Kerstin Gier – Silber – Das erste Buch der Träume

Verlag: Fischer
Erschienen: Juni 2013
Seiten: 416
ISBN: 978-3841421050

Die 16-jährige Liv und ihre kleine Schwester Mia kennen das schon seit Jahren: ein Umzug nach dem nächsten, neue Wohnung, neue Schule, neue Freunde. Doch diesmal ist alles anders, denn ihre Mutter hat sich verliebt. So gibt es als Bonus noch einen Stiefvater und zwei Stiefgeschwister dazu. Als wäre das noch nicht genug, fängt Liv auch noch an, seltsame Träume zu haben. Sie träumt von ihrem Stiefbruder Grayson und seiner Clique, geheimnisvollen Türen und Ritualen auf einem Friedhof. Das komischste daran aber ist, dass Grayson und seine Freunde sich ebenfalls an diese Träume erinnern können. Nach und nach kommt Liv ihrem Geheimnis auf die Spur und gerät auch noch selbst mitten hinein.

Kerstin Gier ist wieder ein spannender Reihenauftakt gelungen. Schon die Edelsteintrilogie habe ich gerne gelesen und Silber – Das erste Buch der Träume erinnert ein bisschen daran. Das Buch spielt wieder in England, Liv ist Gwen ein bisschen ähnlich, ihre Familie kann man auf jeden Fall als außergewöhnlich bezeichnen und natürlich gibt es auch wieder eine Liebesgeschichte. Sonst ist dafür alles anders, statt Zeitreisen gibt es hier Träume, allerdings ist der Fantasy-Anteil in der neuen Reihe nicht so hoch wie noch in der Edelsteintrilogie.

Das ganze Umfeld von Liv erinnert leider ein bisschen zu sehr an amerikanische High-School-Komödien. Es gibt einen Herbstball, der das Highlight des Schuljahres ist, die gutaussehende Jungs-Clique, in die alle Mädchen verliebt sind und noch so einiges mehr. Auch dreht sich vieles um Jungs und Klamotten, der neuesten Tratsch der Schule wird auf einem Blog à la Gossip Girl veröffentlicht. Die Geschichte hält sich gerade noch so die Waage zwischen den mysteriösen Träumen und den Geheimnissen, denen Liv auf die Spur kommt und dem Teenie-Alltag mitsamt erster großer Liebe.

Insgesamt fand ich Silber – Das erste Buch der Träume sehr spannend und habe es gern gelesen. Über die High-School-Atmosphäre und die vielen Teenie-Probleme kann ich hinwegsehen, weil ich nicht mehr ganz zur Zielgruppe gehöre. Ich bin Kerstin Gier sehr dankbar, dass sie auf einen Cliffhanger am Ende verzichtet hat. So kann man die Wartezeit bis Juni 2014 einigermaßen aushalten, dann soll Silber – Das zweite Buch der Träume erscheinen. Ich bin schon sehr gespannt, wie es weitergeht! :sheep4:

Alina Bronsky – Spiegelkind

Verlag: Arena
Erschienen: Januar 2012
Seiten: 304

Julis Eltern haben sich getrennt, jetzt wohnt abwechselnd eine Woche ihre Mutter bei den Kindern im Haus, die nächste Woche der Vater. Doch eines Tages ist ihre Mutter einfach verschwunden und kein Mensch scheint sich darum zu kümmern. Zum ersten Mal in ihrem Leben rebelliert Juli, bricht aus dem starren Regelgefüge aus, hinterfragt und trifft eigene Entschiedungen. Die unkonventionelle neue Mitschülerin Ksü und deren Bruder Ivan stehen ihr dabei zur Seite.

Alina Bronsky hat ihre Welt sehr subtil aufgebaut. Denkt man am Anfang noch, dass die Geschichte in unserer Welt zu unserer Zeit spielen könnte, kommen spätestens wenn die Begriffe “Normale” und “Freaks” wiederholt verwendet werden erste Zweifel auf. Nach und nach findet man heraus, dass Juli in einem totalitären Staat lebt, in dem alles genauestens geregelt ist. Und wer von dieser Normalität abweicht, wird zum Freak degradiert und aus der Gesellschaft ausgeschlossen.

Da die Protagonistin Juli sehr behütet aufgewachsen ist, hat sie Missstände bisher kaum wahrgenommen und bricht erst jetzt aus ihrem normalen Leben aus. Es ist sehr interessant zu beobachten, wie sie sich langsam von Zwängen löst und anfängt, Regeln zu brechen und Tatsachen zu hinterfragen. Doch andererseits war es für mich etwas schwer nachzuvollziehen, warum sie ihre Werte, die ihr 15 Jahre lang anerzogen wurden, in so kurzer Zeit über Bord wirft und eine Wendung um 180 Grad durchmacht. Etwas weniger radikale Änderungen in Julis Lebenswandel wären für mich glaubhafter gewesen.

“Spiegelkind” ist angenehm und flüssig zu lesen, ich habe mich gut unterhalten gefühlt und wollte das Buch in der ersten Hälfte gar nicht mehr aus der Hand legen. Es wurden viele interessante Punkte angesprochen und ich habe mir die Lösung einiger Rätsel erhofft. Doch leider wurde mir dann schnell klar, dass keine Antworten kommen und stattdessen nur noch mehr Fragen aufgeworfen werden. “Spiegelkind” ist der Auftakt zu einer Trilogie, doch trotzdem hätte ich mir für den ersten Band ein paar Antworten gewünscht, so dass man als Leser zwar noch neugierig auf den nächsten Teil ist, aber nicht frustriert und mit einem großen Fragezeichen sitzen gelassen wird.

Ich finde es allgemein schade, dass jedes Buch, das vielleicht auch ein guter Einzelroman hätte werden können, zu einer Trilogie breitgewalzt wird. Und auch hier hat es mich geärgert, dass ein spannender Einstieg vergeudet wurde, um nichts weiter als eine lange Einleitung zu schreiben. Ich hätte zwar nach wie vor gerne Antworten auf viele Fragen, doch bin mir nicht sicher, ob ich die Trilogie weiterlesen werde.

Fazit: “Spiegelkind” ist ein spannender Einstieg in eine ganz neue, gut und nachvollziehbar aufgebaute Welt, doch leider bleibt vieles unklar oder wird nur angedeutet. Antworten auf die 1000 offenen Fragen darf man hier nicht erwarten, sondern muss auf die Nachfolger hoffen. :sheep3:

Amy Plum – Die For Me

Verlag: Atom
Erschienen: Mai 2011
Seiten: 352
Deutscher Titel: Von der Nacht verzaubert
Deutscher Verlag: Loewe
Übersetzer: Ulrike Brauns
Erscheinungstermin der dt. Ausgabe: März 2012

Kate lebt seit dem Tod ihrer Eltern zusammen mit ihrer älteren Schwester bei den Großeltern in Paris. Während ihre Schwester Giorgia schnell Freunde findet und jeden Abend auf einer anderen Party ist, zieht Kate sich komplett zurück und leidet für sich alleine. Dies ändert sich erst, als sie den wunderschönen Vincent kennenlernt…

Man hat das ja schon hundert Mal gelesen, ein junges Mädchen, das eher eine Außenseiterin ist und sich selbst nicht besonders attraktiv findet, verliebt sich in diesen wunderschönen jungen Mann. Und seltsamerweise interessiert er sich auch für sie. Doch nach und nach wird klar, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Und auch hier merkt man schnell, dass Vincent kein Mensch ist, sondern eine übernatürliche Figur. Zum Glück handelt es sich nicht um einen Vampir oder ähnlich Bekanntes, Amy Plum hat sich etwas ganz eigenes ausgedacht, das mir in dieser Form so noch nicht untergekommen ist. Man muss sich hier also wenigstens nicht mit allseits bekannten Klischees herumschlagen, sondern lernt die Fähigkeiten und Einschränkungen dieser Spezies erst im Laufe des Buches kennen.

Der Aufbau der Geschichte erinnert stark an Twilight und auch sonst fand ich alles sehr vorhersehbar. Große Überraschungen gab es für mich nicht, aber trotzdem habe ich das Buch ganz gerne gelesen und mich gut unterhalten gefühlt. Kate ist eine sehr sympathische Hauptfigur, in die man sich gut hineinversetzen kann, wenn man an seine eigenen Teenagerjahre und die erste Liebe zurückdenkt. Ich fand es sehr angenehm, dass sie eher ruhig und nachdenklich ist, gerne liest und nicht im geringsten an die Naivität und Dummheit einer gewissen Bella erinnert.

Was mich an diesen Büchern aber immer wieder wundert: Diese übernatürlichen Kreaturen sind doch schon sehr viel älter, als sie aussehen und verhalten sich trotzdem wie Teenager. Warum verliebt sich ein Mann, der eigentlich schon 90 ist und dummerweise noch aussieht wie 19, in ein 16-jähriges Mädchen? Ist das nicht irgendwie seltsam und sogar ein bisschen abstoßend? Amy Plum versucht wenigstens, diese Tatsache zu erklären und man nimmt Vincent das auch alles halbwegs ab. Erstaunt bin ich trotzdem immer wieder. Außerdem sind diese übernatürlichen Männer auch immer so perfekt und haben keinen einzigen Fehler, außer eben, dass sie nicht menschlich sind. Sie lesen gerne, sind wahnsinnig gebildet und bezaubern sogar skeptische Großeltern. Das vermittelt doch ein komplett falsches Bild von der Realität. Aber wahrscheinlich sollte man nicht zu viele Dinge hinterfragen, wenn man Fantasy liest.

Die Gefühle zwischen Kate und Vincent konnte ich dann lange Zeit nicht richtig nachvollziehen. Die Autorin beschreibt zwar immer wieder romantische Situationen, allerdings besteht die Anziehung zwischen Kate und Vincent vor allem zu Beginn nur auf Äußerlichkeiten. Sehr schön fand ich dann aber das nähere Kennenlernen und die ganz normalen Verabredungen, die die beiden haben und bei denen sie auch die drohenden Gefahren zumindest zeitweise ausblenden.

Fazit: Man kann das Buch gut lesen, wenn man etwas ähnliches wie Twilight lesen möchte und sich dabei vielleicht noch eine sympathischere Hauptfigur wünscht als Bella. Insgesamt fand ich die Geschichte zwar ganz unterhaltsam, sie hat mich aber weder sonderlich berührt, noch nachhaltig begeistert. :sheep3:

Patrick Rothfuss – The Name of the Wind

Verlag: Orion
Erschienen: 2007
Seiten: 661
Deutscher Titel: Der Name des Windes
Deutscher Verlag: Klett-Cotta
Übersetzer: Jochen Schwarzer
Erscheinungstermin der dt. Ausgabe:September 2008

Lange nachdem jeder andere dieses Buch gelesen hat, habe ich mich auch endlich daran gewagt. Abgeschreckt haben mich bisher der Umfang und die Wartezeit, die voraussichtlich bis zur Veröffentlichung des dritten Bandes folgen wird. Doch eigentlich hat es dieses Buch nicht verdient, so lange Zeit ungelesen im Regal zu stehen.

Kote – der Besitzer eines Gasthauses in einem abgelegenen Dorf – wird von einem reisenden Chronisten als Kvothe, Held unzähliger Geschichten erkannt. Sie verhandeln so lange, bis Kvothe zustimmt, seine Geschichte zu erzählen. Diese Erzählung soll drei ganze Tage dauern und nur den ersten dieser Tage dürfen wir in “Der Name des Windes” mitverfolgen. So ist auch klar, dass es hier noch hauptsächlich um Kvothes Jugend und seine Erfahrungen an der Universität geht.

Die Geschichte nimmt sich sehr viel Zeit, sich zu entfalten. Man begleitet Kvothe wirklich von klein auf, lernt seine Eltern kennen, verfolgt seine Entwicklung und erfährt auch viele Details. Wer mit so einer langsamen Erzählweise ohne großen Spannungsbogen nichts anfangen kann, sollte besser die Finger von der Trilogie lassen. Ich fand das Buch zwar sehr spannend und konnte es kaum aus der Hand legen, allerdings lesen sich weite Strecken dieses ersten Teils noch wie eine Einleitung. Viele Episoden aus Kvothes Leben sind zwar durchaus lesenswert, aber es fehlt noch ein weiter Weg zu dem Kvothe, der offensichtlich weltberühmt ist, sich aber lieber in sein kleines Gasthaus zurückzieht.

Sehr angenehm und unterhaltsam fand ich Patrick Rothfuss’ Erzählweise. In kurzen Zwischenkapiteln erinnert er den Leser daran, dass man eigentlich gerade in Kotes Gasthaus sitzt und seiner Erzählung aus dessen eigener Perspektive lauscht. Außerdem nimmt der Erzähler sich selbst und einige Fantasy-Klischees nicht so ganz ernst. Mein Favorit ist dabei eine Szene, in der Kvothe an der Universität ist und den sinnlosen Aufgaben eines Professors folgt und sich dabei immer wieder denkt, dass dies wohl eine Prüfung ist, weil er so etwas schon öfter in dieser Art gelesen hat. Doch er irrt sich gewaltig…

Fazit: Den Auftakt der Königsmörder-Trilogie fand ich durchaus gelungen und unterhaltsam. Für mich hatte das Buch einige Längen und kommt nicht so richtig in die Gänge, aber war trotzdem so spannend zu lesen, dass ich es kaum aus der Hand legen konnte. Ich freue mich auf Band zwei! :sheep4:

Kai Meyer – Seide und Schwert

Verlag: Loewe
Erschienen: 2006
Seiten: 408

Kai Meyer hat als Schauplatz für diese Jugendbuch-Trilogie China gewählt. Aber nicht das China, so wie wir es kennen, sondern ein Land, in dem es Drachen und Magie gibt und auch allerlei Gestalten, denen man lieber nicht begegnen möchte. Das Mädchen Nugua wuchs bei Drachen auf, allerdings sind diese eines Tages verschwunden und sie macht sich allein auf die Suche nach ihnen. Niccolo lebt auf einer Insel in den Wolken, doch als diese sinkt, muss er auf den Erdboden reisen. Das Schicksal seines ganzen Volkes liegt plötzlich in seinen Händen. Nugua und Niccolo treffen sich auf ihrer Suche und erleben gemeinsam so einige Abenteuer. Sie treffen sowohl auf Freunde als auch auf Feinde, müssen Gefahren überstehen und Schwierigkeiten meistern.

Die Spannung wird dabei konstant aufrechterhalten. Kaum ist ein Kampf vorbei, steht schon das nächste Problem vor der Tür. Eine actiongeladene Szene jagt die nächste. Verschnaufpausen oder ruhigere Passagen findet man selten. Die Charaktere und die zwischenmenschlichen Beziehungen entwickeln sich eher nebenbei weiter. Damit sollte man schon rechnen, bevor man sich auf dieses Jugendbuch einlässt, dann kann man auch als Erwachsener seinen Spaß daran haben.

Kai Meyer ist hier wieder ein spannungsgeladener Auftakt einer Trilogie gelungen. Mit viel Liebe zum Detail und viel Fantasie schmückt er diese fremde und doch bekannte Welt aus. Am Ende von Seide und Schwert sind natürlich noch viele – wenn nicht alle – Fragen offen, obwohl auch einige Zusammenhänge klarer werden. Am liebsten möchte man gleich weiterlesen und wissen, wie es Nugua und Niccolo und all den anderen liebgewonnen Figuren ergeht. Ich freue mich schon, wenn ich mein selbst auferlegtes Buchkaufverbot überstanden habe, das erste Buch, das ich danach kaufe, wird definitiv Lanze und Licht sein.

Für diesen unterhaltsamen und spannenden ersten Teil gibt es :sheep4:.