Meine Sommerhighlights 2014

Auch wenn ich mich noch über ein paar schöne sonnige Tage freuen würde, ist der Sommer eigentlich schon wieder vorbei. Es ist also an der Zeit, meine Lesehighlights des Sommers vorzustellen.

Juni: Nick Hornby – 31 Songs

31 Songs - Nick HornbyNick Hornby könnte über das langweiligste Thema der Welt schreiben und ich würde es trotzdem lesen.  Ich höre zwar häufig Musik, gehe hin und wieder auf Konzerte und entdecke gern auch neue Bands für mich, es ist aber trotzdem kein Thema, das mir sehr am Herzen liegt. Nick Hornby geht es da offensichtlich anders, er hat mit “31 Songs” eine Musik-Autobiografie geschrieben. Darin enthalten sind Lieder, die ihm in bestimmten Phasen seines Lebens sehr wichtig waren, oder bis heute wichtig sind. Ich fand die Verknüpfungen zwischen Musik und seinen Erinnerungen sehr interessant zu lesen und habe mir auch gerne die zugehörigen Lieder angehört. Ich finde es toll, dass Nick Hornby so vielseitig ist, grpßartige Romane schreiben kann, aber seinen Lesern in seinen Büchern auch mit viel Begeisterung Musik oder Fußball (“Fever Pitch“) näher bringt. Für mich ist “31 Songs” auch für den Durchschnitts-Musikhörer eine Empfehlung!

Juli: Kerstin Gier – Silber. Das zweite Buch der Träume

Silber. Das zweite Buch der TräumeDer Juli war nicht unbedingt mein bester Lesemonat, vielleicht war ich aber auch einfach nur zu kritisch. An jedem Buch hatte ich etwas auszusetzen, nichts hat mich richtig gepackt. Rainbow Rowells “Attachements” fand ich nicht nachvollziehbar und unrealistisch, Karen Blixens “Out of Africa” hat mich über weite Stellen gelangweilt und Sylvia Beachs “Shakespeare and Company” war auch nicht so, wie ich es erwartet hatte. Also muss der zweite Band der Silber-Trilogie von Kerstin Gier als Monatshighlight herhalten, obwohl ich auch daran etwas auszusetzen habe. Es ist eben nur der Mittelband einer Trilogie und auch wenn ich das Buch gern gelesen habe, war es nicht übermäßig spannend und bereitet den Leser eher auf den (hoffentlich) großen Showdown in Band drei vor.

August: Paul Auster – Winter Journal

WinterjournalNachdem ich das Buch schon vor kurzem in höchsten Tönen gelobt habe, dürfte es keine Überraschung sein, dass es mein Highlight im August war. Ich bin ein großer Fan von Paul Auster und fand es sehr spannend, mehr über ihn und sein Leben zu erfahren, auch wenn mir manche Informationen fast ein bisschen zu viel waren. Ich mag es einfach sehr, wie Paul Auster schreibt und bin froh, dass er mit diesem Buch seinen Lesern die Möglichkeit gibt, ihn etwas besser kennenzulernen.

Zusätzlich möchte ich hier aber auch nochmal “Neverwhere” (deutsch “Niemalsland”) von Neil Gaiman erwähnen, das ich im August ein zweites Mal gelesen habe. Es handelt sich dabei um einen wirklich intelligenten und tiefgründigen Fantasyroman, der mich wieder daran erinnert hat, was für ein toller Autor Neil Gaiman ist.

Und was waren eure Sommer-(Lese-)Highlights?

Paul Auster – Winterjournal

Verlag: Rowohlt
Erscheinungsjhar: 2012
Übersetzung: Werner Schmitz
Seiten: 256
ISBN: 978-3498000875

Autobiografien sind in den letzten Jahren in Mode gekommen, jeder B-Promi fühlt sich bemüßigt, das eigene Leben oft schon in jungen Jahren für die Nachwelt detailliert festzuhalten. Paul Auster hingegen hat sich damit bis zu seinem 65. Lebensjahr Zeit gelassen. Auch hat er mit “Winterjournal” keine klassische Autobiografie geschrieben, in der Stationen des Lebens chronologisch abgehandelt werden. Vielmehr nimmt er den Leser mit auf eine Reise in sein Inneres. Veränderungen des Körpers beim Älterwerden spiele ebenso eine Rolle wie seine Liebesbeziehungen.

Es ist kein Wunder, dass man Paul Auster in diesem Buch sehr nah kommt, näher als man es manchmal möchte. Ich zumindest wollte nicht unbedingt über die ersten sexuellen Erfahrungen oder die Panikattacken eines meiner Lieblingsautoren lesen. Und doch macht genau das das Buch so authentisch, denn Paul Auster nimmt kein Blatt vor den Mund und lässt seine Leser wirklich an allem teilhaben. Obwohl ich bei manchen Themen skeptisch war, hat mir dieses Buch gezeigt, dass auch Paul Auster nur ein Mensch ist, der über den Tod der Eltern trauert oder mal einen Autounfall verschuldet.

An manchen Stellen habe ich den roten Faden vermisst, konnte nicht ganz nachvollziehen, wie Paul Auster von einem Thema zum nächsten springt. Da die Autobiografie aber nicht chronologisch erzählt ist, habe ich das einfach so hingenommen, da ich alle Themen gleichermaßen interessant fand. “Winterjournal” ist wunderschön geschrieben, wie ich es von Paul Auster schon kenne, so schön, dass mir gar nicht aufgefallen ist, dass manche Sätze über mehrere Seiten gehen.

Wer Paul Auster mag, wird “Winterjournal” sicher lieben. Und wer noch nichts von ihm gelesen hat und sich auch für die Person interessiert, kann hier mit gutem Gewissen anfangen. Ich war begeistert und freue mich auf den zweiten Teil “Report from the Interior”, der noch nicht auf Deutsch erschienen ist. :sheep5:

Literarische Weltreise meets Fußball-WM: Gruppe G

Nach der kleinen Pause gestern (Feiertag – zumindest in Bayern und ein paar anderen Bundesländern) geht es heute weiter mit Gruppe G in der sich außer Deutschland noch Portugal, Ghana und die USA befinden.

Deutschland: Deutsche Klassiker hat mir der Deutschunterricht in der Schule ein für alle Mal vermiest. Dafür gibt es einige aktuelle deutsche Autoren, deren Bücher ich gerne lese. Zum einen möchte ich Oliver Plaschka nennen, der außergewöhnliche und anspruchsvolle Fantasyromane schreibt. Auch wenn ich mit seinem aktuellen Werk “Das Licht hinter den Wolken” ein paar Schwierigkeiten hatte, denke ich noch gerne an “Die Magier von Montparnasse” zurück, das nach wie vor zu meinen Lieblingsbüchern zählt.
Auch Tilman Rammstedt ist ein junger deutscher Autor, dessen Bücher ich gerne lese. “Wir bleiben in der Nähe” erzählt die Geschichte einer vergangenen Freundschaft und dem Versuch, diese wieder aufleben zu lassen. Sein Roman “Der Kaiser von China”, für den Rammstedt den Ingeborg-Bachmann-Preis 2008 bekommen hat, handelt von einem Großvater und einem Enkel, die eine nicht ganz reale Reise nach China unternehmen.

Portugal: Leider habe ich noch kein Buch aus Portugal gelesen, die literarische Reise in dieses Land ist aber schon ganz lange geplant mit “Stadt der Blinden” von José Saramago. Menschen die einfach ohne Vorwarnung erblinden, eine Gesellschaft, die versucht, mit dieser Seuche umzugehen, das hört sich nach einer sehr skurrilen Situation und nach einem interessanten Buch an. Ich bin auf jeden Fall gespannt darauf!

Ghana: Auch wenn afrikanische Literatur mich interessiert, gibt es doch einige Länder auf diesem Kontinent, mit deren Autoren ich mich noch nicht näher beschäftigt habe. Ghana gehört dazu. Bei meiner Suche bin ich auf Amma Darko gestoßen, die einige Zeit in Deutschland gelebt hat, jetzt aber wieder zurück in Ghana ist und Romane über das ghanaische Alltagsleben schreibt. Das hört sich für mich grundsätzlich interessant an und ich werde mir sicher irgendwann eines ihrer Werke kaufen.

USA: Autoren aus den USA kennt ihr sicher einige, Empfehlungen könnte ich mir an dieser Stelle also sparen. Ich möchte aber trotzdem die Gelegenheit nutzen, meine Lieblingsautoren aus diesem Land zu nennen. Schon öfter habe ich erwähnt, dass ich ein großer Fan von Ernest Hemingway bin. Ich finde es faszinierend, wie er mit wenigen klaren Worten Bilder vor meinen Augen entstehen lassen kann. Ich habe noch lange nicht alle seine Werke gelesen, fand bisher aber “Paris. Ein Fest fürs Leben” am besten. Ein Sammelband seiner Kurzgeschichten liegt auf meinem Nachttisch zum Lesen bereit.
Ähnlich wie mit Hemingwawy geht es mir auch mit Paul Auster. Auch seinen Stil mag ich sehr gerne und bin begeistert von seinen meist etwas surrealen Geschichten. Sein “Winterjournal”, in dem er sich auf sehr persönliche Art und Weise mit dem Älterwerden auseinandersetzt, liegt ebenfalls auf dem Stapel der Bücher, die ich demnächst lesen möchte.

Jetzt bin ich – wie immer – gespannt auf eure Empfehlungen aus diesen vier Ländern.

Den nächsten Beitrag dieser Reihe gibt es am Montag.

Paul Auster – Im Land der letzten Dinge

Verlag: rororo
Erschienen: 1992
Originaltitel: In the Country of Last Things
Übersetzung: Werner Schmitz
Seiten: 208

Paul Auster hat es schon wieder geschafft, mich schwer zu beeindrucken. Schon seine New York Trilogie hat mich fasziniert und lange Zeit beschäftigt und mit diesem Buch ging es mir genau so.

Anna Blume macht sich auf den Weg in eine nicht näher bezeichnete Stadt, um ihren Bruder zu suchen. Der Journalist ist dort verschwunden und auch Anna wird von einer Reise dringend abgeraten. Als sie dort ankommt, merkt sie auch bald, warum. Die Stadt verfällt langsam, die Bewohner versuchen sich umzubringen oder versuchen, sich durch Plündern oder Fäkaliensammeln am Leben zu erhalten. Das Leben dort ist hart, die Gesetze sind streng und Menschen sehen sich nur noch als Konkurrenten. Auch gibt es scheinbar kein Entkommen aus der Stadt, wenn man einmal dort ist.

Die Protagonistin, die in Briefen an einen Jugendfreund von ihren Erlebnissen erzählt, fügt sich schnell in diese grausame Welt ein, passt sich an um zu überleben. Auf ihren oft ziellosen Wanderungen trifft Anna erstaunlicherweise zwar immer wieder auch auf freundliche Menschen, sie können ihr aber auch nicht dauerhaft beistehen oder ihr wirklich weiterhelfen.

Es dürfte klar sein, dass dieses Buch sehr negativ und deprimierend ist. Paul Auster gelingt es, diese fremde Welt, die unserer eigenen sehr ähnlich und doch ganz anders ist, eindringlich zu beschreiben und beim Leser Abscheu und Entsetzen auszulösen. “Im Land der letzten Dinge” ist ein sehr düsteres Buch, das trotz seines geringen Umfangs einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen hat! :sheep5: