Romy Hausmann – Lisa heißt jetzt Lola und lebt in der Stadt

Lisa heisst jetzt Lola und lebt in der Stadt - Romy HausmannVerlag: Heyne
Erscheinungstermin: August 2014
Seiten: 288
ISBN: 978-3453417670

Ein Mädchen aus der niederbayerischen Provinz, das in München ein neues Leben beginnt – das hört sich ein kleines bisschen nach mir an. Deshalb war ich sehr neugierig auf die Geschichte von Lisa/Lola. Sie ist komplett unzufrieden mit ihrem Leben, hasst ihren Job in der Metzgerei, fühlt sich unwohl in ihrem Zuhause, wo nach dem Tod der Mutter die strenge Großmutter das Sagen hat. Ihre einzigen Highlights sind die Ausflüge in die Stammkneipe in der Nachbarstadt mit ihrer besten Freundin.

Bei dieser Ausgangslage hatte ich erwartet, dass Lisa, die lieber Lola genannt werden möchte, ihr Leben irgendwann selbst in die Hand nimmt, sich einen Job sucht, der ihr Spaß macht und in einer anderen Umgebung einen Neuanfang wagt. Ehrlich gesagt war ich dann sehr enttäuscht von der Richtung, die der Roman genommen hat. Denn die 25-Jährige Lisa benimmt sich wie ein Kind, läuft nach einem Streit von zuhause weg und landet zufällig in München wo sie sich sofort wieder in ein neues Abhängigkeitsverhältnis begibt. Lisa/Lola braucht viel Zeit und viel Hilfe von anderen Menschen, bis sie einsieht, dass sie alles selbst in der Hand hat.

Ein bisschen schade ist es, dass die komplexe Familiensituation nur am Rande behandelt wird und die Probleme der Betroffenen eher ins Lächerliche gezogen werden. Man hätte aus der Ausgangssituation viel mehr machen können, doch dann wäre der locker-leichte Charakter des Buches natürlich verloren gegangen. Die Geschichte eignet sich sicherlich gut als Urlaubslektüre, lässt sich schnell weglesen und ist dabei durchaus unterhaltsam. Die Seitenhiebe auf Märchen und die üblichen Geschichten mit Happy End, wie auch der jugendliche Schreibstil von Romy Hausmann, haben mir gut gefallen.

Am Ende war ich froh, dass ich mit Lisa außer der niederbayerischen Wurzeln und dem aktuellen Wohnort nichts gemeinsam habe. Ttrotzdem hat mich ihre Geschichte ganz gut unterhalten, wird mir aber sicher nicht länger im Gedächtnis bleiben. :sheep3:

Irvine Welsh – Skagboys

Verlag: Heyne
Erschienen: Oktober 2013
Übersetzung: Daniel Müller
Seiten: 833
ISBN: 978-3453268876

Vor der Lesung von Irvine Welsh auf der Münchner Bücherschau wollte ich gerne sein neuestes Werk “Skagboys” lesen. Die 833 Seiten haben mich zwar sehr viel länger begleitet als geplant, ich habe allerdings jede der vielen Seiten gern gelesen.

Bei “Skagboys” handelt es sich um die Vorgeschichte zu “Trainspotting”, Irvine Welsh hat darin viel Material verarbeitet, das er für seinen Bestseller von 1993 nicht verwenden konnte. Mark Renton und all die anderen bekannten Charaktere sind wieder mit dabei, leben allerdings zu Beginn des Buches ein noch eher normales Leben ohne Drogen. Mark geht zur Uni, führt eine Beziehung und kommt nur an den Wochenenden nach Edinburgh, wo er seine Freunde trifft. Erst nach und nach gerät er auf die schiefe Bahn, probiert zum ersten Mal Heroin und wird schließlich abhängig.

Auch wenn Mark die zentrale Figur in diesem Roman und auch in “Trainspotting” ist, gibt es viele andere Figuren, aus deren Sicht einige Kapitel geschrieben sind. Man liest also nicht nur eine Geschichte, sondern viele verschiedene Geschichten, die durch die darin vorkommenden Personen zusammenhängen. Irvine Welsh schafft es dabei, die verschiedenen erzählenden Figuren auch stilistisch voneinander abzugrenzen. Trotz der Fülle der Charaktere wächst einem im Laufe des Buches jeder einzelne ans Herz und ich habe alle Handlungsstränge mit gleichem Interesse verfolgt.

Im Gegensatz zu “Trainspotting”, in dem alle Figuren schon drogensüchtig sind, schimmert in “Skagboys” immer wieder etwas Hoffnung durch. Mark und seine Freunde leben zeitweise ein relativ normales Leben mit dem ein oder anderen Alkoholexzess, könnten aber durchaus noch die Kurve kriegen. Leider rutschen sie im Laufe des Buches immer weiter ab und wer “Trainspotting” gelesen hat, weiß auch, dass es eigentlich keine Hoffnung gibt. So ist “Skagboys” natürlich auch ein trauriges Buch über eine Generation, die dank hoher Arbeitslosigkeit in Schottland keine andere Perspektive als Kriminalität, Drogen und Alkohol hatte.

Irvine Welsh nimmt kein Blatt vor den Mund und nennt die Dinge beim Namen. Daniel Müller hat das in seiner Übersetzung etwas abgeschwächt, bezeichnet das männliche Geschlechtsteil zum Beispiel als “Bammel”. Damit bin ich auf Dauer nicht glücklich geworden und habe nach der Hälfte des Buches zum englischen E-Book gewechselt. Das ist zwar dank des schottischen Dialektes, in dem Irvine Welsh schreibt, nicht einfach zu lesen, aber man gewöhnt sich daran. Das Original hat mir dann viel besser gefallen als die etwas verklemmt wirkende Übersetzung.

Das Buch hat mich begeistert und über einen längeren Zeitraum begleitet. Wer “Trainspotting” mochte, dem wird bestimmt auch diese ausführliche Vorgeschichte gefallen. Ich würde aber jedem, der es sich zutraut, das englische Original empfehlen. :sheep5:

Turki al-Hamad – Adama

Verlag: Heyne
Erschienen: 2003
Seiten: 319
Originaltitel: Adama
Übersetzung: Cordula Kolarik

Hischam ist 18 und geht noch zur Schule, als er von einem Mitschüler angesprochen wird, ob er einer Untergrundorganisation beitreten will. Nach einigem Zögern stimmt er zu, muss aber bald feststellen, dass die geheimen Treffen anders ablaufen, als er sie sich vorgestellt hat. In einem zweiten Handlungsstrang, der einige Zeit später spielt, begleiten wir Hischam nach Riad, wo er in Zukunft die Universität besuchen will und bei seinem Onkel wohnt.

Durch den Klappentext und die Tatsache, dass das Buch in Saudi-Arabien verboten ist, hatte ich mir etwas mehr erwartet. Angebliche Konflikte zwischen Hischams “Freundin” und seiner Arbeit für die Untergrundorganisation wurden versprochen. Allerdings spielt diese Liebesbeziehung eine weit geringere Rolle als erwartet und auch sonst fehlte mir ein bisschen die Brisanz. Hischam ist ein sehr passiver Charakter, der in alles mehr hineinrutscht, als dass er sich bewusst entscheidet. Zwar scheint er intelligent, ist gut in der Schule, liest anspruchsvolle Bücher und diskutiert gerne über alle möglichen Themen mit seinen Freunden, doch sein Verhalten im Bezug auf die Untergrundorganisation fand ich eher dumm.

Der zweite Handlungsstrang, Hischams Zeit bei seinem Onkel in Riad, ist auch nicht sehr interessant. Das einzige, was ich daran lesenswert fand, waren die Unterschiede, die Hischam zwischen seiner eher fortschrittlichen Familie und der traditionellen Familie des Onkels bemerkt. Zuhause wird zum Beispiel gemeinsam gegessen, auch die Frauen dürfen mit am Tisch sitzen. In der Familie des Onkels allerdings dürfen nur die Männer am Tisch sitzen, die Frauen müssen diese bedienen. Da ich allerdings schon andere Bücher aus der arabischen Welt gelesen habe, konnte mir “Adama” auch in dieser Hinsicht nicht viel Neues bieten.

Insgesamt war das Buch leider eine Enttäuschung, da ich andere – und vor allem sehr hohe – Erwartungen hatte. Zum Glück ließ es sich wenigstens angenehm lesen und war teilweise auch ganz unterhaltsam. :sheep2: