mein Lesevorhaben für das Jahr 2015 vorgestellt und heute kann ich von den ersten Erfolgen berichten. Zum Ende der Kalenderwoche 2 habe ich – wie geplant – schon 2 Bücher gelesen und sie auch in entsprechenden Kategorien untergebracht.

A book written by someone under 30: Stefan Bachmann – The Peculiar

The PeculiarMein 30. Geburtstag steht bevor und in den verbleibenden Wochen bis dahin werde ich vermutlich kein Buch mehr schreiben. Auch wenn ich in Jugendjahren selbst Geschichten geschrieben habe, ist der Berufswunsch “Schriftstellerin” schon lange nicht mehr aktuell. Der 1993 geborene Stefan Bachmann hat allerdings mit nur 18 Jahren seinen Fantasy-Roman “The Peculiar” (deutsch “Die Seltsamen”) veröffentlicht. Inzwischen existiert sogar ein zweiter Teil (“The Whatnot” / “Die Wedernoch”).

Liest man “The Peculiar”, würde man nicht auf die Idee kommen, die Geschichte wäre von einem Jugendlichen geschrieben. Der Roman ist zwar nicht übermäßig anspruchsvoll zu lesen, aber doch ist mir die Sprache positiv aufgefallen. Stefan Bachmann erzählt von Bartholomew und seiner Schwester Hettie, die in einem steampunkigen England leben. Beide sind halb Fee, halb Mensch und müssen sich deshalb vor den Menschen in einem Feen-Slum verstecken. Als der Nachbarsjunge – und kurz darauf auch Hettie – verschwindet, macht Bartholomew sich auf die Suche. Zusammen mit einem Politiker, der gerne zur falschen Zeit am falschen Ort ist, deckt er einen gefährlichen Plan auf.

“The Peculiar” hat mich zwar gut unterhalten, bietet aber nicht viel Neues im Fantasy-Genre. Da der erste Teil in einem Cliffhanger endet, werde ich die Fortsetzung sicherlich irgendwann lesen, ganz oben auf meine Wunschliste hat sie es aber nicht geschafft. Einen ausführlicheren Beitrag zu diesem Buch, der meine Meinung ganz gut widerspiegelt, kann man auf litteratur.ch nachlesen (dort wird allerdings mehr vom Inhalt verraten).

A nonfiction book: Christian Eisert – Kim & Struppi – Ferien in Nordkorea

Kim und StruppiNordkorea interessiert mich spätestens seit der Lektüre von “Ihr seid hier nicht im Paradies” und so war ich gleich überzeugt, als in meinem Lesekreis dieses Buch vorgeschlagen wurde. Dass Christian Eisert eigentlich als Comedy-Autor bekannt ist, wusste ich zu dem Zeitpunkt zum Glück nicht. Humorvolle Bücher lese ich eher ungern, da sie meistens meinen Humor nicht treffen.

Christian Eisert hat sich mit einer Begleiterin nach Nordkorea gewagt, ein Land, das einem sicherlich nicht als erstes in den Sinn kommt, wenn man den nächsten Urlaub plant. Dort darf man nur in Begleitung von einheimischen Aufpassern reisen und hat auch keinen Einfluss auf die Programmpunkte der Reise. Christian Eisert nimmt diese Einschränkungen mit Humor, beschreibt die Reise und alle nordkoreanischen Sehenswürdigkeiten sehr interessant und liefert viele Hintergrundinformationen zur Geschichte des Landes. Bei den Reisebeschreibungen gab es allerdings im Laufe des Buches ein paar Längen.

Lesegruppe mit Frühstück und BücherwichtelnAuch im Lesekreis kam das Buch ganz gut an. Wir hatten heute wieder ein sehr nettes Treffen mit einem nachweihnachtlichen Bücherwichteln und Frühstück im Bodhi (Leckeres veganes Frühstück, für Münchner Verhältnisse günstig). Wenn ihr euch dem Lesekreis anschließen möchtet, könnt ihr das gerne entweder in der Facebook-Gruppe tun, oder euch bei mir per Mail (siehe Impressum) melden.

Den Fortschritt meiner Lesechallenge könnt ihr ab jetzt auf der zugehörigen Challenge-Seite verfolgen.

Ich wünsche euch einen guten Start in Kalenderwoche 3!

Euer Literaturschaf :sheep:

Franziska Schmid und Stephanie Katharina Mehringe – 7 Tage grün

Verlag: Trias
Erschienen: Januar 2014
Seiten: 96
ISBN: 978-3830469650

In 7 Tagen mit Grünen Smoothies und Rohkost entgiften, sich motivierter fühlen, Alltagsleiden hinter sich lassen – das verspricht das Buch “7 Tage grün” von Bloggerin Franziska Schmid und Detox-Expertin Stephanie Katharina Mehringe. In der ersten Hälfte findet man viele Informationen rund um die Rohkosternährung und das Engiftungsprogramm, die zweite Hälfte liefert Rezepte für Grüne Smoothies, Salate und Suppen.

Das Buch ist informativ und nachvollziehbar geschrieben, ich kann gut glauben, dass viele Alltagsleiden ein Problem von falscher Ernährung sind und man mit dieser 7-Tage-Kur einen Anstoß für eine bessere, gesündere Lebensweise finden kann. An mancher Stelle wurde es mir allerdings zu esoterisch, wenn es um Biophotonen geht und Wasser ein Bewusstsein zugesprochen wird. Solche Aussagen widerstreben mir als Naturwissenschaftlerin sehr und ich würde mir wünschen, dass solche Bücher auch ohne umstrittene Pseudowissenschaft auskommen.

Die Rezepte für die Grünen Smoothies haben mir dafür sehr gut gefallen und ich habe mir einige Anregungen für Eigenkreationen geholt. Eine deutlich geringere Anzahl gibt es von Salat- und Suppenrezepten und bis auf wenige Ausnahmen haben mich diese nicht angesprochen. Leider sind aktuell nicht alle Obst- und Gemüsesorten verfügbar, weshalb manche Rezepte nicht zur Debatte standen. Man muss die Autorinnen aber loben, sie haben versucht, jede Jahreszeit und die verfügbaren Lebensmittel in ihren Rezepten zu berücksichtigen.

Mein eigenes 7-Tage-Programm habe ich am dritten Tag abgebrochen, als ich mich schwach und krank fühlte. Ich werde für mich persönlich allerdings die Grünen Smoothies beibehalten und sie so gut es geht in meine Ernährung integrieren. Dank “7 Tage grün” habe ich viele spannende Rezepte, die ich noch ausprobieren kann.

Gerade durch die pseudowissenschaftlichen Bemerkungen und meine eigenen negativen Erfahrungen bei der Entgiftungskur stehe ich dem Buch zwiegespalten gegenüber. Für die schöne Gestaltung und die vielen interessanten Smoothie-Rezepte gibt es allerdings :sheep3:.

Meike Winnemuth – Das große Los

Verlag: Knaus
Erschienen: März 2013
Seiten: 336

Nach dem Gewinn einer halben Million bei “Wer wird Millionär” erfüllte sich Meike Winnemuth den Traum einer Weltreise. 12 Städte in 12 Monaten sollten es sein. Aus jedem Land hat sie einen Brief geschrieben an einen Verwandten, einen Freund, eine Reisebekanntschaft. Diese Briefe sind hier zusammengefasst mit einigen Tipps für Weltreisende und vielen schönen Fotos.

Meike Winnemuth hat ohnehin einen Hang zu Experimenten, so hat sie zum Beispiel ein Jahr lang jeden Tag das selbe Kleid getragen. Auch dieses Reisejahr sieht sie als großes Experiment, in dem sie viel Neues ausprobiert und allen Wünschen und Neigungen nachgeht. Einmal Ukulele spielen oder Tauchen lernen? Alles scheint möglich in diesem Jahr der grenzenlosen Freiheit.

Einen reinen Reisebericht darf man allerdings nicht erwarten. Meike Winnemuth hat während ihrer Reise einen Blog geführt (www.vormirdiewelt.de), in dem es viele Fotos und alle Reiseberichte zum Nachlesen gibt. Die Briefe – und somit das Buch – sind viel persönlicher. Man erfährt viel über ihr Innenleben, ihre Gefühle und die Veränderungen, die sie dank der Reise durchlebt.

Sehr sympathisch lässt die Autorin uns Leser an allem teilhaben. Dabei bleibt sie immer fröhlich und positiv, auch wenn die Situation gerade eher zum Verzweifeln ist. Es hat mir so viel Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen, dass ich mir nur ein Kapitel pro Tag erlaubt habe, um länger etwas davon zu haben. Ich habe mich bestätigt gefühlt in meinen Eindrücken von Mumbai, dafür aber Lust auf andere Orte bekommen (Tel Aviv, Äthiopien, mal wieder Kopenhagen) und darauf, vielleicht auch mal ein Experiment zu wagen. Es muss ja nicht gleich ein ganzes Jahr sein.

Viele ihrer Erkenntnisse haben auch meinen Alltag bereichert, gerade wenn es darum geht, mit weniger Ballast und einer kleineren Wohnung zurechtzukommen oder offener gegenüber fremden Menschen und Neuem im allgemeinen zu sein. Ein bisschen Reisefieber und Fernweh schleicht sich beim Lesen natürlich auch ein, aber das ist auch mein einziger – nicht sehr ernst zu nehmender – Kritikpunkt. Ansonsten eine absolute Leseempfehlung! :sheep5:

Zum Glück steht schon die nächste Reise fest: 2014 sollen es 12 deutsche Städte werden, die Meike Winnemuth besuchen will. Ich freue mich schon auf hoffentlich viele Blogeinträge und ein weiteres Buch!

Heinrich Harrer – Sieben Jahre in Tibet

Verlag: Ullstein
Erschienen: 1952
Seiten: 464

Vor vielen Jahren habe ich die Verfilmung mit Brad Pitt in der Hauptrolle gesehen und als mir das Buch dann in die Hände fiel, wollte ich die Geschichte Heinrich Harrers von seiner Reise nach Tibet auch gerne selbst lesen. Als während einer Himalaya-Expedition, an der der österreichische Bergsteiger teilnimmt, der zweite Weltkrieg ausbricht, wird die Gruppe in ein Internierungslager in Indien gebracht. Nach einigen gescheiterten Ausbruchversuchen gelingt tatsächlich die Flucht und Harrer schlägt sich mit seinem Kollegen Peter Aufschnaiter nach Tibet durch.

Heinrich Harrer sagt zu Beginn des Buches selbst, dass es sich nicht um einen Roman handelt, der seine Erfahrungen in schöne Worte verpackt, sondern um einen Bericht. Und genau das muss man auch erwarten. Die Sprache ist nüchtern und geradlinig, nichts wird umschrieben oder ausgeschmückt, Harrer erzählt genau das, was passiert ist, ohne zu viele Worte zu verlieren.

Das ist zugleich Vor- und Nachteil des Buches. Einerseits erhält man Informationen aus erster Hand, Heinrich Harrer war wirklich selbst in Tibet und hat alles erlebt, was er in seinem Buch berichtet. Andererseits ist es teilweise ermüdend zu lesen, wenn ein Fluchtversuch dem nächsten folgt und dann endlos durch Tibet gewandert wird. Erst als Harrer und Aufschnaiter Lhasa erreichen, wurde es für mich wirklich interessant. Über die Kultur Tibets zu lesen, aus einer Zeit, in der es kaum Einflüsse von außen gab, fand ich sehr spannend. Doch auch hier gibt es Punkte, die lange ausgeführt werden und Details, die mich persönlich mehr interessiert hätten, die aber nur kurz angesprochen werden.

Zur reinen Unterhaltung ist dieses Buch also sicher nicht geeignet, man muss sich schon für Tibet interessieren, dann kann man über die langweiligeren Passagen hinwegsehen. Da ich mich teilweise schwer zum Weiterlesen motivieren konnte, gibt es nur :sheep3: