Ernest Hemingway – A Moveable Feast

Verlag: Arrow
Erschienen: ursprüngliche Fassung 1964, überarbeitete Fassung 2009
Deutscher Titel: Paris, ein Fest fürs Leben
Seiten: 240

Nach der Enttäuschung von “The Paris Wife” habe ich wieder richtig Lust darauf bekommen, etwas von Hemingway zu lesen. Und da ich zu “A Moveable Feast” bei meiner ersten Lektüre keine Rezension geschrieben habe und es außerdem letzten Sonntag im Lesekreis besprochen wurde, habe ich die Gelegenheit genutzt und das Buch ein zweites Mal gelesen.

Hemingways Zeit in Paris kannte ich vorher nur aus dem genialen Film “Midnight in Paris” und aus seinem ersten Roman “Fiesta”. In “A Moveable Feast” sind einige kürzere Episoden aus dieser Phase zu lesen, wie auch Geschichten über Schriftstellerkollegen und das Schreiben an sich. Es war Hemingways letztes Werk, an dem er bis zu seinem Tod arbeitete. Immer wieder änderte er Szenen, Reihenfolgen, Überschriften. Das führte auch dazu, dass nach seinem Tod eine Version dieser Geschichtensammlung veröffentlicht wurde, die seine vierte Frau als Herausgeberin, an vielen Stellen abgeändert hatte. Die überarbeitete Fassung von 2009 ist näher an Hemingways ursprünglichen Wünschen, die man aus Manuskripten und Aufzeichnungen rekonstruiert hat.

Obwohl ich selbst noch nie in Paris war, hatte ich dank Hemingways Erzählungen das Gefühl, vor Ort zu sein, die Straßen, Plätze und Cafés selbst zu besuchen. Es ist mir zwar ein Rätsel, wie Hemingway das mit seiner klaren Sprache, in der es nicht viele Schnörkel gibt, schafft. Für mich erzeugt er  mit seinen Worten eine unglaublich dichte Atmosphäre und lässt das Paris der 20er Jahre vor meinen Augen auferstehen.

Auch nach dem zweiten Lesen kann ich sagen, dass Hemingways “A Moveable Feast” zu meinen absoluten Lieblingsbüchern gehört. Dieses Mal habe ich mir auch ein paar Stellen markiert, die mir besonders gefallen haben. Mein liebstes Zitat muss ich jetzt natürlich auch noch mit euch teilen:

When spring came, even the false spring, there were no problems except where to be happiest. The only thing that could spoil a day was people and if you could keep from making engagements, each day had no limits. People were always the limiters of happiness except for the very few that were as good as spring itself.

Die Bewertung mit :sheep5: ist nach meiner Schwärmerei sicher keine Überraschung mehr. “A Moveable Feast” ist eines der wenigen Bücher, das ich immer und immer wieder lesen könnte.

Neil Gaiman – The Ocean at the End of the Lane

Verlag: Harper Audio
Erschienen: Juni 2013
Sprecher: Neil Gaiman
Dauer: 5 Stunden, 48 Minuten
ISBN: 978-0062263032

Neil Gaiman mochte ich eigentlich schon immer, nur von seinem Graveyard Book war ich ein bisschen enttäuscht. Auf sein neues Werk bin ich eher zufällig gestoßen, als ich nach einem englischen Hörbuch gesucht habe, das mich interessieren könnte. Auch wenn ich Hörbüchern noch immer etwas skeptisch gegenüberstehe, hat Neil Gaiman es dieses Mal wieder geschafft, mich mit seiner Geschichte zu verzaubern.

Die Handlung beginnt mit einem Mann mittleren Alters, der wegen einer Beerdigung in seine Heimatstadt zurückkehrt. Dort erinnert er sich wieder an eine Freundin aus Kinderzeiten, Lettie Hempstock, die den Ententeich hinter ihrem Haus als Ozean bezeichnete. Seine weiteren Erinnerungen nehmen den Leser mit auf eine fantastische Reise in seine Kindheit.

Denkt man zu Beginn noch, dass man sich in unserer Welt befindet und die Geschichte einer ganz normalen Kindheit hört, wird man bald eines Besseren belehrt. Harmlose hellseherische Fähigkeiten der Familie Hempstock sind nur der Anfang, gegen Ende wird es immer fantasylastiger und auch furchteinflößend.

Sehr schön fand ich, dass die Geschichte aus der Perspektive eines Kindes erzählt wird. Die Ängste und Schrecken sind ganz andere als die eines Erwachsenen und doch werden sie so eindringlich beschrieben, dass man mit dem 7-jährigen Jungen fühlt und sich wieder erinnern kann, wie es war, als man noch Angst vor der Dunkelheit hatte.

Vielleicht hat mir das Buch auch deshalb so gut gefallen, weil ich als Hörbuch gehört habe. Neil Gaiman liest sehr angenehm und ich war gezwungen, mir knapp 6 Stunden Zeit für seine Geschichte zu nehmen. Hätte ich das Buch gelesen (192 Seiten in der Hardcover-Ausgabe), hätte ich es vermutlich an einem Abend komplett durchgelesen und auch viel schneller wieder vergessen.

Ich war wirklich begeistert und habe jetzt auch wieder Lust darauf, die Bücher von Neil Gaiman zu lesen, die ich noch nicht kenne. :sheep5:

P.S. Ich habe in diversen Rezensionen verschiedene Meinungen gelesen, ob dies nun ein Buch für Jugendliche oder für Erwachsene ist. Ich fand es erwachsener als “Coraline”, aber trotzdem auch gut für Jugendliche lesbar.

Meike Winnemuth – Das große Los

Verlag: Knaus
Erschienen: März 2013
Seiten: 336

Nach dem Gewinn einer halben Million bei “Wer wird Millionär” erfüllte sich Meike Winnemuth den Traum einer Weltreise. 12 Städte in 12 Monaten sollten es sein. Aus jedem Land hat sie einen Brief geschrieben an einen Verwandten, einen Freund, eine Reisebekanntschaft. Diese Briefe sind hier zusammengefasst mit einigen Tipps für Weltreisende und vielen schönen Fotos.

Meike Winnemuth hat ohnehin einen Hang zu Experimenten, so hat sie zum Beispiel ein Jahr lang jeden Tag das selbe Kleid getragen. Auch dieses Reisejahr sieht sie als großes Experiment, in dem sie viel Neues ausprobiert und allen Wünschen und Neigungen nachgeht. Einmal Ukulele spielen oder Tauchen lernen? Alles scheint möglich in diesem Jahr der grenzenlosen Freiheit.

Einen reinen Reisebericht darf man allerdings nicht erwarten. Meike Winnemuth hat während ihrer Reise einen Blog geführt (www.vormirdiewelt.de), in dem es viele Fotos und alle Reiseberichte zum Nachlesen gibt. Die Briefe – und somit das Buch – sind viel persönlicher. Man erfährt viel über ihr Innenleben, ihre Gefühle und die Veränderungen, die sie dank der Reise durchlebt.

Sehr sympathisch lässt die Autorin uns Leser an allem teilhaben. Dabei bleibt sie immer fröhlich und positiv, auch wenn die Situation gerade eher zum Verzweifeln ist. Es hat mir so viel Spaß gemacht, dieses Buch zu lesen, dass ich mir nur ein Kapitel pro Tag erlaubt habe, um länger etwas davon zu haben. Ich habe mich bestätigt gefühlt in meinen Eindrücken von Mumbai, dafür aber Lust auf andere Orte bekommen (Tel Aviv, Äthiopien, mal wieder Kopenhagen) und darauf, vielleicht auch mal ein Experiment zu wagen. Es muss ja nicht gleich ein ganzes Jahr sein.

Viele ihrer Erkenntnisse haben auch meinen Alltag bereichert, gerade wenn es darum geht, mit weniger Ballast und einer kleineren Wohnung zurechtzukommen oder offener gegenüber fremden Menschen und Neuem im allgemeinen zu sein. Ein bisschen Reisefieber und Fernweh schleicht sich beim Lesen natürlich auch ein, aber das ist auch mein einziger – nicht sehr ernst zu nehmender – Kritikpunkt. Ansonsten eine absolute Leseempfehlung! :sheep5:

Zum Glück steht schon die nächste Reise fest: 2014 sollen es 12 deutsche Städte werden, die Meike Winnemuth besuchen will. Ich freue mich schon auf hoffentlich viele Blogeinträge und ein weiteres Buch!

Ismail Kadare – Der Nachfolger

Pünktlich zum 100. Jahrestag der Staatsgründung Albaniens habe ich eine literarische Reise dorthin gemacht und möchte euch heute ein Buch eines albanischen Autors vorstellen:

Verlag: Ammann
Originaltitel: Pasardhësi
Übersetzung: Joachim Röhm
Erschienen: 2006
Seiten: 173

In einer Dezembernacht hat der Nachfolger Selbstmord begangen. Doch schon bald kochen Gerüchte in Albaniens Hauptstadt hoch, dass es Mord gewesen sein könnte. Motive und Tatverdächtige gibt es viele. Natürlich könnte der Führer, der nicht mehr von der Linientreue seines Nachfolgers überzeugt war, seine Hand im Spiel gehabt haben. Oder aber die Tochter, deren Verlobung aus politischen Gründen aufgelöst werden musste. Vielleicht aber auch der Architekt, der das Haus des Nachfolgers vor kurzem umgestaltet hat und der von einer geheimen Tür zwischen dem Haus des Führers und dem des Nachfolgers weiß. Trotz aller Spannung darf man hier keinen Krimi erwarten, der am Ende den Mörder auf dem Silbertablett präsentiert.

Ismail Kadare stellt nach und nach die Personen aus dem Umfeld des Verstorbenen vor, beleuchtet Hintergründe, deutet Motive für einen Mord an. Je weiter man aber liest, desto unklarer wird, wer denn nun den Nachfolger getötet hat, oder ob er vielleicht doch Selbstmord begangen hat. Sehr amüsant fand ich die Episode über die ausländischen Journalisten, die vom Tod des Nachfolgers berichten müssen, aber bis auf ein paar Klischees und veraltete Informationen nichts über Albanien wissen.

Der Stil ist eher schlicht und schnörkellos. Auch gibt Kadare den Personen keine Namen, nett sie nur “Nachfolger”, “Führer” und “Tochter”, wodurch die sofortige Assoziation mit realen Geschehnissen vermieden wird. Normalerweise würden die fehlenden Namen es mir schwer machen, einen Bezug zu den Figuren herzustellen und mich das Buch eher distanziert lesen lassen. In diesem Fall war ich sofort mittendrin und absolut gefesselt von der Geschichte.

Ich bin begeistert und werde sicherlich noch mehr von Ismail Kadare lesen! :sheep5:

Maurice Sendak – Wo die wilden Kerle wohnen

Der Kinderbuchautor Maurice Sendak ist heute im Alter von 83 Jahren verstorben. Über 100 Bücher hat er in seinem Leben geschrieben und illustriert. Ich kenne leider nur eines seiner Werke, das wohl auch das bekannteste sein dürfte.  Es handelt sich um “Wo die wilden Kerle wohnen”, das ich euch heute gerne vorstellen möchte.

“An dem Abend, als Max seinen Wolfspelz trug und nur Unfug im Kopf hatte, schalt seine Mutter ihn: “Wilder Kerl!” “Ich fress dich auf”, sagte Max, und da musste er ohne Essen ins Bett. Genau in der Nacht wuchs ein Wald in seinem Zimmer…”

Der kleine Max war frech und wird ohne Abendessen ins Bett geschickt. Von seinem Zimmer aus segelt er zur Insel der wilden Kerle und wird zu deren König ernannt. Doch auch dort ist nicht alles perfekt…

Wörter werden in diesem Buch nur sparsam eingesetzt, Maurice Sendaks Zeichnungen wirken aber auch für sich und lassen für Groß und Klein eine wunderbare Welt entstehen. Wer das Buch “Wo die wilden Kerle wohnen” noch nicht kennt, dem möchte ich es unbedingt ans Herz legen. Man kann auch als Erwachsener seine Freude daran haben, wenn man sich darauf einlassen kann, sich mit einem Bilderbuch zu beschäftigen. Und für die Kleinen ist dieses Buch natürlich auch sehr empfehlenswert. Dieser Kinderbuch-Klassiker hat sich die :sheep5: definitiv verdient!

Auch der 2009 erschienene Film hat mir sehr gut gefallen und zählt zu meinen absoluten Lieblingsfilmen. Der Film erweitert die Geschichte aus dem Buch sehr stimmig und ist wirklich wunderbar, schön und traurig zugleich. Meiner Meinung aber nicht unbedingt ein Kinderfilm, weil es viel auf einer Ebene zu entdecken gibt, die Kindern noch nicht zugänglich sein dürfte.

Ein Zitat aus dem Film, das ich leider nur auf Englisch gefunden habe, möchte ich noch mit euch teilen: “I have a sadness shield that keeps out all the sadness, and it’s big enough for all of us. “

Kennt ihr das Buch und/oder den Film? Mochtet ihr es? Kennt ihr noch andere Werke von Maurice Sendak? Könnt ihr sie empfehlen?