Oliver Plaschka – Das öde Land und andere Geschichten vom Ende der Welt

Oliver Plaschka - Das öde Land und andere Geschichten vom Ende der WeltSeit “Die Magier von Montparnasse” und “Der Kristallpalast” ist Oliver Plaschka einer meiner Lieblingsautoren. In seiner Kurzgeschichtensammlung “Das öde Land und andere Geschichten vom Ende der Welt” führt er uns einmal quer durch Zeit und Raum. Vom 19. Jahrhundert bis in eine postapokalyptische Zukunft, Haiti, Konstantinopel, fremde Planeten – es wird nie langweilig und mit jeder neuen Geschichte findet man sich als Leser in einer komplett anderen Situation und oft auch einem anderen Genre wieder.

Wie in Kurzgeschichten üblich, bleibt wenig Raum, Charaktere oder Situationen mit vielen Details einzuführen. Oliver Plaschka gelingt hier der Spagat, genug Informationen zu liefern, damit der Leser folgen kann, die Geschichte andererseits nicht mit zu vielen Informationen zu überfrachten. Ein gewisser Interpretationsspielraum bei der Deutung ist immer vorhanden, was ich gerade bei Kurzgeschichten sehr wichtig finde.

Besonders gefreut hat es mich, liebgewonnene Charaktere aus Oliver Plaschkas Romanen und auch von anderen Autoren (z.B. Sherlock Holmes) in diesem Buch wiederzutreffen. Dabei ist ein Hintergrundwissen aber keine Voraussetzung, um die Geschichten zu verstehen und Spaß daran zu haben.

Allgemein sind die Geschichten sehr unterschiedlich und so ist es auch ganz normal, dass einem die eine vielleicht etwas besser gefällt, als die andere. Manche Leser mögen Märchen lieber als Science Fiction, oder lesen lieber über die Zukunft als über das 19. Jahrhundert. Insgesamt hatte ich aber mit allen Geschichten sehr viel Spaß und möchte diese Kurzgeschichtensammlung sowohl Fans als auch Oliver-Plaschka-Neulingen ans Herz legen. :sheep5:

Oliver Plaschka – Das öde Land und andere Geschichten vom Ende der Welt – Verlag Torsten Low – 278 Seiten – Erschienen 10/2015 – ISBN: 978-3940036339

Literaturschaf vs. dicke Bücher

Sicher habt ihr hier schon öfter den Satz gelesen: “Eigentlich mag ich keine dicken Bücher”. Und dazu stehe ich auch. Selten habe ich ein Buch mit mehr als 400 Seiten gelesen, bei dem dieser Umfang wirklich sein musste. Vieles wirkt oft unnötig aufgebläht. Vielleicht verkaufen sich dicke Bücher besser, da der Käufer das Gefühl hat, mehr für sein Geld zu bekommen? Oft höre ich von Lesern auch, sie wollen gerne richtig in eine Geschichte eintauchen und dafür braucht es mehr Seiten. Finde ich nicht! Ein guter Autor kann die Stimmung auch in wenigen Sätzen rüberbringen. Und wenn ich am Ende das Gefühl habe, ich hätte das Leben der Figuren gerne noch weiterbegleitet, dann war es ein gutes Buch, im Gegensatz zu einem “alles ist zerredet und totdiskutiert”-Buch.

Seiten pro Buch Statistik

Verzeiht mir die Statistik, ich bin nun mal Physikerin und habe einen Hang zu solchen Dingen. In meiner aktuellen Arbeit kommt das etwas zu kurz, weshalb ich mich in meinem Privatleben mit  Excel austoben muss. Da ich seit 2007 eine Lesestatistik führe, war schnell ausgerechnet, wie viele Seiten ein gelesenes Buch bei mir durchschnittlich hat. Gefühlt ist die Seitenzahl pro Buch seit 2008 kontinuierlich gestiegen. 2008 und 2009 habe ich noch sehr viel gelesen, über 100 Bücher pro Jahr. Um diese selbstauferlegte Quote zu erreichen, habe ich hauptsächlich zu dünnen Büchern gegriffen. Nach und nach habe ich mich von diesem Zwang entfernt, hin und wieder auch dickere Bücher gelesen oder einfach akzeptiert, dass 100 Bücher im Jahr nicht sein müssen. Der Ausreißer 2013 ist mir ein Rätsel, aber sonst hat sich mein Gefühl ganz gut bestätigt. 2014 hatte mein durchschnittliches Buch 325 Seiten, was ich als sehr angenehmen Umfang empfinde. Nicht zu kurz und nicht zu lang.

A Feast for CrowsFür meine Reading Challenge “muss” ich jetzt ein Buch mit über 500 Seiten lesen. Und es wäre ja zu einfach, wenn ich mir dafür ein Buch mit 501 Seiten ausgesucht hätte. Nein, es sollte ein 898-Seiten-Wälzer sein. Die Rede ist mal wieder von Game of Thrones, bzw. der “A Song of Ice and Fire”-Reihe von George R.R. Martin. Ich bin mittlerweile bei Band 4 und nach mehreren Monaten Pause macht es auch wieder sehr viel Spaß nach Westeros zurückzukehren und einige (mehr oder weniger) liebgewonnene Charaktere wiederzusehen. George R.R. Martin verzeihe ich auch die dicken Bücher, da seine komplexe Geschichte mit den vielen verschiedenen Charakteren diesen Umfang braucht und trotz aller Ausführlichkeit nie langweilig wird.

Allerdings ist es für mich nicht möglich, 898 Seiten in einer Woche zu lesen. Meine Challenge steht also nach 3 Wochen noch immer bei 2/52. Ich sehe das jetzt mal ganz locker, denn es geht mir ja darum, im Durchschnitt ein Buch pro Woche zu lesen. Das heißt aber nicht, dass genau jeden Sonntag ein Buch beendet sein muss.

Wie haltet ihr es denn mit den Seitenzahlen? Lieber dicke Bücher, dünne Bücher oder ganz egal?

Bis nächste Woche und noch einen schönen Sonntag!

Euer Literaturschaf :sheep:

Kerstin Gier – Silber – Das erste Buch der Träume

Verlag: Fischer
Erschienen: Juni 2013
Seiten: 416
ISBN: 978-3841421050

Die 16-jährige Liv und ihre kleine Schwester Mia kennen das schon seit Jahren: ein Umzug nach dem nächsten, neue Wohnung, neue Schule, neue Freunde. Doch diesmal ist alles anders, denn ihre Mutter hat sich verliebt. So gibt es als Bonus noch einen Stiefvater und zwei Stiefgeschwister dazu. Als wäre das noch nicht genug, fängt Liv auch noch an, seltsame Träume zu haben. Sie träumt von ihrem Stiefbruder Grayson und seiner Clique, geheimnisvollen Türen und Ritualen auf einem Friedhof. Das komischste daran aber ist, dass Grayson und seine Freunde sich ebenfalls an diese Träume erinnern können. Nach und nach kommt Liv ihrem Geheimnis auf die Spur und gerät auch noch selbst mitten hinein.

Kerstin Gier ist wieder ein spannender Reihenauftakt gelungen. Schon die Edelsteintrilogie habe ich gerne gelesen und Silber – Das erste Buch der Träume erinnert ein bisschen daran. Das Buch spielt wieder in England, Liv ist Gwen ein bisschen ähnlich, ihre Familie kann man auf jeden Fall als außergewöhnlich bezeichnen und natürlich gibt es auch wieder eine Liebesgeschichte. Sonst ist dafür alles anders, statt Zeitreisen gibt es hier Träume, allerdings ist der Fantasy-Anteil in der neuen Reihe nicht so hoch wie noch in der Edelsteintrilogie.

Das ganze Umfeld von Liv erinnert leider ein bisschen zu sehr an amerikanische High-School-Komödien. Es gibt einen Herbstball, der das Highlight des Schuljahres ist, die gutaussehende Jungs-Clique, in die alle Mädchen verliebt sind und noch so einiges mehr. Auch dreht sich vieles um Jungs und Klamotten, der neuesten Tratsch der Schule wird auf einem Blog à la Gossip Girl veröffentlicht. Die Geschichte hält sich gerade noch so die Waage zwischen den mysteriösen Träumen und den Geheimnissen, denen Liv auf die Spur kommt und dem Teenie-Alltag mitsamt erster großer Liebe.

Insgesamt fand ich Silber – Das erste Buch der Träume sehr spannend und habe es gern gelesen. Über die High-School-Atmosphäre und die vielen Teenie-Probleme kann ich hinwegsehen, weil ich nicht mehr ganz zur Zielgruppe gehöre. Ich bin Kerstin Gier sehr dankbar, dass sie auf einen Cliffhanger am Ende verzichtet hat. So kann man die Wartezeit bis Juni 2014 einigermaßen aushalten, dann soll Silber – Das zweite Buch der Träume erscheinen. Ich bin schon sehr gespannt, wie es weitergeht! :sheep4:

Neil Gaiman – The Ocean at the End of the Lane

Verlag: Harper Audio
Erschienen: Juni 2013
Sprecher: Neil Gaiman
Dauer: 5 Stunden, 48 Minuten
ISBN: 978-0062263032

Neil Gaiman mochte ich eigentlich schon immer, nur von seinem Graveyard Book war ich ein bisschen enttäuscht. Auf sein neues Werk bin ich eher zufällig gestoßen, als ich nach einem englischen Hörbuch gesucht habe, das mich interessieren könnte. Auch wenn ich Hörbüchern noch immer etwas skeptisch gegenüberstehe, hat Neil Gaiman es dieses Mal wieder geschafft, mich mit seiner Geschichte zu verzaubern.

Die Handlung beginnt mit einem Mann mittleren Alters, der wegen einer Beerdigung in seine Heimatstadt zurückkehrt. Dort erinnert er sich wieder an eine Freundin aus Kinderzeiten, Lettie Hempstock, die den Ententeich hinter ihrem Haus als Ozean bezeichnete. Seine weiteren Erinnerungen nehmen den Leser mit auf eine fantastische Reise in seine Kindheit.

Denkt man zu Beginn noch, dass man sich in unserer Welt befindet und die Geschichte einer ganz normalen Kindheit hört, wird man bald eines Besseren belehrt. Harmlose hellseherische Fähigkeiten der Familie Hempstock sind nur der Anfang, gegen Ende wird es immer fantasylastiger und auch furchteinflößend.

Sehr schön fand ich, dass die Geschichte aus der Perspektive eines Kindes erzählt wird. Die Ängste und Schrecken sind ganz andere als die eines Erwachsenen und doch werden sie so eindringlich beschrieben, dass man mit dem 7-jährigen Jungen fühlt und sich wieder erinnern kann, wie es war, als man noch Angst vor der Dunkelheit hatte.

Vielleicht hat mir das Buch auch deshalb so gut gefallen, weil ich als Hörbuch gehört habe. Neil Gaiman liest sehr angenehm und ich war gezwungen, mir knapp 6 Stunden Zeit für seine Geschichte zu nehmen. Hätte ich das Buch gelesen (192 Seiten in der Hardcover-Ausgabe), hätte ich es vermutlich an einem Abend komplett durchgelesen und auch viel schneller wieder vergessen.

Ich war wirklich begeistert und habe jetzt auch wieder Lust darauf, die Bücher von Neil Gaiman zu lesen, die ich noch nicht kenne. :sheep5:

P.S. Ich habe in diversen Rezensionen verschiedene Meinungen gelesen, ob dies nun ein Buch für Jugendliche oder für Erwachsene ist. Ich fand es erwachsener als “Coraline”, aber trotzdem auch gut für Jugendliche lesbar.

Oliver Plaschka – Das Licht hinter den Wolken

Verlag: Klett-Cotta
Erschienen: März 2013
Seiten: 688

Einige Zeit ist seit dem Lesen vergangen und trotzdem will ich euch noch kurz vom neuesten Buch eines meiner Lieblingsautoren erzählen. Obwohl ich schon lange nicht mehr so viel Fantasy lese wie früher, wird spätestens seit “Die Magier von Montparnasse” alles gekauft, was Oliver Plaschka schreibt. Und so ist auch dieses Buch kurz nach dem Erscheinungstermin bei mir eingezogen.

Die junge April entflieht ihrem tyrannischen Vater und folgt dem geheimnisvollen Licht, das sie in die Fremde lockt. Auf ihrer Reise trifft sie den Fealv Janner, der auf der Suche nach seiner Herkunft ist, und den Magier Sarik, der sich nach einem langen Schlaf erst wieder in der Welt orientieren muss. Gemeinsam versuchen sie zu ergründen, warum es immer weniger Magie auf der Welt gibt.

Gewohnt komplex und vielschichtig geht es auch in Oliver Plaschkas neuem Buch zu. Wer seine anderen Romane kennt, weiß schon, auf was er sich hier einlässt. Allen anderen sei gesagt, dass dies kein Buch zum Mal-Eben-Zwischendurch-Lesen ist. Man braucht schon ein bisschen Konzentration, um den Überblick nicht zu verlieren und sich die richtigen Verknüpfungen zwischen den Handlungssträngen klarzumachen. Mir hat dabei die Teilnahme an einer Leserunde sehr geholfen, da man dort mit anderen Lesern und dem Autor alle Fragen klären konnte.

Die Geschichte ist bis zuletzt spannend und hat mich durchgehend gefesselt, da sich die Puzzleteile, die einem am Anfang scheinbar wahllos vorgesetzt werden erst nach und nach zu einem Gesamtbild fügen. Die Figuren sind komplex, haben alle ihre Hintergrundgeschichte, die ihre Handlungen nachvollziehbar machen. Außerdem sind die Hauptcharaktere so unterschiedlich, dass jeder Leser einen Liebling finden kann, mit dem er sich identifiziert und mitfiebert.

Für mich war es allerdings von Nachteil, dass ich durch die Leserunde so oft im Lesefluss unterbrochen wurde und mich statt mit Weiterlesen mit (teilweise für mich ermüdenden) Diskussionen auseinandersetzen musste. Meine verfügbare Lesezeit wurde durch die umfangreiche Leserunde doch sehr stark eingeschränkt, weshalb sich die Lektüre sehr lange hingezogen hat. Das hat mir an manchen Stellen die Lust am Buch ein bisschen verdorben. Vielleicht liegt es auch an der Leserunde, dass ich nicht die Höchstwertung, sondern “nur” :sheep4: vergebe.

Weiterempfehlen würde ich das Buch nur Lesern, die sich bewusst sind, dass sie sich auf eine komplexe Geschichte einlassen, die einiges an Konzentration und Mitdenken erfordert.