Eine Frau, endlich eine Frau!

Die ersten vier Bücher meines Lesejahres 2015 wurden von Männern geschrieben. Vor einiger Zeit habe ich mich schon über das Verhältnis Mann/Frau bei meinen gelesenen Autoren geäußert, weshalb ich euch an dieser Stelle eine Statistik erspare. Es sei nur gesagt: Ich lese sehr viel mehr Bücher, die von Männern geschrieben wurde, als Bücher von Frauen. Ich achte aber nicht bewusst darauf, oder versuche eine “Frauenquote” zu erfüllen.

Eigentlich komme ich auf das Thema heute nur zu sprechen, weil eine Kategorie meiner Reading Challenge heißt: “Lies ein Buch von einer Autorin”. Eigentlich sollte es im Zuge der Gleichberechtigung einfach egal sein, ob der Autor männlich oder weiblich ist, genauso wie es in anderen Lebensbereichen egal sein sollte. Aber die Kategorie steht in der Liste und ich will sie auch erfüllen.

Suna - Pia ZiefleIch habe diese Woche also gezielt nach dem Buch einer Autorin in meinem Regal gesucht und bin bei “Suna” von Pia Ziefle gelandet. Darin erzählt eine Frau ihrer Tochter von der eigenen Vergangenheit, der Familie, unerfüllter Liebe… Es gab keine Sekunde Zweifel, dass dieses Buch von einer Frau für Frauen geschrieben wurde. Eigentlich wäre es mal sehr interessant, ein Buch zu lesen, ohne zu wissen, ob der Autor Mann oder Frau ist um dann zu sehen, ob man das Geschlecht erraten kann. Wie man das umsetzen könnte, weiß ich allerdings nicht, sonst würde ich es sehr gerne mal ausprobieren.

99 Autorinnen der Weltliteratur“Suna” hat mich zwar gut unterhalten, war emotional und mitreißend geschrieben, aber richtig überzeugt hat Pia Ziefle mich mit ihrem ersten Roman nicht. Zu oft habe ich solche tragischen Familiengeschichten schon gelesen, in denen niemand ein normales, glückliches Leben zu haben scheint. Um aber trotzdem nicht immer nur Bücher von Männern zu lesen, habe ich “Leidenschaften – 99 Autorinnen der Weltliteratur” zuhause und will mir daraus dringend mal ein paar Buchtipps holen. Beim kurzen Durchblättern ist mir aufgefallen, dass ich zwar viele Autorinnen aus dem Buch kenne, aber erst von 17 etwas gelesen habe. Da gibt es noch viel für mich zu entdecken!

Habt ihr Vorlieben? Lest ihr lieber Bücher von Frauen oder von Männern oder ist es euch egal?

Bis nächste Woche!

Euer Literaturschaf :sheep:

Romy Hausmann – Lisa heißt jetzt Lola und lebt in der Stadt

Lisa heisst jetzt Lola und lebt in der Stadt - Romy HausmannVerlag: Heyne
Erscheinungstermin: August 2014
Seiten: 288
ISBN: 978-3453417670

Ein Mädchen aus der niederbayerischen Provinz, das in München ein neues Leben beginnt – das hört sich ein kleines bisschen nach mir an. Deshalb war ich sehr neugierig auf die Geschichte von Lisa/Lola. Sie ist komplett unzufrieden mit ihrem Leben, hasst ihren Job in der Metzgerei, fühlt sich unwohl in ihrem Zuhause, wo nach dem Tod der Mutter die strenge Großmutter das Sagen hat. Ihre einzigen Highlights sind die Ausflüge in die Stammkneipe in der Nachbarstadt mit ihrer besten Freundin.

Bei dieser Ausgangslage hatte ich erwartet, dass Lisa, die lieber Lola genannt werden möchte, ihr Leben irgendwann selbst in die Hand nimmt, sich einen Job sucht, der ihr Spaß macht und in einer anderen Umgebung einen Neuanfang wagt. Ehrlich gesagt war ich dann sehr enttäuscht von der Richtung, die der Roman genommen hat. Denn die 25-Jährige Lisa benimmt sich wie ein Kind, läuft nach einem Streit von zuhause weg und landet zufällig in München wo sie sich sofort wieder in ein neues Abhängigkeitsverhältnis begibt. Lisa/Lola braucht viel Zeit und viel Hilfe von anderen Menschen, bis sie einsieht, dass sie alles selbst in der Hand hat.

Ein bisschen schade ist es, dass die komplexe Familiensituation nur am Rande behandelt wird und die Probleme der Betroffenen eher ins Lächerliche gezogen werden. Man hätte aus der Ausgangssituation viel mehr machen können, doch dann wäre der locker-leichte Charakter des Buches natürlich verloren gegangen. Die Geschichte eignet sich sicherlich gut als Urlaubslektüre, lässt sich schnell weglesen und ist dabei durchaus unterhaltsam. Die Seitenhiebe auf Märchen und die üblichen Geschichten mit Happy End, wie auch der jugendliche Schreibstil von Romy Hausmann, haben mir gut gefallen.

Am Ende war ich froh, dass ich mit Lisa außer der niederbayerischen Wurzeln und dem aktuellen Wohnort nichts gemeinsam habe. Ttrotzdem hat mich ihre Geschichte ganz gut unterhalten, wird mir aber sicher nicht länger im Gedächtnis bleiben. :sheep3:

Alessia Gazzola – Herzversagen

Verlag: carl’s books
Erschienen: September 2013
Übersetzung: Sylvia Spatz
Seiten: 432
ISBN: 978-3570585146

Alice Allevi ist noch immer auf so sympathische Art chaotisch wie im Vorgängerroman “Mit Skalpell und Lippenstift”, den ich letzten Sommer mit Begeisterung gelesen habe. Es hat sich nicht viel verändert in ihrem Leben, sie ist noch immer Assistenzärztin am Institut für Rechtsmedizin, mit dem Sohn ihres Chefs liiert und lässt sich bei der Aufklärung der Fälle nach wie vor von ihrem Bauchgefühl leiten, statt nüchtern die Indizien zu betrachten.

Nachdem ein älterer Schriftsteller sein Testament geändert hat um eine Unbekannte zu begünstigen, wollen seine drei Söhne ihn entmündigen lassen. Kurze Zeit später ist er tot. Alice stürzt sich auf den Fall, deckt Familiengeheimnisse auf und übertritt bei ihren Ermittlungen das ein oder andere mal die Grenzen der Legalität. Zwischen der ganzen Arbeit schafft sie es auch noch, ihr Liebesleben ins Chaos zu stürzen.

Alices Privatleben und die Geschichte um den toten Schriftsteller nehmen ungefähr gleich viel Platz ein, echten Krimifans mag das zu viel Chick-Lit und zu wenig Ermittlungen, Mord und Totschlag sein, mir gefällt diese Mischung allerdings sehr gut.  Mit Alice hat man immer was zu lachen und auch wenn die charmante Medizinerin mal in eine peinliche Situation gerät ist es nie ein Grund zum Fremdschämen.

Ein bisschen gestört hat mich, dass die Kapitel sehr kurz sind und munter zwischen Alices Privatleben und dem Kriminalfall gesprungen wird. Da fällt es bei der Menge an Personen und Handlungssträngen schon mal schwer, alle konzentriert zu verfolgen, gerade wenn man eine Lesepause gemacht hat. Etwas mehr Struktur und weniger Sprünge zwischen den Kapiteln wären mir lieber.

Die Krimis rund um die junge Rechtsmedizinerin Alice sind ganz nach meinem Geschmack, da sie Kriminalfälle mit Liebesgeschichten und den Problemen einer jungen Frau vereinbaren. Der Schauplatz Rom macht für mich auch einen Teil des Charmes aus. Ich freue mich schon auf den nächsten Teil und bin gespannt, was es mit dem kleinen Cliffhanger am Ende auf sich hat. :sheep4:

Heike Wanner – Rosen, Tulpen, Nelken

Verlag: Ullstein
Erschienen: Oktober 2013
Seiten: 320
ISBN: 978-3548285726

Eine Leserunde auf der neuen Buch-Community Was liest du? bescherte mir das zweifelhafte Vergnügen, dieses Buch zu lesen. Der Klappentext hörte sich nach Familiengeheimnissen und einer spannenden Reise in die Vergangenheit an, also genau dem, was ich bei Herbstwetter und einer Tasse Tee gerne lesen würde. Tatsächlich war es dann aber eine seichte Geschichte über Familie, Freundschaft und Liebe, die vor Klischees nur so trieft.

Physikerin Sophie hat früh ihre Mutter verloren und weiß nur sehr wenig über sie. Als deren altes Poesiealbum auftaucht, versucht Sophie die Personen, die sich darin verewigt haben, zu finden, um mehr über ihre Mutter zu erfahren. Gemeinsam mit ihren zwei besten Freundinnen macht sie sich auf den Weg zu drei Frauen, die im Leben ihrer Mutter eine wichtige Rolle gespielt haben.

Die ersten zwei Drittel des Buches habe ich ganz gerne gelesen, obwohl ich mir eine etwas anspruchsvollere Handlung und Erzählweise erhofft hatte. Die Geschichte war zwar etwas vorhersehbar und die Figuren klischeehaft, es wurde aber Spannung aufgebaut und es hat Spaß gemacht, die drei unterschiedlichen Freundinnen auf ihrer chaotischen Reise und ihrer Suche nach der Vergangenheit zu begleiten.

Als Sophie dann aber alles über ihre Mutter herausgefunden hat, was sie wissen wollte und alle Fragen beantwortet sind, waren noch fast 100 Seiten des Buches übrig. Ab da geht es nur um vorhersehbare Beziehungsgeschichten, einen konstruiert wirkenden Streit zwischen den Freundinnen und viel Freundschafts- und Liebeskitsch. Personen und Handlungsstränge, die zuvor keine Rolle spielten, stehen auf einmal im Mittelpunkt des Buches.

Hätte das Buch nach der letzten Begegnung auf der Reise geendet, als alle Fragen geklärt waren, wäre ich mit meiner Bewertung gnädiger gewesen, auch wenn die Geheimnisse der Mutter spektakulärer hätten ausfallen dürfen. So kann ich mich leider nur zu :sheep2: durchringen und bin etwas enttäuscht, dass die Erwartungen, die ich durch den Klappentext hatte, nicht erfüllt wurden.

Helen Fielding – Bridget Jones: Mad About the Boy

Ich werde hier auf etwas eingehen, das nicht im Buch, sondern schon zuvor passiert und somit ab der ersten Seite klar ist. Es ist also kein Spoiler im eigentlichen Sinne, wer aber gar nicht wissen möchte, in welcher Situation Bridget sich im neuen Roman befindet, sollte nicht weiterlesen.

Verlag: Jonathan Cape
Erschienen: 10. Oktober 2013
Auf Deutsch: Bridget Jones – Verrückt nach ihm (März 2014)
Seiten: 400
ISBN: 978-0224098106

Viele Jahre sind vergangen seit dem letzten Bridget Jones Roman. Bridget ist inzwischen Anfang fünfzig, hat zwei Kinder und ist Witwe (ja, Mark Darcy ist gestorben). Zwischen der Kinderbetreuung und ihrem neuen Job als mäßig erfolgreiche Drehbuchautorin bleibt nicht viel Zeit dafür, wieder einen Partner zu finden. Auf Twitter angelt sie sich schließlich nicht nur den ein oder anderen Follower, sondern auch einen dreißigjährigen Toy Boy.

Auch der dritte Teil ist im gewohnt lockeren Tagebuchstil geschrieben, Bridget plaudert wie eh und je über Alkoholeinheiten, ihr Gewicht und die Anzahl der gegessenen Schokoriegel. Ich musste mich am Anfang erst daran gewöhnen, denn vieles, was bei einer Dreißigjährigen noch witzig ist, wirkt bei einer Fünfzigjährigen mit zwei kleinen Kindern eher seltsam. Aber Bridget ist und bleibt eben Bridget, auch in ihrer neuen Situation, mit der ich zugegebenermaßen am Anfang nicht besonders glücklich war.

Als dann ihr Toy Boy Roxster auftaucht, geht das wohlbekannte Beziehungsdrama los. Bridget manövriert sich gewohnt chaotisch durch diverse Dates und den ersten Sex seit langer Zeit und lässt dabei kein Fettnäpfchen aus. Trotzdem sind die beiden ein sehr niedliches Paar, das den Altersunterschied lange Zeit vergessen lässt. Auch wenn mir von Anfang an klar war, wie das Buch für Bridget enden würde, hat es mir viel Spaß gemacht, ihren Weg dorthin zu verfolgen.

Ob Helen Fielding sich einen Gefallen damit getan hat, Mark Darcy sterben zu lassen? Empörte Rezensionen und enttäuschte Leserinnen zeugen eher vom Gegenteil. Und doch bin ich froh, dass sie sich für eine Fortsetzung mit unerwarteter Handlung entschieden hat und nicht das Buch geschrieben hat, das alle erwartet haben – ein leicht chaotisches Familienidyll mit Mark, Bridget und ein paar Kindern.

Mich hat auch der dritte Teil der Reihe gefesselt und ich habe ihn nach kleinen Anfangsschwierigkeiten an nur zwei Tagen verschlungen. :sheep4: