Rainbow Rowell – Eleanor & Park

Verlag: Orion
Erschienen: Februar 2013
Seiten: 336
ISBN: 978-1409120544
Deutsche Übersetzung: Keine Infos

Eleanor ist übergewichtig, hat rote Haare und einen ungewöhnlichen Kleidungsstil. Keine Frage, dass es ihr schwer fällt, sich in der neuen Schule zu integrieren. Das merkt sie schon an ihrem ersten Schultag im Schulbus, als keines der anderen Kinder ihr Platz machen will. Nur der Halbkoreaner Park, der selbst gerade so an der Außenseiterrolle vorbeischrammt, erbarmt sich und bietet ihr den Sitzplatz neben sich an. Langsam entsteht aus ihrer Zweckgemeinschaft so etwas wie Freundschaft…

“Eleanor & Park” hat mich innerhalb weniger Seiten ins Jahr 1986 versetzt. Musik kann man nur im Radio oder auf Kassetten hören, die Batterien des Walkman sind ständig leer und um sich zu verabreden, muss man das Telefon im Wohnzimmer benutzen, wo die Eltern jedes Wort mithören. Auch wenn ich ein paar Jahre nach den beiden Protagonisten geboren wurde, konnte ich mich gut in deren Lage versetzen. Zumindest einen Teil meiner Teeniezeit erlebte auch ich ohne Handy und Internet und es war ganz normal, Mix-Tapes für Freunde aufzunehmen und dafür stundenlang auf das richtige Lied im Radio zu warten.

Die Annäherung zwischen Park und Eleanor ist sehr süß und vorsichtig, erinnert an die eigene erste Liebe. Rainbow Rowell schafft es, die Gefühle, die mit dem ersten Freund, dem ersten Kuss und dem ersten Mal verbunden sind, sehr glaubhaft zu schildern, sowohl aus weiblicher, als auch aus männlicher Sicht. Leider werden den beiden immer wieder Steine in den Weg gelegt, die ihnen das Leben und das Zusammensein erschweren. Ich habe 336 Seiten lang mit Eleanor und Park gelacht, geweint und gelitten und wollte am Ende gar nicht glauben, dass ich das junge Pärchen jetzt nicht weiter begleiten darf.

Rainbow Rowell hat eine wirklich rührende Geschichte über ein Außenseiter-Pärchen in den 80er Jahren geschrieben, die ich innerhalb kürzester Zeit verschlungen habe. Für mich eines der Jugendbuch-Highlights der letzten Jahre! :sheep5:

 

Maureen Johnson, John Green & Lauren Myracle – Let It Snow

Verlag: Speak
Erschienen: Oktober 2008
Auf Deutsch: Tage wie diese
Seiten: 368
ISBN: 978-0142412145

Schon fünf Türchen vom Adventskalender geöffnet, da wird es langsam Zeit für ein bisschen Weihnachtsstimmung. Und so habe ich mir “Let It Snow” vorgenommen. Jeder der drei Autoren hat dabei eine Liebesgeschichte beigesteuert, die an den Weihnachtstagen in einer verschneiten amerikanischen Kleinstadt spielt. Den besonderen Reiz des Buches machen die kleinen Zusammenhänge zwischen den einzelnen Geschichten aus. Erst nach und nach bemerkt man nämlich, dass die Protagonisten als Nebenfiguren in den anderen Geschichten auftauchen.

Jubilee ist auf dem Weg zu ihren Großeltern, als ihr Zug wegen eines Schneesturms nicht weiterfahren kann. Zusammen mit 14 Cheerleadern schlägt sie sich zu einem Waffelhaus durch, wo sie einen Jungen trifft, der sie über die Feiertage mit zu sich nach Hause nimmt. Der Protagonist der zweiten Geschichte, Tobin, will mit seinen beiden Kumpels in eben dieses Waffelhaus fahren, um die Cheerleader kennenzulernen. Die Fahrt dorthin gestaltet sich aber aufgrund des vielen Schnees schwierig und dann muss Tobin auch noch erkennen, dass der Duke nicht nur ein guter Kumpel, sondern auch ein Mädchen ist. Und Addie wünscht sich zu Weihnachten nichts sehnlicher, als dass ihr Ex-Freund Jeb ihr verzeihen würde und sie wieder zusammenkommen, nachdem sie auf einer Party einen Anderen geküsst hat.

Tiefgründige Handlungsstränge und Charakterzeichnungen darf man schon allein aufgrund des Umfangs nicht erwarten. Die Personen lernt man nicht sehr genau kennen, die Handlung schreitet schnell voran und Nebenfiguren gibt es meist nur wenige. Trotzdem sind die drei Geschichten unterhaltsam zu lesen und es kommt auch ein bisschen Weihnachtsstimmung auf. Wer mit Herzschmerz-Teenies nichts anfangen kann, ist hier allerdings an der falschen Adresse.

John Green war mir schon vorher ein Begriff, die beiden Autorinnen kannte ich nicht. Allerdings muss ich sagen, dass es stilistisch kaum Unterschiede gibt und man auch denken könnte, alle drei Geschichten wären von einem Autor geschrieben worden. Die erste Geschichte rund um Jubillee und Stuart hat mir am besten gefallen, danach ging es Schritt für Schritt bergab. Addie, die Protagonistin der dritten Geschichte, habe ich als sehr nervig und egoistisch empfunden, die Handlung rund um ihre Freundin und ein Baby-Schwein fand ich außerdem sehr konstruiert.

Insgesamt ist “Let it Snow” ein nettes Jugendbuch, das man in der Vorweihnachtszeit gut lesen kann, wenn man nicht zu große Erwartungen an die Tiefgründigkeit hat. Von mir gibt es dafür :sheep4:.

Gail Carriger – Curtsies & Conspiracies

Verlag: Little, Brown Book Group
Erschienen: November 2013
Auf Deutsch: bisher keine Infos
Seiten: 310
ISBN: 978-1907411601

Sophronias zweites Halbjahr in Mademoiselle Geraldines Finishing School beginnt mindestens so spektakulär, wie das erste aufgehört hat. Nicht nur begibt sich das große Luftschiff, auf dem die Schule sich befindet, direkt nach London, wo Shoppingtouren und die Aussicht auf Bälle die Mädchen locken, es kommen auch noch Jungen aus einer anderen Schule an Bord. Die Aufregung ist natürlich groß, zumal hinter diesem Ausflug nach London natürlich viel mehr steckt, als man zu Beginn ahnt. Sophronia lässt sich von all dem Trubel aber nicht ablenken, behält immer ihre Ziele im Auge, intrigiert, plant und spioniert wie gewohnt.

Auch der zweite Teil von Gail Carrigers YA-Serie “Finishing School” hat mir sehr viel Spaß gemacht. Sophronia ist intelligent, aufmerksam und genau im richtigen Maß ungehorsam. Sie schleicht sich nachts aus ihrem Zimmer, belauscht ihre Lehrer und ist garantiert immer mitten im Geschehen, wenn etwas wichtiges passiert. Die kleine Erfinderin Vieve, Sophronias Zimmergenossin Dimity, das mechanische Haustier Bumbersnoot und alle anderen liebgewonnenen Figuren sind natürlich auch wieder mit dabei.

Geflirtet wird in diesem Teil nun endlich auch, es gibt sogar zwei junge Männer, die sich für Sophronia interessieren. Dabei ist der eine sicher die Wahl, die von ihr erwartet wird, der andere würde eher zu ihrer rebellischen Seite passen. Ob und wie sie sich entscheidet, erfahren wir sicher erst in einem der nächsten Bände, bis da hin habe ich aber auch so sehr viel Spaß an den kleinen Szenen, in denen es zwischen Sophronia und einem ihrer beiden Verehrer knistert.

Gail Carrigers Bücher sind sicher keine anspruchsvolle Literatur, ich mag ihre fantasievolle Sprache, die liebenswerten Figuren und das Steampunk Setting aber einfach und freue mich schon sehr auf ihr nächstes Buch. :sheep4:

Jostein Gaarder – 2084 – Noras Welt

Verlag: Hanser
Erschienen: August 2013
Übersetzung: Gabriele Haefs
Seiten: 192
ISBN: 978-3446243125

Nora ist 16 und macht sich große Sorgen um die Klimaerwärmung und die Veränderungen, die diese auf unserer Erde bewirken wird. Sie träumt in sehr realen Träumen von ihrer Urenkelin Nova, die 2084 lebt und sich bitter bei Nora über die ausgestorbenen Tierarten und die zerstörte Umwelt beschwert. Nova wünscht sich eine zweite Chance für die Erde und Nora zerbricht sich mit ihrem Freund Jonas den Kopf, wie sie diesen Wunsch erfüllen kann.

Jostein Gaarders Bücher lese ich unheimlich gerne. Ich finde es faszinierend, wie er einem mit einfachen Worten und einer spannenden Handlung wichtige philosophische Fragen näher bringt. In seinem neuen Buch ist ihm das meiner Meinung nach aber nicht gelungen. Natürlich ist der Klimawandel und die Zukunft unseres Planeten ein wichtiges Thema, das jeden Menschen angeht. Der Tonfall des Buches ist für meinen Geschmack aber zu belehrend geraten. Nora beschäftigt sich sehr mit der Umwelt und liest viele Artikel, in denen dem Leser Informationen und Meinungen präsentiert werden. Dieses Stilmittel wurde allerdings etwas zu ausufernd benutzt, das Interesse lässt schnell nach, wenn die spärliche Handlung ständig von solchen Artikeln unterbrochen wird.

Nora bleibt als Hauptfigur sehr blass. Bis auf ihr großes Thema, den Klimaschutz, erfährt man recht wenig über sie. Und auch wenn ich nachvollziehen kann, dass man sich für ein wichtiges Ziel einsetzt und einen Großteil seiner Freizeit dafür opfert, wirken Nora und ihr Freund Jonas regelrecht besessen. Ein paar andere Hobbys und Themen hätten den Figuren und dem Buch gut getan.

Ansonsten lässt sich “Noras Welt” gewohnt angenehm lesen, liefert eine halbwegs interessante Geschichte und viele Denkanstöße. Mir hätte es allerdings besser gefallen, wenn es weniger belehrend gewesen und ohne erhobenen Zeigefinger ausgekommen wäre. :sheep3:

Kerstin Gier – Silber – Das erste Buch der Träume

Verlag: Fischer
Erschienen: Juni 2013
Seiten: 416
ISBN: 978-3841421050

Die 16-jährige Liv und ihre kleine Schwester Mia kennen das schon seit Jahren: ein Umzug nach dem nächsten, neue Wohnung, neue Schule, neue Freunde. Doch diesmal ist alles anders, denn ihre Mutter hat sich verliebt. So gibt es als Bonus noch einen Stiefvater und zwei Stiefgeschwister dazu. Als wäre das noch nicht genug, fängt Liv auch noch an, seltsame Träume zu haben. Sie träumt von ihrem Stiefbruder Grayson und seiner Clique, geheimnisvollen Türen und Ritualen auf einem Friedhof. Das komischste daran aber ist, dass Grayson und seine Freunde sich ebenfalls an diese Träume erinnern können. Nach und nach kommt Liv ihrem Geheimnis auf die Spur und gerät auch noch selbst mitten hinein.

Kerstin Gier ist wieder ein spannender Reihenauftakt gelungen. Schon die Edelsteintrilogie habe ich gerne gelesen und Silber – Das erste Buch der Träume erinnert ein bisschen daran. Das Buch spielt wieder in England, Liv ist Gwen ein bisschen ähnlich, ihre Familie kann man auf jeden Fall als außergewöhnlich bezeichnen und natürlich gibt es auch wieder eine Liebesgeschichte. Sonst ist dafür alles anders, statt Zeitreisen gibt es hier Träume, allerdings ist der Fantasy-Anteil in der neuen Reihe nicht so hoch wie noch in der Edelsteintrilogie.

Das ganze Umfeld von Liv erinnert leider ein bisschen zu sehr an amerikanische High-School-Komödien. Es gibt einen Herbstball, der das Highlight des Schuljahres ist, die gutaussehende Jungs-Clique, in die alle Mädchen verliebt sind und noch so einiges mehr. Auch dreht sich vieles um Jungs und Klamotten, der neuesten Tratsch der Schule wird auf einem Blog à la Gossip Girl veröffentlicht. Die Geschichte hält sich gerade noch so die Waage zwischen den mysteriösen Träumen und den Geheimnissen, denen Liv auf die Spur kommt und dem Teenie-Alltag mitsamt erster großer Liebe.

Insgesamt fand ich Silber – Das erste Buch der Träume sehr spannend und habe es gern gelesen. Über die High-School-Atmosphäre und die vielen Teenie-Probleme kann ich hinwegsehen, weil ich nicht mehr ganz zur Zielgruppe gehöre. Ich bin Kerstin Gier sehr dankbar, dass sie auf einen Cliffhanger am Ende verzichtet hat. So kann man die Wartezeit bis Juni 2014 einigermaßen aushalten, dann soll Silber – Das zweite Buch der Träume erscheinen. Ich bin schon sehr gespannt, wie es weitergeht! :sheep4: