Ein Stück Heimat in der Literatur

Lest ihr eigentlich gerne Bücher, die an Schauplätzen spielen, die ihr kennt? Ich finde es toll, wenn Orte oder Sehenswürdigkeiten in einem Buch genannt werden, die ich selbst schon besucht habe. So fand ich die Kategorie “A book that takes place in your hometown” meiner Reading Challenge ganz toll, war aber lange Zeit nicht sicher, wie ich sie interpretieren soll.

“Hometown” bezeichnet laut Wikipedia den Ort, an dem man aufgewachsen ist. In meinem Fall ist das eine Kleinstadt im Bayerischen Wald. Bestimmt gibt es auch das ein oder andere Buch, in dem diese Stadt als Schauplatz auftaucht, es wäre aber nicht ganz leicht gewesen, so ein Buch ausfindig zu machen. Deshalb habe ich es mir ein bisschen leichter gemacht und ein Buch gelesen, das in München spielt. Auch wenn ich gar nicht mehr richtig in München wohne, war diese Stadt in den letzten Jahren meine Heimat, in der auch jetzt noch mein Partner und ein Großteil meines Freundeskreises wohnt.

Die Auswahl des passenden Buches hat dann netterweise mein Lesekreis für mich übernommen, da “Die Erfindung des Abschieds” vom Münchner Autor Friedrich Ani vorgeschlagen wurde. Ein Krimi fällt zwar nicht in mein normales Beuteschema, das Buch hat mich aber trotzdem überraschenderweise ganz gut unterhalten. Ein verschwundener Junge und ein außergewöhnlicher Polizist stehen dabei im Mittelpunkt der Geschichte.

Friedrich Ani - Die Erfindung des Abschieds, LesekreisFriedrich Ani legt den Fokus nicht auf eine spannende Krimihandlung sonder auf das Innenleben der Ermittler und der Personen, die mit dem Fall zu tun haben, stellt einige Polizisten im Detail vor und legt viel Wert auf deren Beziehungen untereinander. Es handelt sich um den Auftakt einer Krimireihe und ich denke, dass durch die detaillierten Charakterbeschreibungen eine gute Basis für die weiteren Bände gelegt wurde. Ich persönlich werde die Reihe aber eher nicht weiterverfolgen. Auch wenn ich nicht oft Krimis lese, fand ich die Erzählweise ungewöhnlich und ich kann mir gut vorstellen, dass der typische Krimileser mit “Die Erfindung des Abschieds” nicht auf seine Kosten kommt.

Ob die häufige Erwähnung von Straßennamen und Stadtvierteln einem Nicht-Münchner schnell auf die Nerven geht, oder ob man darüberwegliest, kann ich nicht einschätzen. Ich persönlich fand es toll, dass Orte erwähnt wurden, die ich in der Realität kenne, auch wenn es manchmal nur Straßennamen waren, die ich grob einordnen kann.

Der Lesekreis hat sich heute in recht großer Runde getroffen und das Buch besprochen. Die Diskussion (und auch die sonstigen Gespräche) war wieder sehr unterhaltsam, auch wenn das Buch nicht bei allen gut ankam. Ich freue mich schon auf die nächste Diskussionsrunde, die sich um “Jugendstil” von György Dalos drehen wird. Wer auch dabei sein möchte, kann gerne in unserer Facebook-Gruppe vorbeischauen, oder sich bei mir per Mail melden (E-Mail-Adresse im Impressum).

Nun muss ich ganz schnell ins Bett und schon mal vorschlafen, damit ich heute Nacht die Oscarverleihung live verfolgen kann.

Bis nächste Woche

Euer Literaturschaf :sheep:

Neu: Lesekreis in München

Ich habe vor einiger Zeit schon einen Artikel über Lesekreise geschrieben und erzählt, wie viel Spaß es macht, auch im echten Leben mit Gleichgesinnten über Bücher zu diskutieren. Eine Freundin von mir ist vor kurzem nach München gezogen und da sie auch gerne liest, hat sie einen neuen Lesekreis ins Leben gerufen.

Beim ersten Treffen ging es nur darum, sich gegenseitig kennenzulernen und die literarischen Vorlieben der Mitglieder herauszufinden. Nach einiger Diskussion haben wir uns auf “Am Strand” von Ian McEwan als erstes Buch geeinigt. Gestern stand dann das zweite Treffen mit Buchbesprechung an. Wir waren nur zu dritt, hatten aber trotzdem sehr unterschiedliche Meinungen und ein interessantes Gespräch über das Buch und diverse andere Themen.

Gerade findet in unserer Facebook-Gruppe die Abstimmung über das nächste Buch statt, das nächste Treffen ist für irgendwann im August geplant. Wir würden uns über neue Mitglieder freuen, tretet einfach der verlinkten Gruppe bei. Dort könnt ihr euch dann an Lektüre- und Terminabstimmungen beteiligen und auch selbst noch Bücher vorschlagen.

Irvine Welsh auf der Münchner Bücherschau

Seit gestern läuft die diesjährige Münchner Bücherschau und startete für mich auch gleich mit einer tollen Lesung. Der schottische Autor Irvine Welsh las aus “Skagboys”, seinem kürzlich auf deutsch erschienen Prequel zu Trainspotting. Den deutschen Teil der Lesung und die Moderation übernahm Nagel (der junge Mann war mir zuvor kein Begriff, ist aber offensichtlich Autor und Musiker).

Nach einem etwas nervösen Start wurde die Veranstaltung immer besser. Nagel und Irvine Welsh lasen jeweils zwei Passagen aus dem Roman vor. Zwischendurch wurden Fragen gestellt, die der Autor sehr charmant und mit viel Humor beantwortete. Ich fand es dabei sehr positiv, dass die englischen Antworten nicht lang und breit übersetzt wurden, da so die Veranstaltung nicht unnötig in die Länge gezogen wurde. Für andere mag das aber auch ein Nachteil gewesen sein.

Besonders gut fand ich, dass Nagel auch mehrmals auf die Unterschiede zwischen Übersetzung und Original einging. Ich lese das Buch aktuell auf deutsch, habe mir aber zusätzlich die englische Kindle-Ausgabe gekauft, um vergleichen zu können und manche Kapitel im Original zu lesen. Die viele Umgangssprache und der geschriebene schottische Akzent machen es aber nicht leicht, den englischen Text zu lesen.

Es machte viel Spaß, den beiden zuzuhören, der schottische Akzent von Herrn Welsh war dabei ganz besonderen unterhaltsam. Er war beim Vorlesen total bei der Sache, stand extra auf und gab sogar eine kleine Gesangseinlage, als im Roman gesungen wurde.

Schade war aber mal wieder das Benehmen des Publikums. Sei es die Dame, die zu spät kam und mit hochhackigen Schuhen in die erste Reihe klackerte oder der Herr, der während der Lesung aufstand, vorne an der Bühne vorbeilief um den Saal zu verlassen und kurz darauf auf dem gleichen Weg zurückkam, höflich ist so ein Verhalten nicht, weder den anderen Zuschauern noch dem Autor gegenüber. Ich frage mich immer, warum erwachsene Menschen es nicht schaffen, pünktlich zu einer Veranstaltung zu kommen und dann 90 Minuten auf ihrem Allerwertesten sitzen zu bleiben.

Abgesehen davon war der Abend aber sehr gelungen und ich freue mich auf die beiden anderen Lesungen, die ich in den nächsten Wochen besuchen werde. Ob für euch auch die ein oder andere interessante Veranstaltung dabei ist, könnt ihr im Programm der Münchner Bücherschau nachsehen. Ein Besuch lohnt sich aber auch, ohne zu einer Lesung zu gehen, da man dort ganz entspannt in einer großen Menge an Büchern stöbern kann, mit der so leicht kein Buchladen mithalten kann.

Die Münchner Bücherschau – 7. bis 24. Nov. 2013

Wie jedes Jahr findet Im Herbst die Münchner Bücherschau statt. Von 7. bis 24. November kann man täglich von 8 bis 23 Uhr im Gasteig die Buchausstellung besuchen, zusätzlich gibt es viele interessante Veranstaltungen.

Ich muss zugeben, dass ich schon über drei Jahre in München wohne und erst einmal bei der Bücherschau war. Dieses Jahr steht ein Besuch allerdings fest auf dem Programm.  Bei dem umfangreichen Veranstaltungsprogramm konnte ich mich auch kaum entscheiden, welche Lesungen ich gerne besuchen möchte. Jonathan Stroud, Alex Capus, Simon Singh, Roger Willemsen, für jede Altersgruppe und Genrevorliebe ist etwas dabei.

Ich habe mich jetzt vorerst für zwei Veranstaltungen entschieden. Zum einen Werde ich Jostein Gaarders Lesung besuchen, da er schon seit vielen Jahren zu meinen Lieblingsautoren gehört, obwohl mich sein neuester Roman Noras Welt nicht überzeugt hat. Außerdem steht für mich noch Mahmud Doulatabadi auf dem Programm, von dem ich noch nichts gelesen habe, aber dessen Roman Nilufar mich sofort neugierig gemacht hat. Irvine Welsh würde mich auch noch sehr reizen, aber ich bin mir nicht sicher, ob mir das dann nicht zu viel wird. Die entsprechenden Bücher möchte ich ja auch gerne noch vorher lesen.

Three Blind Wolves @ STRØM, München. 10.09.2013

Von meiner Vorfreude hatte ich euch ja berichtet. Jetzt wollt ihr bestimmt wissen, wie das Konzert war.

Kurze Antwort: Toll!

Lange Antwort: Zuerst einmal finde ich das STRØM eine tolle Location für Konzerte. Ich war das zweite Mal dort und fand es jeweils ganz angenehm. Es wirkt auch mit wenigen Leuten halbwegs voll und man hat von überall einen guten Blick auf die Bühne, außer man möchte sich gerne hinter einer Säule verstecken. Wenn es dann das Bier noch in Flaschen statt in Plastikbechern gibt, ist alles perfekt.

Three Blind Wolves sind in Deutschland leider noch recht unbekannt, deshalb waren nur ungefähr 30 Leute auf dem Konzert. Davon hat sich aber niemand den Spaß verderben lassen. Schon die Vorband Mise en Scene hat gleich richtig Stimmung gemacht. Und mir haben die Kanadier sogar ganz gut gefallen, obwohl ich Frauenstimmen sonst nicht so gerne mag. Die Jungs von Three Blind Wolves haben sich dabei auch mit ins Publikum gestellt und ein Bier getrunken – total sympathisch!

Ihr eigener Auftritt war dann natürlich das Highlight des Abends. Zu hören gab es sowohl Lieder des aktuellen Albums “Sing Hallelujah for the Old Machine” als auch des Vorgängers “Sound of the Storm”. Mein Lieblingslied “Hopeless Romantic” haben sie zwar nicht gespielt, aber da ich eigentlich alle Lieder mag, war das nicht so schlimm. Ein bisschen schade war, dass der Auftritt der Three Blind Wolves inklusive Zugabe nur eine knappe Stunde gedauert hat. Das hatte ich zwar schon fast erwartet, da sie einfach noch nicht so viel veröffentlicht haben und sie ganz bestimmt nicht jedes irgendwann einmal geschriebene Lied bei jedem Konzert spielen wollen. Ich hätte ihnen trotzdem noch doppelt so lange zuhören können. Die Zugabe war dafür noch was ganz Besonderes, Sänger Ross Clark hat dazu die Bühne verlassen und mitten im Publikum noch ein Lied gespielt.

Spaß gemacht hat es also auf jeden Fall, trotz der geringen Zuschauerzahl. Die Atmosphäre war viel besser als bei großen Konzerten. Es fühlte sich eher wie eine Party mit Freunden an als ein Konzert. Danach haben ich sogar noch kurz mit Ross über Münchner Bier und sein geniales Hemd mit Katzenmuster geplaudert und mir ein Bandshirt gekauft, das ich seitdem fleißig trage. Da bekommt man doch gleich Lust, mehr von diesen unbekannten Bands kennenzulernen, auf gemütliche kleine Konzerte zu gehen und als Fan noch ernst genommen zu werden (irgendwelche Empfehlungen?). Nette Antworten auf Twitter bekommt man nämlich auch noch: