Fußball-WM kulinarisch

Parallel zur Literarischen Reise durch die Teilnehmerländer der Fußball-WM ist im Hause Literaturschaf noch eine andere, ähnliche Idee entstanden. Es wird bei uns nämlich sehr gern gekocht und wir probieren gerne neue Rezepte aus. Deshalb haben wir uns vorgenommen, während der WM jeden Tag ein Gericht aus einem der Teilnehmerländer zu kochen. Damit das nicht zu einfach wird und doch nur jeden Tag etwas deutsches oder italienisches auf dem Tisch steht, gab es noch den Zusatz, dass das betreffende Land an dem Tag ein Spiel haben muss.

Was aus dieser Idee in den letzten zwei Wochen entstanden ist, möchte ich euch jetzt gerne in ein paar Fotos zeigen.



1. Kroatien: Veggie-Cevapcici mit Djuvec-Reis
2. Spanien: Tapas
3. Griechenland: Griechischer Salat


4. Frankreich: Crêpes mit selbstgemachter Erdbeermarmelade
5. Deutschland: Veggie-Würstchen und Sauerkraut
6. Mexiko: Chili con Tofu


7. Südkorea: Glasnudelpfanne mit Sesam
8. England: Englisches Frühstück
9. Italien: Linguine mit Tofu-Bolognese

10. Deutschland: Bier ;-)
11. Belgien: Pommes
12. Brasilien: Pão de Queijo (Käsebällchen)

13. Japan: (Liefer-)Sushi
14. Argentinien: Empanadas mit Bohnenfüllung
15. Deutschland: Obatzda, Brezen, Radieschen und Bier

Dieses Experiment hat viel Spaß gemacht, ist am Ende dann aber doch in Stress ausgeartet. Jeden Tag ein geeignetes Rezept zu finden, dafür einzukaufen und es zu kochen hat sehr viel Zeit gefressen. Deshalb gab es zum Beispiel auch nur Liefersushi und kein selbstgemachtes. Es war heute eine große Erleichterung, einfach kochen zu können, was der Vorratsschrank hergibt und sich keine Gedanken über Spielpaarungen machen zu müssen. Deshalb werden wir auch nicht über die Gruppenphase hinaus weitermachen, gerade weil viele der “einfachen” Länder ausgeschieden sind und sich die vielen Südamerikaner ständig wiederholen. Gerade die südamerikanischen Länder haben uns viel Kopfzerbrechen bereitet, da sich kaum typische vegetarische Gerichte finden ließen.

Was ich außerdem aus diesem Projekt gelernt habe: Ich möchte kein Food-Blogger sein. Jedes Gericht vor dem Essen noch einigermaßen anschaulich anzurichten und zu fotografieren wäre mir auf Dauer zu anstrengend. Und dabei haben wir nur mit dem Handy auf dem Wohnzimmertisch geknipst.

Und was gab es bei euch zum Fußball so zu essen?

Literarische Weltreise: Gruppe der Herzen

Nachdem ich euch jetzt in acht Beiträgen Literatur aus allen Teilnehmerländern der WM vorgestellt habe, möchte ich heute meine “Gruppe der Herzen” präsentieren. Darin sind die Länder enthalten, die zwar nicht bei der WM dabei waren, mich auf meiner literarischen Weltreise aber sehr beeindruckt haben.

Afghanistan: Ich weiß gar nicht so genau, warum mich Afghanistan so sehr interessiert. Leider gibt es nicht sehr viel Literatur aus diesem Land und ich stürze mich auf alles, was ich kriegen kann. Khaled Hosseini ist in Deutschland vermutlich der bekannteste afghanische Autor, obwohl er nur wenige Jahre in seinem Heimatland gelebt hat. Seinen neuesten Roman “Traumsammler” habe ich noch nicht gelesen, “Drachenläufer” und “Tausend strahlende Sonnen” mochte ich aber sehr gerne.
Atiq Rahimi ist leider nicht so bekannt, obwohl ich seine Bücher noch viel lieber mag. 2013 erschien “Verflucht sei Dostojewski”, in welchem der Autor die Geschichte von Dostojewskis “Verbrechen und Strafe” in das Kabul der Jetzt-Zeit versetzt hat. Sehr empfehlenswert ist auch “Stein der Geduld”, ebenso wie die gleichnamige Verfilmung, das die Geschichte einer Frau erzählt, die erst dann offen mit ihrem Mann sprechen kann, als er im Koma liegt.

Norwegen: Vor einigen Jahren habe ich die vier Romane von Ingvar Abmjörnsen gelesen, die sich um den psychisch kranken Elling drehen, der nach dem Tod seiner Mutter auf sich allein gestellt ist. Die Reihe begleitet Elling über mehrere Jahre und in verschiedenen Situationen. Sein etwas andersartiger Blick auf die Welt und allerlei skurrile Situationen, in die er gerät, machen die Bücher unterhaltsam und lesenswert. Ellings Erkrankung steht trotz vieler humorvoller Passagen immer als große Bedrohung im Hintergrund. Die einzelnen Titel lauten “Ausblick auf das Paradies”, “Ententanz”/”Nicht ohne meine Mutter”, “Blutsbrüder”, “Lieb mich morgen”.

China: Xinran erzählt in “Die namenlosen Töchter” von einer Familie mit sechs Töchtern. Die Mädchen haben keine Namen, sondern werden einfach mit Nummern gerufen. Das allein zeigt schon, welch niedrigen Stellenwert sie in der Familie und der Gesellschaft einnehmen. Drei dieser Töchter ziehen allerdings in die Stadt und finden – jede auf ihre eigene Art – ihr persönliches Glück und können dadurch den Eltern beweisen, dass nicht nur Söhne zum Lebensunterhalt beitragen können. “Die namenlosen Töchter” ist eine berührende Geschichte einer chinesischen Großfamilie und erzählt viel von chinesischen Bräuchen und dem Unterschied zwischen Stadt und Land.

Sudan: Ein weiteres Buch, das viele Jahre nach der Lektüre noch sehr präsent bei mir ist, ist “The Translator” von Leila Aboulela. Darin wird die Liebesgeschichte zwischen der sudanesischen Übersetzerin Sammar und ihrem Vorgesetzten, einem Nicht-Moslem, erzählt. Aus Angst vor Sammars Familie und Tratschereien der Kollegen passiert die Annäherung zwischen den beiden sehr langsam und vorsichtig. “The Translator” ist ein sehr subtiles Buch, bei dem man das ein oder andere Mal zwischen den Zeilen lesen muss.

Und jetzt seid ihr dran! Habt ihr Empfehlungen aus den vier von mir genannten Ländern oder aus Ländern, die noch nicht genannt wurden?

Hier nochmal eine Übersicht über meine Serie “Literarische Weltreise meets Fußball-WM”:

Gruppe A – Brasilien – Kroatien – Mexiko – Kamerun
Gruppe B – Spanien – Niederlande – Chile – Australien
Gruppe C – Kolumbien – Griechenland – Elfenbeinküste – Japan
Gruppe D – Uruguay – Costa Rica – England – Italien
Gruppe E – Schweiz – Ecuador – Frankreich – Honduras
Gruppe F – Argentinien – Bosnien-Herzegowina – Iran – Nigeria
Gruppe G – Deutschland – Portugal – Ghana – USA
Gruppe H – Belgien – Algerien – Russland – Südkorea

Und hier noch die  komplette bisherige Literarische Weltreise.

Literarische Weltreise meets Fußball-WM: Gruppe H

Kaum zu glauben, heute ist schon die letzte Gruppe an der Reihe. Es fehlen nur noch die Empfehlungen aus Gruppe H mit Belgien, Algerien, Russland und Südkorea.

Belgien: Die einzige belgische Autorin, die ich kenne, ist Amélie Nothomb. Bisher habe ich nur “Methaphysik der Röhren”  von ihr gelesen und das hat mir sehr gut gefallen. Amélie Nothomb erzählt darin aus der Sicht eines kleinen Mädchens deren erste Lebensjahre. Eine ungewöhnliche Perspektive und eine interessante Idee! Ich muss mich wohl mal nach den anderen Werken der Autorin umsehen.

Algerien: Meine literarische Reise nach Algerien habe ich mit Yasmina Khadra unternommen. Dieser weibliche Name ist allerdings das Pseudonym von Mohammed Moulessehoul. Von ihm habe ich schon “Die Schwalben von Kabul” gelesen, in dem er eine Geschichte aus Afghanistan in den 90er Jahren erzählt. “Die Schuld des Tages an die Nacht”, der zweite Roman, den ich von ihm gelesen habe, spielt in Algerien. Darin erzählt er die Geschichte eines kleinen Jungen aus ärmlichen Verhältnissen, der in höchster Not zu seinem reichen Onkel gebracht wird und dann dort aufwächst. Gleichzeitig mit dem Protagonisten verändert sich auch Algerien, man liest also nicht nur die Geschichte eines jungen Mannes, sondern gleichzeitig auch die Geschichte eines Landes. Leider hatte ich einige Kritikpunkte und war nicht komplett überzeugt von diesem Buch.

Russland: Ich hatte eine Phase, in der ich sehr gerne russische Klassiker gelesen habe. Mein Favorit aus dieser Zeit ist noch immer “Eugen Onegin” von Alexander Puschkin. Eine tragische Liebesgeschichte in Versform, was will man mehr? Auch “Verbrechen und Strafe” von Fjodor Dostojewski und “Anna Karenina” von Lew Tolstoi haben mir sehr gut gefallen. Einige andere Klassiker stehen noch ungelesen im Regal, unter anderem “Krieg und Frieden”.
Außerdem hat mir die Wächter-Reihe von Sergei Lukjanenko sehr gut gefallen. Dabei handelt es sich um eine Fantasy-Reihe, in der es ganz klassich um Gut gegen Böse geht, allerdings unter dem Aspekt, dass die normalen Menschen nichts von den magiebegabten “Anderen” erfahren sollen. Dadurch dass die Geschichten in Russland spielen, hatten sie auf mich eine ganz andere Wirkung als andere Fantasyromane. Auch die Verfilmung des ersten Teils “Wächter der Nacht” fand ich sehr gelungen.

Südkorea: Ich habe “Die Geschichte des Herrn Han” von Hwang Sok-yong gelesen. Darin wird die Geschichte eines Arztes während des Koreakrieges erzählt. Da allerdings sehr nüchtern und beinahe in Bericht-Form erzählt wird, bleibt man als Leser auf Distanz und kann die Schrecken besser verarbeiten (ich bin diesbezüglich etwas empfindlich, gerade wenn es um Folter geht). Allerdings ist die Geschichte auch nicht sehr spezifisch koreanisch und hätte auch in anderen Ländern genau so stattfinden können.

Ich bin auch heute gespannt auf eure Empfehlungen. Morgen wird es einen letzten Beitrag dieser Reihe geben, und zwar mit der “Gruppe der Herzen”. Darin möchte ich euch gerne eine Auswahl meiner Lieblingsbücher aus Ländern, die nicht bei der WM dabei sind, empfehlen.

Literarische Weltreise meets Fußball-WM: Gruppe G

Nach der kleinen Pause gestern (Feiertag – zumindest in Bayern und ein paar anderen Bundesländern) geht es heute weiter mit Gruppe G in der sich außer Deutschland noch Portugal, Ghana und die USA befinden.

Deutschland: Deutsche Klassiker hat mir der Deutschunterricht in der Schule ein für alle Mal vermiest. Dafür gibt es einige aktuelle deutsche Autoren, deren Bücher ich gerne lese. Zum einen möchte ich Oliver Plaschka nennen, der außergewöhnliche und anspruchsvolle Fantasyromane schreibt. Auch wenn ich mit seinem aktuellen Werk “Das Licht hinter den Wolken” ein paar Schwierigkeiten hatte, denke ich noch gerne an “Die Magier von Montparnasse” zurück, das nach wie vor zu meinen Lieblingsbüchern zählt.
Auch Tilman Rammstedt ist ein junger deutscher Autor, dessen Bücher ich gerne lese. “Wir bleiben in der Nähe” erzählt die Geschichte einer vergangenen Freundschaft und dem Versuch, diese wieder aufleben zu lassen. Sein Roman “Der Kaiser von China”, für den Rammstedt den Ingeborg-Bachmann-Preis 2008 bekommen hat, handelt von einem Großvater und einem Enkel, die eine nicht ganz reale Reise nach China unternehmen.

Portugal: Leider habe ich noch kein Buch aus Portugal gelesen, die literarische Reise in dieses Land ist aber schon ganz lange geplant mit “Stadt der Blinden” von José Saramago. Menschen die einfach ohne Vorwarnung erblinden, eine Gesellschaft, die versucht, mit dieser Seuche umzugehen, das hört sich nach einer sehr skurrilen Situation und nach einem interessanten Buch an. Ich bin auf jeden Fall gespannt darauf!

Ghana: Auch wenn afrikanische Literatur mich interessiert, gibt es doch einige Länder auf diesem Kontinent, mit deren Autoren ich mich noch nicht näher beschäftigt habe. Ghana gehört dazu. Bei meiner Suche bin ich auf Amma Darko gestoßen, die einige Zeit in Deutschland gelebt hat, jetzt aber wieder zurück in Ghana ist und Romane über das ghanaische Alltagsleben schreibt. Das hört sich für mich grundsätzlich interessant an und ich werde mir sicher irgendwann eines ihrer Werke kaufen.

USA: Autoren aus den USA kennt ihr sicher einige, Empfehlungen könnte ich mir an dieser Stelle also sparen. Ich möchte aber trotzdem die Gelegenheit nutzen, meine Lieblingsautoren aus diesem Land zu nennen. Schon öfter habe ich erwähnt, dass ich ein großer Fan von Ernest Hemingway bin. Ich finde es faszinierend, wie er mit wenigen klaren Worten Bilder vor meinen Augen entstehen lassen kann. Ich habe noch lange nicht alle seine Werke gelesen, fand bisher aber “Paris. Ein Fest fürs Leben” am besten. Ein Sammelband seiner Kurzgeschichten liegt auf meinem Nachttisch zum Lesen bereit.
Ähnlich wie mit Hemingwawy geht es mir auch mit Paul Auster. Auch seinen Stil mag ich sehr gerne und bin begeistert von seinen meist etwas surrealen Geschichten. Sein “Winterjournal”, in dem er sich auf sehr persönliche Art und Weise mit dem Älterwerden auseinandersetzt, liegt ebenfalls auf dem Stapel der Bücher, die ich demnächst lesen möchte.

Jetzt bin ich – wie immer – gespannt auf eure Empfehlungen aus diesen vier Ländern.

Den nächsten Beitrag dieser Reihe gibt es am Montag.

Literarische Weltreise meets Fußball-WM: Gruppe F

Gruppe F ist mal wieder eine Gruppe, die es in sich hat. Zumindest literarisch gesehen zählen Argentinien, Bosnien-Herzegowina, Iran und Nigeria zu den Exoten.

Argentinien: Südamerikanische Literatur und ich, ich habe es schon mehrmals erwähnt, sind nicht so ganz kompatibel. Viele Gedanken habe ich mir über argentinische Literatur dementsprechend noch nicht gemacht. Praktischerweise habe ich im Bücherregal meiner Eltern etwas passendes entdeckt: “Der Verfolger” von Julio Cortázar. Viel ist davon bei mir nicht hängen geblieben, immerhin habe ich es vor sieben Jahren schon gelesen. Cortázar erzählt die Geschichte eines fiktiven Jazzmusikers, der eigentlich der reale Musiker Charlie Parker sein soll. Da Jazz nicht so ganz mein Thema ist, hat das Buch bei mir keine großen Begeisterungsstürme ausgelöst, aber es ließ sich ganz gut lesen.

Bosnien-Herzegowina: Der WM-Neuling ist in meinem Bücherregal schon recht lange vertreten. Allerdings im Regal der ungelesenen Bücher. “Die Brücke über die Drina” von Literaturnobelpreisträger Ivo Andrić ist ein historischer Roman, der vier Jahrhunderte überspannt. Im Mittelpunkt der Erzählung steht eine Brücke über den Fluss Drina und alles was drumherum so passiert. (Wikipedia weiß mehr)

Iran: Mit dem Iran ist mal eines der Länder dabei, die zu meinen bevorzugten Lese-Regionen gehören. Der arabische Raum interessiert mich sehr und ich lese auch immer gerne über die Rolle der Frau in diesen Ländern. Gelesen habe ich zum einen “Lolita lesen in Teheran” von Azar Nafisi. Erwartet hatte ich einen Roman über eine Gruppe Frauen, die  zusammen verbotenerweise westliche Literatur lesen. Leider beschreibt Azar Nafisi darin hauptsächlich ihre eigene Meinung verschiedener Bücher und lässt zusätzlich etwas Zeitgeschehen einfließen. Meine Erwartungen hat dieses Buch definitiv nicht erfüllt.
“Das Haus an der Moschee” von Kader Abdolah hat mir dafür sehr gut gefallen. Es erzählt in vielen kurzen Episoden die Geschichte einer iranischen Familie. Über viele Jahre hinweg begleitet man die Protagonisten und beobachtet dabei auch politische Veränderungen und die Auswirkungen, die sie auf die Familie haben.

Nigeria: Die Nigerianerin Adaobi Tricia Nwaubani hat mit “Die meerblauen Schuhe meines Onkels Cash Daddy” einen Roman über Scammer geschrieben. Diese E-Mails, die große Summen versprechen, wenn der Empfänger bei einem Geldtransfer hilft, haben wir wohl alle schon bekommen. Der Roman erzählt von der anderen Seite, einer nigerianischen Firma, die diese Mails in großen Mengen verschickt und immer wieder gutgläubigen Menschen ihr Geld aus der Tasche zieht. Ich habe aus diesem Buch viel über die Lage in Nigeria gelernt und trotzdem einen sehr unterhaltsamen Roman gelesen. Klare Empfehlung!
Ganz weit oben auf meiner Leseliste steht außerdem ein weiteres Geschenk von meinem Freund: “Die Sterne dort unten” von Ken Saro-Wiwa, der in seinen Kurzgeschichten alltägliche Szenen aus Nigeria beschreibt.

Die obligatorische Frage an euch: Habt ihr schon Bücher aus diesen Ländern gelesen und könnt ihr diese weiterempfehlen?