Warum ich keine Lust mehr habe

Dem ein oder anderen ist vielleicht aufgefallen, dass hier seit Februar Funkstille war. Am Anfang lag das nur daran, dass ich mein selbstauferlegtes Ziel – ein Buch pro Woche zu lesen – nicht einhalten konnte und deshalb am Ende der Woche nichts zu erzählen hatte. Nach und nach kam eine allgemeine Blog-Müdigkeit dazu. Ich hatte einerseits keine Lust mehr, Artikel zu schreiben und habe andererseits auch meinen Feed-Reader kräftig aussortiert, weil auch das Lesen von anderen Blogs eher zum Zwang als zum Genuss geworden ist.

Ich habe das Gefühl, dass kaum noch jemand Lust hat, lange Texte zu lesen. Viele Blogs konzentrieren sich auf schöne Fotos, die eigentlichen Inhalte werden immer mehr zur Nebensache. Dagegen ein Instagram-Foto ist schnell gepostet, noch ein kurzer Text dazu und die richtigen Hashtags, dann bekommt man ein paar Likes, hoffentlich auch den ein oder anderen Kommentar und ist glücklich. In einem Blogbeitrag steckt viel mehr Arbeit, aber man bekommt viel weniger zurück. Das ist einer der Gründe, warum ich in letzter Zeit lieber mal was bei Instagram poste, als mich an einen Blogbeitrag zu setzen.

Ein anderer Punkt, der mich stört, ist die Kommerzialisierung vieler Blogs. Ich finde es schön, dass der Wert von Bloggern auch Verlagen (bzw. auch Unternehmen in anderen Bereichen) bewusst geworden ist und viel mit Bloggern zusammengearbeitet wird. Wenn aber auf jedem Blog das gleiche Buch besprochen wird, die gleichen Produkte beworben werden oder noch schlimmer – man das Gefühl hat, der Blogger ist käuflich geworden, dann vergeht mir die Lust, überhaupt noch Blogs zu lesen. Und irgendwie möchte ich auch selbst kein Teil von dieser Subkultur sein.

Ein anderes Thema ist für mich die Selbstdarstellung, die auf vielen Blogs und auf Instagram immer weiter verbreitet ist. Alle sind immer happy, das Leben ist immer bunt, das Essen immer gesund und um einen herum sind immer Freunde. Und natürlich hat man jeden Tag ein neues Outfit, neue Deko in der Wohnung, frische Blumen und alles ist ständig ordentlich. Wenn ich so ein Leben hätte, hätte ich keine Zeit mehr zu bloggen. An den meisten Tagen kann ich diesen Erfolgsdruck, der aus meinem Handy und meinem Tablet über alle Kanäle auf mich einströmt, ganz gut ignorieren. Dann gibt es aber auch Phasen, in denen das anscheinend so perfekte Leben aller anderen mich unter Druck setzt und das möchte ich nicht. Ich wünsche mir mehr Ehrlichkeit und mehr unperfekte Momente von allen, denn schließlich sind auch Blogger nur Menschen.

Ich möchte nicht mit dem Bloggen abrechnen oder sagen, dass alle Blogs schlecht sind. Es gibt sehr viele sehr gute Blogs da draußen und ich bewundere die Menschen dahinter, die das über viele Jahre mit gleichbleibender Qualität durchziehen, ohne irgendwann in eine Sinnkrise zu geraten. Ich will auch gar nicht sagen, dass früher alles besser war, nur dass ich früher mehr Spaß am Bloggen hatte. Zeiten ändern sich, das Internet verändert sich. Vielleicht passiert jetzt mit den Blogs das, was vor ein paar Jahren mit Foren passiert ist. Irgendwann verliert die Mehrheit den Spaß daran und es rücken andere, neue Medien in den Vordergrund.

Mein Blog bleibt fürs Erste auch weiterhin bestehen, ich führe die Leseliste und halte meinen SuB auf dem Laufenden. Wann und in welcher Form es wieder Beiträge geben wird, weiß ich noch nicht. Wer wissen will, was ich gerade lese oder sonst mache, kann das eigentlich bei Instagram ganz gut verfolgen.

Schöne Grüße

Euer Literaturschaf :sheep:

Ein Stück Heimat in der Literatur

Lest ihr eigentlich gerne Bücher, die an Schauplätzen spielen, die ihr kennt? Ich finde es toll, wenn Orte oder Sehenswürdigkeiten in einem Buch genannt werden, die ich selbst schon besucht habe. So fand ich die Kategorie “A book that takes place in your hometown” meiner Reading Challenge ganz toll, war aber lange Zeit nicht sicher, wie ich sie interpretieren soll.

“Hometown” bezeichnet laut Wikipedia den Ort, an dem man aufgewachsen ist. In meinem Fall ist das eine Kleinstadt im Bayerischen Wald. Bestimmt gibt es auch das ein oder andere Buch, in dem diese Stadt als Schauplatz auftaucht, es wäre aber nicht ganz leicht gewesen, so ein Buch ausfindig zu machen. Deshalb habe ich es mir ein bisschen leichter gemacht und ein Buch gelesen, das in München spielt. Auch wenn ich gar nicht mehr richtig in München wohne, war diese Stadt in den letzten Jahren meine Heimat, in der auch jetzt noch mein Partner und ein Großteil meines Freundeskreises wohnt.

Die Auswahl des passenden Buches hat dann netterweise mein Lesekreis für mich übernommen, da “Die Erfindung des Abschieds” vom Münchner Autor Friedrich Ani vorgeschlagen wurde. Ein Krimi fällt zwar nicht in mein normales Beuteschema, das Buch hat mich aber trotzdem überraschenderweise ganz gut unterhalten. Ein verschwundener Junge und ein außergewöhnlicher Polizist stehen dabei im Mittelpunkt der Geschichte.

Friedrich Ani - Die Erfindung des Abschieds, LesekreisFriedrich Ani legt den Fokus nicht auf eine spannende Krimihandlung sonder auf das Innenleben der Ermittler und der Personen, die mit dem Fall zu tun haben, stellt einige Polizisten im Detail vor und legt viel Wert auf deren Beziehungen untereinander. Es handelt sich um den Auftakt einer Krimireihe und ich denke, dass durch die detaillierten Charakterbeschreibungen eine gute Basis für die weiteren Bände gelegt wurde. Ich persönlich werde die Reihe aber eher nicht weiterverfolgen. Auch wenn ich nicht oft Krimis lese, fand ich die Erzählweise ungewöhnlich und ich kann mir gut vorstellen, dass der typische Krimileser mit “Die Erfindung des Abschieds” nicht auf seine Kosten kommt.

Ob die häufige Erwähnung von Straßennamen und Stadtvierteln einem Nicht-Münchner schnell auf die Nerven geht, oder ob man darüberwegliest, kann ich nicht einschätzen. Ich persönlich fand es toll, dass Orte erwähnt wurden, die ich in der Realität kenne, auch wenn es manchmal nur Straßennamen waren, die ich grob einordnen kann.

Der Lesekreis hat sich heute in recht großer Runde getroffen und das Buch besprochen. Die Diskussion (und auch die sonstigen Gespräche) war wieder sehr unterhaltsam, auch wenn das Buch nicht bei allen gut ankam. Ich freue mich schon auf die nächste Diskussionsrunde, die sich um “Jugendstil” von György Dalos drehen wird. Wer auch dabei sein möchte, kann gerne in unserer Facebook-Gruppe vorbeischauen, oder sich bei mir per Mail melden (E-Mail-Adresse im Impressum).

Nun muss ich ganz schnell ins Bett und schon mal vorschlafen, damit ich heute Nacht die Oscarverleihung live verfolgen kann.

Bis nächste Woche

Euer Literaturschaf :sheep:

Preisträger sind auch nur Menschen

Findet ihr es nicht auch komisch, wie auf einmal jeder gewisse Autoren kennt, von denen vorher niemand gehört hatte? Da gibt es plötzlich ganze Wände voll Bücher von Patrick Modiano in jedem Buchladen und jeder liest etwas von ihm. Und das nur, weil er den Literaturnobelpreis bekommen hat! Im Fall von Modiano finde ich das übrigens toll, ich bin froh, dass ich den Autor durch das grandiose “Im Café der verlorenen Jugend” kennengelernt habe und freue mich auf das nächste Buch von ihm, das schon bereitsteht.

Durch die großen Literaturpreise werde ich oft auf Autoren aufmerksam, von denen ich sonst nie etwas gelesen hätte. Tomas Tranströmer und Alice Munro zum Beispiel habe ich nur gelesen, weil sie den Literaturnobelpreis bekommen haben. Le Clézio und Mo Yan stehen aus diesem Grund im Regal. Über den Pulitzerpreis habe ich mir allerdings nie Gedanken gemacht, bis in meiner Reading Challenge die Kategorie “A Pulitzer price winning book” auftauchte. Die Liste der Preisträger las sich nicht so interessant, bis mein Blick auf Elizabeth Strout fiel, von der ich schon “Das Leben natürlich” gelesen habe. Ihr Roman in Kurzgeschichten “Olive Kitteridge” (deutsch “Mit Blick aufs Meer”) hat mich dann diese Woche begleitet.

KitteridgeWir befinden uns in einer kleinen Küstenstadt in New England, Olive Kitteridge und ihr Mann Henry haben ihre besten Jahre hinter sich. Kurze Geschichten aus der Perspektive verschiedener Dorfbewohner beleuchten das Leben der Kitteridges und zeichnen ein sehr lebendiges Bild von Olive und ihrer Familie, aber am Rande auch vom ganzen Dorf. Ich hatte zwar kleine Startschwierigkeiten, weil ich andere Vorstellungen hatte und man Olive nicht gerade als Sympathieträgerin bezeichnen kann, dann hat mich das Buch aber doch noch gut unterhalten und die Einzelschicksale haben mich berührt.

Sonst ist nicht viel passiert diese Woche,  Internet habe ich immer noch nicht,  zur Abwechslung tippe ich den Beitrag auf dem Tablet und nutze das WLAN im Fernbus. Den vieldiskutierten Valentinstag haben wir nicht wirklich gefeiert, sondern den Abend bei einem Gruseldinner mit leckerem Essen und guter Unterhaltung verbracht.

Aber zurück zu den Literaturpreisträgern: Ich bin froh, dass durch verschiedene Literaturpreise das Medieninteresse an gewissen Autoren wächst, die man sonst vielleicht nie für sich entdeckt hätte. Andererseits habe ich das Gefühl, dass die Preisverleihungen immer politischer werden, man darauf achtet, genug Frauen zu würdigen und bestimmte Regionen zu berücksichtigen.

Wie geht es euch, interessiert ihr euch für Literaturpreise oder Autoren und Bücher, die einen solchen Preis bekommen haben? Habt ihr dadurch schon tolle Bücher für euch entdeckt?

Bis nächste Woche (in der mich ganz andere Preisträger interessieren werden, nämlich die Oscarpreisträger)

Euer Literaturschaf :sheep:

Man kann ja nicht immer nur lesen

Ich gebe es ja zu: ich habe in der vergangenen Woche kein Buch beendet und auch allgemein nur sehr wenig gelesen. Das bringt mich zwar in Rückstand bei meiner Challenge, ansonsten kann ich damit aber gut leben. Lesen ist ein wichtiges Hobby für mich, aber trotzdem nicht Alles im Leben. Was ich stattdessen in der vergangenen Woche gemacht habe:

– Auf einen Techniker von der Telekom gewartet, der auch tatsächlich kam. Internet habe ich in der neuen Wohnung aber trotzdem noch nicht.
– Eine liebe Freundin nach langer Zeit wiedergetroffen, gemeinsam mehrere Buchläden besucht und trotz guter Vorsätze neue Bücher gekauft.
– Dem Lieblingsfußballverein mal wieder live im Stadion beim Verlieren zugeschaut und dabei Glühwein getrunken.
– Die Pizzeria in der Nähe meiner neuen Wohnung ausprobiert und für gut befunden.
– Beck’s getrunken und mich gefragt, warum es in dieser Stadt einfach kein gutes Bier gibt.
– Bei Ikea gefrühstückt und einen halben Tag dort mit schwierigen Entscheidungen verbracht (welche Lampen kann man am einfachsten montieren, wie groß soll der Tisch sein und welche Farbe soll der Badvorleger haben?).
– Ein Tablet gekauft und festgestellt, dass man ohne Internet damit nicht so viel anfangen kann.
– Einen kompletten Blogbeitrag auf dem Handy getippt.

Und was war bei euch diese Woche so los, habt ihr wenigstens gelesen?

Bis bald und einen schönen Sonntag noch,
Euer Literaturschaf :sheep:

Eine Frau, endlich eine Frau!

Die ersten vier Bücher meines Lesejahres 2015 wurden von Männern geschrieben. Vor einiger Zeit habe ich mich schon über das Verhältnis Mann/Frau bei meinen gelesenen Autoren geäußert, weshalb ich euch an dieser Stelle eine Statistik erspare. Es sei nur gesagt: Ich lese sehr viel mehr Bücher, die von Männern geschrieben wurde, als Bücher von Frauen. Ich achte aber nicht bewusst darauf, oder versuche eine “Frauenquote” zu erfüllen.

Eigentlich komme ich auf das Thema heute nur zu sprechen, weil eine Kategorie meiner Reading Challenge heißt: “Lies ein Buch von einer Autorin”. Eigentlich sollte es im Zuge der Gleichberechtigung einfach egal sein, ob der Autor männlich oder weiblich ist, genauso wie es in anderen Lebensbereichen egal sein sollte. Aber die Kategorie steht in der Liste und ich will sie auch erfüllen.

Suna - Pia ZiefleIch habe diese Woche also gezielt nach dem Buch einer Autorin in meinem Regal gesucht und bin bei “Suna” von Pia Ziefle gelandet. Darin erzählt eine Frau ihrer Tochter von der eigenen Vergangenheit, der Familie, unerfüllter Liebe… Es gab keine Sekunde Zweifel, dass dieses Buch von einer Frau für Frauen geschrieben wurde. Eigentlich wäre es mal sehr interessant, ein Buch zu lesen, ohne zu wissen, ob der Autor Mann oder Frau ist um dann zu sehen, ob man das Geschlecht erraten kann. Wie man das umsetzen könnte, weiß ich allerdings nicht, sonst würde ich es sehr gerne mal ausprobieren.

99 Autorinnen der Weltliteratur“Suna” hat mich zwar gut unterhalten, war emotional und mitreißend geschrieben, aber richtig überzeugt hat Pia Ziefle mich mit ihrem ersten Roman nicht. Zu oft habe ich solche tragischen Familiengeschichten schon gelesen, in denen niemand ein normales, glückliches Leben zu haben scheint. Um aber trotzdem nicht immer nur Bücher von Männern zu lesen, habe ich “Leidenschaften – 99 Autorinnen der Weltliteratur” zuhause und will mir daraus dringend mal ein paar Buchtipps holen. Beim kurzen Durchblättern ist mir aufgefallen, dass ich zwar viele Autorinnen aus dem Buch kenne, aber erst von 17 etwas gelesen habe. Da gibt es noch viel für mich zu entdecken!

Habt ihr Vorlieben? Lest ihr lieber Bücher von Frauen oder von Männern oder ist es euch egal?

Bis nächste Woche!

Euer Literaturschaf :sheep: